2026-06-11T13:43:19.051Z

Interview

Stunde Null in Erlangen: »Es ging nicht nur um Fußball«

Relegation missglückt: Der ATSV Erlangen ist in die Landesliga abgestürzt. Und nun, Jochen Strobel?

von Helmut Weigerstorfer · 02.06.2026, 08:00 Uhr · 0 Leser
Letztlich waren alle Mühen vergebens: Jochen Strobel steigt mit einem Abstieg beim ATSV Erlangen ein.
Letztlich waren alle Mühen vergebens: Jochen Strobel steigt mit einem Abstieg beim ATSV Erlangen ein. – Foto: Sportfoto Zink / L. Pfoertsch

Es gibt wahrlich ruhigere und erfolgreichere Debüts: Nur knapp zwei Wochen, nachdem Jochen Strobel und Normann Wagner früher als erwartet den ATSV Erlangen übernommen haben, ist das gleichberechtigte Trainerduo mit dem mittelfränkischen Bayernligisten nach missglückter Relegation abgestiegen. Der vorläufige Höhepunkt des Absturzes des Rangvierten der Vorsaison. Wie geht es nun weiter an der Paul-Gossen-Straße? Jochen Strobel dazu im FuPa-Interview...

Jochen, eigentlich wärst Du ja noch gar nicht Trainer des ATSV Erlangen. Doch nun bist Du an der Linie der Mittelfranken unglaublich bitter nach der Relegation abgestiegen. Gewähr uns Doch einen Einblick in die Gefühlswelt nach dem Pfingstmontag...
Ein Abstieg ist immer eine Enttäuschung - gerade auf diese Art und Weise. Die Tage nach dem Pfingstmontag waren natürlich extrem bitter. Trotzdem bringt Jammern nichts – der Blick muss nach vorne gehen. Wir müssen die Dinge sauber analysieren und dann wieder angreifen.

War es im Rückblick ein Fehler, kurzfristig einzuspringen nach dem Skeraj-Aus? Immerhin blieb Dir somit vor einer sehr wichtigen Phase fast keine Zeit, Dich einzuarbeiten und an Stellschrauben zu drehen?
Nein, das war für uns - ich spreche für Norman (Strobel-Partner Wagner; Anm. d. Red) und mich - kein Fehler. Natürlich war die Situation schwierig und die Zeit extrem knapp, aber wenn der Verein uns braucht, dann übernimmst du Verantwortung. Uns war klar, dass man in so kurzer Zeit nicht mehr alles verändern kann.

Eine Mannschaft in welchem Zustand hast Du übernommen?
Der Zustand der Mannschaft war schon fragil. Da ging es nicht nur um Fußball, sondern auch um Köpfe und Stimmung. Man hat gemerkt, dass die vergangenen Monate Spuren hinterlassen haben.

Seit dem Winter hat sich beim ATSV einiges getan: Erst hat sich Macher Jörg Markert verabschiedet, dann dessen Sohn Florian in Richtung Bayreuth, ehe mit Trainer Chipo Skeraj ein enger Freund der Familie entlassen worden ist, woraufhin Kapitän Lucas Markert nicht mehr spielen wollte. Waren diese vielen Nebenkriegsschauplätze bei Deinem Amtsantritt noch zu spüren?
Natürlich waren diese Themen noch präsent. Wenn du innerhalb kurzer Zeit mehrere wichtige Personen verlierst, dann macht das etwas mit einem Verein und auch mit einer Mannschaft. Leistungsträger beziehungsweise prägende Figuren ersetzt du nicht einfach so. Und wenn dann noch der Kapitän sein Team so im Stich lässt, was soll man dazu noch sagen?

Ist der ATSV Erlangen alles in allem "neben" dem Platz abgestiegen?
Es sind viele Faktoren zusammengekommen. Sportlich hat es am Ende nicht gereicht. Wenn dir im Vergleich zur Hinrunde mit zweimal Markert und Jeffrey Stielke drei wichtige Spieler wegbrechen und der Kader eh nicht so groß war, merkt man das einfach. Ebenso kam die schwache Offensivpower dazu. Aber natürlich haben die Unruhen neben dem Platz auch ihren Teil dazu beigetragen.

Tut es doppelt weh, dass Lokalrivale Eltersdorf gleichzeitig Meister geworden ist?
Nein, Neid gibt es da keinen. Eltersdorf hat eine starke Saison gespielt und sich den Aufstieg verdient. Respekt! Was Bernd Eigner dort seit zehn Jahren leistet, verdient absolute Anerkennung.

"Jetzt werden wir sehen, wer wirklich zu seinem Wort steht und wer den Weg mitgehen will."
"Jetzt werden wir sehen, wer wirklich zu seinem Wort steht und wer den Weg mitgehen will." – Foto: Ernst Blank

Bereits am Pfingstmontag hast Du angekündigt: "Wir kommen wieder!". Warum hast Du nicht die Lust am ATSV Erlangen verloren?
Weil wir überzeugt sind, dass der ATSV wieder aufstehen kann. Rückschläge gehören im Fußball dazu. Entscheidend ist, wie man darauf reagiert.

Warum bist Du so überzeugt, dass der ATSV Erlangen "wieder kommt"?
Weil der Verein trotz allem Potenzial hat - im Umfeld, in der Infrastruktur und auch sportlich. Jetzt geht es darum, wieder Ruhe reinzubringen und die richtigen Leute zusammenzustellen.

Inwiefern wird der Kader nun umgebaut?
Am Kader basteln wir eigentlich schon seit Januar. Jetzt werden wir sehen, wer wirklich zu seinem Wort steht und wer den Weg mitgehen will. Klar ist aber auch: Wir werden die Mannschaft gezielt verändern und neu aufbauen. Über konkrete Ziele sprechen wir dann, wenn die Planungen abgeschlossen sind.

Abschließend der obligatorische Blick in die Zukunft: Erzähl doch mal...
Jetzt gilt es erstmal, die Enttäuschung zu verarbeiten und dann Schritt für Schritt neu anzufangen. Wir wollen eine Mannschaft formen, die wieder geschlossen auftritt und den Verein entsprechend repräsentiert. Noch einmal, weil ich fest davon überzeugt bin: Der ATSV wird wieder kommen!

Danke für das Gespräch - viel Kraft und Erfolg!