
Sie sind diejenigen, die einen Verein am laufen halten. Und sie stehen nicht so im Mittelpunkt wie die Spieler, auf die allwöchentlich die Schweinwerfer gerichtet sind. Gemeint sind die ehrenamtlichen Helfer im Hintergrund, die, die immer da sind, aber nur selten Beachtung finden. Diesen stillen Helden widmet FuPa eine kleine Serie. Teil 13: Christoph "Flory" Bachhuber von TuS Pfarrkirchen
Seit wann bist Du in Deinem Verein in welchen Funktionen aktiv?
Ich bin seit 2009 dabei, nachdem ich von meinem Jugendverein DJK-SV Brombach-Hirschbach zur TuS in die Kreisliga gewechselt bin. Als aktiver Spieler habe ich mich nach ein paar Jahren zusätzlich als Schriftführer in der Vorstandschaft engagiert. Nach dem tragischen und sehr überraschenden Tod unserer Vereinsikone Andi Tautz im April 2014 hing die Zukunft der Fußballabteilung nach zwischenzeitlich großem Aderlass als Landesligist am seidenen Faden. Ich sprang als neuer Sportlicher Leiter und weiterhin aktiver Spieler ins kalte Wasser und übernahm seinen Job so gut es eben ging. Gerade die folgenden Jahre waren sehr intensiv. Ich war Mädchen für alles, konnte aber in dieser Zeit sehr viel lernen und fürs Leben mitnehmen. Zur Saison 18/19 wurde ich einer der Abteilungsleiter, der ich nach wie vor bin. Im Allgemeinen fällt mir eigentlich nicht viel ein, was ich in den fast 17 Jahren noch nicht getan hätte …
Wie viele Stunden bist Du für Deinen Verein durchschnittlich aktiv?
Unsere beiden Kinder sind noch relativ klein und wir bauen zudem gerade Haus - da kann ich meine Freizeit nicht mehr komplett für den Fußball opfern. Es sind schon noch einige Stunden in der Woche. Mal mehr, mal weniger. Über viele Jahre haben mich meine Vereinskollegen aber definitiv öfter zu Gesicht bekommen, als meine damalige Freundin oder die Familie, da war die Pfarrkirchner Rennbahn mein Hotspot und ich war als Spieler und Funktionär gut und gerne 20 Stunden pro Woche für den Verein aktiv.
Warum ist Dein Verein Dein Verein? Was zeichnet ihn aus? Welche Alleinstellungsmerkmal hat er?
Eine schwere Frage, weil ich damals zur TuS gewechselt bin, um als Spieler den nächsten Schritt zu machen. Alles Weitere passierte, weil wir immer schon ein eingeschworener Haufen waren und ich mich nie davor gedrückt habe, auf und neben dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Generell ist die TuS aber ein Verein, in dem wir einen sehr offenen und herzlichen Umgang pflegen, keiner ist außen vor. Für mich ist die TuS nach wie vor wie eine zweite Familie.
Ein Leben ohne meinen Verein wäre...
… sicherlich etwas langweiliger und um viele enge Freundschaften ärmer!
An welches Erlebnis/Ereignis rund um Deinen Verein erinnerst Du Dich besonders gerne?
Ich durfte als Spieler und Funktionär in beiden Herrenmannschaften insgesamt fünf Aufstiege feiern, vier Mal wurden wir dabei Meister, 2017 sogar niederbayerischer Meister. In der Halle konnten wir dreimal die Kreismeisterschaft und einmal die Niederbayerische holen. Jeder Amateurfußballer weiß, was das heißt und ich bin sehr dankbar, alles miterlebt zu haben. Der Mannschaftsausflug zum Prager Christkindlmarkt bleibt mir auch positiv in Erinnerung – mehr darf ich dazu nicht sagen, sonst klingelt morgen das Telefon.

Und welchen Moment möchtest Du aus Deinem Gedächtnis streichen?
Tatsächlich gar keinen, ohne Licht kein Schatten und umgekehrt.
Zu viel Lob ist auch nicht gut, deshalb: Was könnte in Deinem Verein besser sein/werden/laufen?
Es ist zwar ein generelles Thema, aber die Jugendarbeit wird - ohne ihre Wichtigkeit zu schmälern mit dem heutigen Wohlstand und einhergehenden Freizeitangebot sowie der gefühlt immer noch anwachsenden Bildschirmzeit der Kinder - immer schwieriger. Wir können immer noch alle Altersklassen mit eigenen Teams besetzen. Aber das ist definitiv ein Thema, was uns und wohl auch viele andere Sportvereine sehr beschäftigt, um hier weiterhin nicht nur kurzfristige, sondern nachhaltige Lösungen zu finden.
Ehrenamt gilt mehr und mehr als uncool. Wie könnte man dieser Entwicklung entgegenwirken?
Die Frage zielt auf die junge Generation ab, drum muss ich es aus meiner Sicht etwas differenzieren. Das Ehrenamt ist zumindest im Amateurfußball und mit Ausnahme der klassischen Platzwarte oder dem Vereinswirt auch bei der älteren Generation uncool geworden. Vielleicht auch, weil sich in unserem Sport bis hin zur Bundesliga und dem internationalen Fußballgeschäft zu schnell zu viel getan hat und diejenigen, die in der Arbeit große Verantwortung tragen, es auch nicht noch im Verein brauchen. Vor allem, wenn sie sich mit manchen Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre nicht mehr identifizieren können. Das ist keine Kritik, denn ich fühle mich selbst mit 36 manchmal alt, wenn es um die heutigen Ansichten junger Erwachsener geht, aber so ist es nun mal. Wenn ich mir den Altersschnitt der Fußball-Funktionäre im Umkreis so anschaue, sind aus meiner Sicht jedenfalls sehr viele junge Leute mit dabei und oft muss man sie halt auch einfach mal machen lassen. Eine andere Perspektive oder Meinung gerade von den Jüngeren ist Gold wert, sie sind unsere Zukunft und sollen diese aus meiner Sicht gerne mitgestalten. Wenn man gleich immer alles besser weiß, hat keiner Spaß daran sich einzubringen. Und im Ehrenamt geht’s nun mal drum, sich zu motivieren und gemeinsam Spaß zu haben, wenn man schon nichts dabei verdient.
Das Mannschafts- und Vereinesterben greift um sich. Warum ist Dein Verein in absehbarer Zeit davon nicht betroffen?
Die Antwort dazu habe ich schon gegeben: Wir halten auch in Zukunft generationsübergreifend zusammen. Der gemeinsame Weg ist das Ziel.
Abschließend der obligatorische Blick in die Zukunft: Dein Verein in 10,15 Jahren – erzähl doch mal...
Ich bin kein Hellseher, und wie bereits angesprochen geht es mehr und mehr drum, die jungen Leute in die Entscheidungen mitzunehmen. Die Schere zwischen Profi- und Amateurvereinen wird weiter auseinandergehen und die Zeit ist schnelllebiger denn je. Für mich daher echt die schwierigste Frage, aber wir werden alles dafür tun, um auch in zehn Jahren noch Spaß am Fußball zu haben und gemeinsam möglichst erfolgreich zu sein.
___________
Josef Burmberger (Sportlicher Leiter, Pfarrkirchen): "Christoph ist vom Verein nicht wegzudenken. Er kümmerte sich in den vergangen Jahren um alle Belange. Nachdem wir ein paar Monate keinen Platzwart hatten, übernahm er auch diese Aufgabe. Also kann man durchaus sagen, Christoph ist sich für nix zu schade und macht sich auch selbst die Hände schmutzig. Danke Christoph für deine Arbeit, die du hoffentlich noch lange für deinen Verein leistest!"
___________
Auch ihr habt stille Helden im Verein? Dann schreibt uns: niederbayern@fupa.net