Strittige Szenen beim Bezirksliga-Gipfel
Nach dem knappen Triumph des FC Amberg über den SV Hahnbach gab es reichlich Diskussionsstoff
von Florian Würthele · Heute, 11:00 Uhr · 0 Leser
Kapitän Mario Schmien (links) und Sturmtank Marco Seifert vom FC Amberg ließen ihrer Freude nach dem Spiel freien Lauf. – Foto: Florian WürtheleEin Auftakt mit Knall: 60 Sekunden war das Spitzenspiel in der Bezirksliga Nord zwischen dem FC Amberg und dem SV Hahnbach alt, da kam es zur ersten Schlüsselszene. Weitere Aufreger sollten im Verlauf der ersten Halbzeit folgen. Auch das Schiedsrichtergespann stand im Blickpunkt. Generell bot die in Haselmühl ausgetragene Partie viel Stoff zur Diskussion. Sportlich behauptete sich der FCA letztlich mit 2:1 (2:1) und ist dem Meistertitel jetzt ganz, ganz nah.
Szene 1 in Minute 1: Hahnbachs Keeper Patrick Stiegler wollte im Strafraum den Ball aufnehmen, verdrehte sich dabei das Knie und blieb mit schmerzverzerrter Mine liegen. Ihm droht ein Kreuzbandriss. Amberg spielte weiter und Marco Helleder schob den Ball ins verwaiste Tor zur Blitz-Führung. „Denkbar ungünstig. Klar hätte ich mir irgendwo gewünscht, dass Amberg den Ball rausspielt. Andererseits kann ich sie in dem Moment auch irgendwo verstehen“, macht Hahnbachs Spielertrainer Bastian Freisinger dem Gegner „keinen Vorwurf“. Sein Gegenüber, Ambergs Spielercoach Friedrich Lieder, beschrieb diese Szene als „mega ärgerlich und unglücklich. Es tut mir auch wirklich leid, dass es so passiert ist.“ Szene 2 in Minute 21: Der vermeintliche Ausgleichstreffer von Hahnbach wurde zurückgepfiffen. Schiedsrichter Moritz Fischer zeigte einen Schubser des Vorlagengebers an. Sehr zum Unmut der Hahnbacher Bank. Die Videobilder belegen, dass das mindestens eine fragwürdige Entscheidung war und man durchaus hätte weiterlaufen lassen können.
Szene 3 in Minute 23: Ambergs Torschütze Marco Helleder – bereits mit Gelb verwarnt – ging ein weiteres Mal zu ungestüm in den Zweikampf, traf seinen Gegenspieler von hinten am Fuß und bekam von Fischer eine Zehn-Minuten-Strafe aufgebrummt. Die numerische Überzahl nutzte Hahnbach prompt. Michael Hirschmann erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich. Trotzdem zeigte sich Freisinger im Nachgang wenig begeistert: „Entscheidend war für mich auch die Zehn-Minuten-Strafe. Sie killt uns in dem Spiel, in dem wir ein Mann mehr sein müssten. Für mich ist es eine klare gelbrote Karte. Stattdessen gibt der Schiedsrichter zehn Minuten und begründet es in der Halbzeit damit, er wolle das Spiel in der ersten Halbzeit nicht selbst entscheiden. Das ist für mich ein Wahnsinn und irgendwo lächerlich. Damit wird die Regel entkräftet, weil es kein überhartes Foul und eine klare Gelbe Karte ist. Für Amberg war es ein Freifahrtschein, den Spieler nach den zehn Minuten direkt auszuwechseln. Amberg bekommt da eigentlich einen Mann geschenkt“, echauffierte sich Freisinger.
Szene 4 in Minute 38: Ambergs agiler Sturmtank Marco Seifert wurde im Strafraum im Gesicht getroffen. Den Elfmeter versenkte Friedrich Lieder zum 2:1 für den Tabellenführer. „Natürlich ist es keine Absicht, aber der Gegner trifft ihn halt im Gesicht“, äußerte sich Lieder dazu. Freisinger war anderer Ansicht: „Ein gefühlter Freifahrtschein, sich immer hinschmeißen zu können, sich ins Gesicht zu halten und dann gibt es Elfmeter.“
Wesentlich weniger Aufreger bot der zweite Durchgang. Tore sollten keine mehr fallen. Der Tabellenzweite aus Hahnbach agierte engagiert und mutig, konnte vorne aber nicht die nötige Durchschlagskraft entfachen. Die Amberger ließen wenig zu und verlegten sich mehr und mehr drauf, den knappen Vorsprung ins Ziel zu bringen – was ihnen schlussendlich auch gelang. In der Nachspielzeit lieferte Ambergs Spielercoach und Innenverteidiger Mario Zitzmann nochmal eine klasse Rettungsaktion am Fünfer, bei einem Schuss von Michael Hefner. „Zwar hatten wir vorne immer wieder gute Aktion und hätten noch das ein oder andere Tor machen können, haben uns aber extrem schwer getan, fußballerisch überhaupt Mittel zu finden. Spielerisch war es kein gutes Spiel für uns. Aber wir standen sehr kompakt und ließen wenig zu. Das ist ja auch viel wert. Insgesamt können wir mit der Defensivleistung zufrieden sein. Beim Spiel mit dem Ball haben wir noch viel Potenzial“, analysierte Zitzmann und zog gleichzeitig seinen Hut vor der Hahnbacher Mannschaft: „Sie haben uns alles abverlangt und waren sehr mutig. Wir konnten uns nicht so richtig befreien, haben uns ein bisschen versteckt.“
Hahnbachs Spielertrainer Bastian Freisinger bilanzierte: „In puncto Torchancen hätte Amberg in der ersten Halbzeit vielleicht noch ein zweites und drittes Tor machen können. Über die 90 Minuten waren wir aber, was das Spiel mit dem Ball angeht, die aktivere und bessere Mannschaft.“ Personell musste der SVH in den vergangenen Wochen immer wieder Nackenschläge mit Verletzungen verkraften. „Wir kämpfen uns im Moment durch und kommen ein wenig am Zahnfleisch daher. Deswegen ist die heutige Leistung umso höher anzurechnen. Daher gehen wir mit vollem Stolz raus.“
Rechnerisch trennen den FCA nur noch zwei Punkte von der Meisterschaft. Am besten soll der Sack schon nächsten Samstag in Furth im Wald zugeschnürt werden. „Es ist eine Riesenerleichterung. Wir brauchen noch zwei Punkte in den nächsten vier Punkten. Da muss schon viel passieren, dass wir das Ding nicht über die Linie bekommen“, sagt Mario Zitzmann. „Natürlich wollen wir es so schnell wie möglich schaffen. Mit dem Sieg gegen Hahnbach haben wir einen Riesenschritt gemacht. Die Tür steht sehr weit offen. Wir schauen, nächste Woche nachzulegen und das Ding einzutüten.“ Für den SV Hahnbach geht es im Endspurt darum, den Relegationsplatz abzusichern. Die Verfolger lauern. „Wir schauen eigentlich nur auf uns, wollen unsere Spiele gewinnen und uns Stück für Stück weiterentwickeln. Mir ist die sportliche Entwicklung wichtig und da haben wir gegen Amberg einen guten Schritt nach vorne gemacht. Die restlichen Saisonspiele wollen wir natürlich immer gewinnen“, unterstreicht Freisinger.