
Der KFC Uerdingen durfte mit fünf Siegen in Folge und einer breiten Brust zum Schetters Busch der SpVg Schonnebeck fahren. Doch statt weiteren Punkten nahmen die Krefelder die höchste Saisonniederlage und womöglich den Knockout im Aufstiegsrennen mit.
Nach Spielende formierte Trainer Julian Stöhr seine Mannschaft um sich und redete wütend auf die sichtlich bedröppelten Gesichter seiner Schützlinge ein. Einen Kritikpunkt, den er vor der Mannschaft ansprach, wiederholte der Übungsleiter auch etwas später vor den Pressevertretern. "Ich höre immer, dass Spieler Gespräche führen und Berater reden von Regionalliga- und Drittliga-Angeboten. Da kriege ich einen Anfall, muss ich ehrlich sagen. Unsere Spieler sollen sich auf die aktuelle Situation konzentrieren", sagte Stöhr. Auch die wohl lapidare Einstellung beim Abschlusstraining ist dem 35-Jährigen übel aufgestoßen.
Ursprünglich schien der KFC allerdings wie zuletzt auf Erfolgskurs. Adam Tolba brachte die Uerdinger zwischenzeitlich in Front (19.). Doch nach dem Doppelschlag von Niko Bosnjak (25.) und Kevin Kehrmann (29.) zugunsten der Gastgeber, herrschte eine andere Stimmung auf dem Platz. Uerdingen spielte verkrampfter, biss sich offensiv bisweilen die Zähne aus. Der Treffer zum 3:1 von Cedric Zajkowski brachte die Gäste schon akut in Zugzwang. Doch statt einer Aufholjagd fingen sich die Uerdinger kurz vor Schluss noch drei weitere Gegentreffer (88., 90.+3, 90.+4).

Stöhr wies seine Mannschaft in dieser Phase eigentlich auf Schadensbegrenzung an. "Wenn du fünf Minuten vor Schluss 4:1 hinten liegst, dann sage ich: 'Bleib hinten.' Wir sind dann aber trotzdem noch offen wie ein Scheunentor."
Bei aller berechtigter Kritik zeigte Stöhr aber auch Verständnis für seine Akteure. "Ich war ja auch Spieler, ich weiß, dass das total schwierig für den Kopf ist. Die Jungs haben sich viel ausgerechnet. Auch nach der Halbzeit waren wir gut im Spiel. Dann kriegt man mit dem 4:1 so einen Nackenschlag und dann gehen die Köpfe runter."
Die zwei darauffolgenden Tore setzten der Vorführung allerdings die Krone auf: "Ich muss mich dagegen wehren, dass man hier eine Packung kriegt. Wenn ich hier mit 1:4 runtergehe, dann ist das scheiße. Aber nach außen ist so ein 1:6 eine Klatsche, ein peinliches Ergebnis."
Mit noch drei offenen Spielen sind Tabellenführer Ratingen 04/19 und der VfB Hilden auf vier, respektive drei Zähler voraus. Die gute Ausgangsposition ist dahin. Einen Haken hinter die Saison möchte Stöhr aber noch nicht machen: "Die Saison ist noch nicht vorbei. Das war heute schon ein Offenbarungseid. Damit die Stimmung nicht kippt, müssen wir gegen Kleve eine Reaktion zeigen."

Auch die mitgereisten Fans äußerten statt Kritik ausschließlich aufmunternde Worte zum Abschied ihrer Mannschaft. Gerade die Anhänger sind mehr als leiderprobt und stellten klar, dass sie auch in einem weiteren Oberliga-Jahr ihrem Verein tatkräftig zur Seite stehen würden.