
Der SV Millingen hat das scheinbar Unmögliche geschafft und sich den Klassenerhalt in der Kreisliga A gesichert. Nach dem glücklichen 2:2 im ersten Relegationsspiel setzte sich die Mannschaft von Trainer Fabian Scholz im entscheidenden Rückspiel gegen den B-Liga-Dritten 1. FC Lintfort II am Sonntag vor 450 Zuschauern auf heimische Anlage mit 2:1 (1:0) durch. Damit bleibt der Klub auch elf Jahre nach dem Aufstieg im Jahr 2014/15 Teil der A-Liga.
Schon lange vor dem Anpfiff herrschte rund um die Jahnstraße Ausnahmezustand. Die vielen Ordner hatten alle Hände voll zu tun, zahlreiche Zuschauer reisten mit dem Rad an. Andre sorgten für volle Wege und Parkflächen. Während so mancher in Deutschland-Trikots zuschaute und bereits WM-Fieber versprühte, entwickelte sich auf dem Platz direkt eine umkämpfte Partie, die auch vom starken Wind beeinflusst wurde.
In einer ausgeglichenen ersten Halbzeit besaß Millingen leichte Vorteile. Die Gastgeber wirkten griffiger und gingen nach 33 Minuten in Führung. Top-Torjäger Yannick Saunus traf mit einem sehenswerten Abschluss zum umjubelten 1:0. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause.
Doch die Gäste aus Kamp-Lintfort, die den gesperrten Innenverteidiger Musa Sidibeh ersetzen mussten, kamen mit Schwung aus der Kabine. Nach einem Foulspiel von Timur Zenk im Strafraum zeigte Schiedsrichter Luke Awater direkt nach Wiederanpfiff auf den Punkt. Millingens erneut starker Schlussmann Philipp Raskopf parierte den Elfmeter zunächst stark, konnte den Ball jedoch nur nach vorne abwehren. Schütze Taycan Köksel reagierte am schnellsten und staubte zum 1:1 ab (47.).
Der Treffer gab Lintfort II Auftrieb. Die Gäste drückten auf den Führungstreffer und hatten nun ihre beste Phase. Mit dabei war auch der frühere Sonsbecker Alexander Maas, der für die Gäste auflief. Doch Millingen hielt dagegen und schlug in der entscheidenden Szene zurück.
Nach einem Freistoß von Nico Parthum aus dem Halbfeld stieg Steven Schön völlig freistehend zum Kopfball hoch und erzielte das 2:1 (65.). Bereits im Hinspiel hatte der Stürmer als Matchwinner geglänzt – nun wurde er erneut zum Relegations-Helden seiner Mannschaft.
In der Schlussphase entwickelte sich ein ruppiges Spiel mit zahlreichen gelben Karten. Lintfort warf alles nach vorne, während Millingen leidenschaftlich verteidigte. Sechs Minuten Nachspielzeit mussten die Gastgeber noch überstehen, ehe der erlösende Schlusspfiff ertönte.
Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Spieler, Trainer und Fans bildeten einen großen Party-Kreis auf dem Rasen und feierten gemeinsam den Klassenerhalt. Die Mannschaft bedankte sich anschließend bei den Anhängern für die Unterstützung.
Trainer Fabian Scholz zeigte sich nach dem Spiel sichtlich erleichtert. Er hatte vom ersten Tag seines Amtsantritts im Winter an das positive Ende geglaubt: „Es ist unfassbar. Die Mannschaft hat ein komplett anderes Gesicht gezeigt und deutlich besseren Fußball gespielt. Für mich ist es das Wunder von Millingen.“
Der Coach erinnerte dabei an die schwierige Ausgangslage: „Wir hatten zwischenzeitlich zwölf Punkte Rückstand und waren eigentlich schon tot. In der Hinrunde haben wir nur fünf Punkte geholt. So eine Aufholjagd sieht man selbst im Kreisliga-Fußball nicht oft.“
Auch für den Gegner fand er anerkennende Worte: „Lintfort hat über beide Spiele hinweg eine überragende Leistung gezeigt. Die Mannschaft war absolut ebenbürtig. Umso schöner ist es, dass wir es geschafft haben. Die Zuschauer waren heute überragend. Ich werde wahrscheinlich eine Woche nicht schlafen.“
Enttäuscht, aber nicht unglücklich war Lintforts Trainer Djore Vidoevski: „Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Wir haben die Relegation nach den vielen vergebenen Chancen im Hinspiel verloren und waren wieder bessere Mannschaft. Die Jungs haben alles gegeben, vor allem nach dem Umschwung – mitten in einer Saison mit dem Trainerwechsel für die letzten acht Spiele und einigen Abgängen. Das verdient Respekt.“ Der Gäste-Coach gratulierte fair zum Klassenerhalt: „Glückwunsch an Millingen. Die Mannschaft hat große Moral bewiesen.“