
Viel wurde in den vergangenen Wochen über den geplanten Bayer-Campus in Monheim diskutiert. Nach der hitzigen Ratssitzung Anfang November und dem Beschluss, das Bauleitverfahren für den Standort an der Alfred-Nobel-Straße aufzuheben, trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Monheimer Ratsfraktionen zuletzt mit Bayer 04 Leverkusen. Dabei präsentierte der Verein erstmals seine überarbeitete Planung – und stellte sie jetzt auch der Öffentlichkeit vor.
„Wir haben in den vergangenen Monaten zugehört und in vielen Gesprächen vor Ort festgestellt, was den Menschen in Monheim wichtig ist. Deshalb haben wir unsere Planung erheblich angepasst“, erklärt Bayer 04. Die Fläche des geplanten Leistungszentrums wurde in den neuen Plänen deshalb um rund ein Drittel verkleinert – von 22 auf 14,8 Hektar. Außerdem sollen zwei Trainingsplätze entfallen, die Gebäude neu angeordnet und die Abstände zu den Anwohnern in Blee und Zaunswinkel auf bis zu 260 Meter erweitert werden (vorher lag der Abstand bei 115 Metern). Der Grünzug soll laut Bayer erhalten bleiben und sogar verbreitert werden. Das Parkhaus, ursprünglich auf dem Campus vorgesehen, soll nun in den bestehenden Bayer-Standort integriert werden.
Was auf den ersten Blick nach einem großen Kompromiss klingt, löst längst nicht überall Jubelstürme aus. Knackpunkt bleibt nach wie vor die Standortfrage. Die Monheimer Grünen sehen in den neuen Plänen zwar erste Fortschritte, bleiben in der Sache aber skeptisch. „Mit dem angepassten Entwurf hat Bayer einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Unsere Kritik ist also verstanden worden“, erklären die Fraktionsvorsitzenden Jens Mallwitz und Sabine Lorenz auf Anfrage.
Zentraler Kritikpunkt bleibe jedoch der Eingriff in den Grünzug, der für Klimaresilienz, Artenvielfalt und Naherholung von Bedeutung sei. „Der Grünzug würde durch einen Bau des Trainingscampus weiterhin in seiner Funktion stark eingeschränkt. Wir halten den Standort prinzipiell für wenig geeignet und dringen auf eine Verlagerung auf andere Flächen oder eine erneute Prüfung von Standorten außerhalb Monheims.“
Da Bayer den Campus verkleinert habe, müsse man außerdem auch die früher untersuchten Alternativflächen neu bewerten. „Nun da die Größe des Campus deutlich zur initialen Planung reduziert wurde, sollten alle Standorte erneut geprüft werden“, so die Grünen. Eine echte Lösung könne nur in einem „gemeinsamen Neuaufsetzen“ der Standortsuche liegen.
Noch deutlicher fällt das Urteil der Interessensgemeinschaft „Für den Erhalt des Monheimer Grünzugs“ aus. Von den neuen Plänen habe man erst aus der Presse erfahren, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Eine Einbindung oder Information über die Änderungen vonseiten Bayers habe nicht stattgefunden.
Die Reduktion der Fläche um ein Drittel und der Verzicht auf das Parkhaus seien „kosmetische Schritte“, die „keinen nennenswerten Beitrag zum Erhalt des Grünzuges“ leisten würden. Die Interessensgemeinschaft verweist auf Einschätzungen der Bezirksregierung und des von Bayer selbst beauftragten Gutachtens, wonach die Fläche nördlich der Alfred-Nobel-Straße weiterhin als nicht regionalplanerisch geeignet gilt. „Unsere grundsätzliche Einschätzung bleibt unverändert: Der Standort ist und bleibt ungeeignet – in der bisherigen wie in der verkleinerten Planung“, heißt es in der Stellungnahme.
Stattdessen sieht die Interessensgemeinschaft Potenzial auf den Flächen östlich und südlich des Crop-Science-Geländes. Diese seien „verträglicher“ und böten genug Platz für eine Anlage auch in der ursprünglichen Größe. Sollte Bayer diese Flächen ausschließen, müsse das Projekt „an anderer Stelle, nicht in Monheim“ realisiert werden.
Was nun folgen soll, ist eine neue Phase der Gespräche. Bayer kündigte an, den Dialog mit Stadt, Politik und Bürgerschaft fortzusetzen und die Öffentlichkeit umfassend über die überarbeitete Planung zu informieren. Dabei soll es nicht nur um die baulichen Details gehen, sondern auch um Fragen der Umweltverträglichkeit, der Verkehrsanbindung und der Nutzungsmöglichkeiten für Schulen und Vereine.
In den kommenden Wochen will der Verein weitere Gutachten zu Lärm, Artenschutz und Regenwassermanagement vorstellen – und dabei insbesondere den Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern suchen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen sei das Ziel, „Schritt für Schritt Vertrauen zurückzugewinnen“.