
Der TSV Neu-Ulm hat sich mit einer eindrucksvollen Saisonleistung den Meistertitel in der Bezirksliga Donau/Iller gesichert. In einem packenden Zweikampf mit dem SC Staig zeigte die Mannschaft von Trainer Stephan Baierl (48) große Konstanz, entschied die Meisterschaft für sich – und vermied damit den gefürchteten Umweg über die Relegation.
Spätestens ab der Rückrunde war allen klar: Die Meisterschaft würde zwischen dem TSV Neu-Ulm und dem SC Staig entschieden werden. Dass der TSV letztlich mit 79 Punkten und einem imposanten Torverhältnis von 121:28 an der Spitze stand, zeugt von einer Saison der Effizienz und Reife. „Wir wussten, dass wir uns einen Ausrutscher erlauben konnten, aber wir ließen es gar nicht so weit kommen“, stellte Stephan Baierl fest. Sein Team hatte über weite Strecken die Kontrolle, hielt dem Druck stand – auch mit dem Wissen, dass die Relegation keine Option sein sollte: „Ich wollte nicht schon wieder diesen Weg gehen, das habe ich in Memmingen zweimal erlebt. Ein schlechtes Spiel kann da eine ganze Saison zunichtemachen.“
Der SC Staig lieferte über die Saison hinweg konstant ab und blieb bis zum Ende ungeschlagen. Doch trotz 23 Siegen und keiner einzigen Niederlage reichte es nicht zum Titel. Für Stephan Baierl war dieser Konkurrent mehr Ansporn als Last: „Ein solcher Gegner schärft die Sinne, weil man weiß, dass man sich keinen Moment der Nachlässigkeit leisten darf.“ Die einzige Schwächephase seines Teams sah er am letzten Spieltag in Öpfingen, als man zur Halbzeit mit 1:3 zurücklag: „Das war das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn man nur ein paar Prozent weniger investiert.“
Entscheidend für den Erfolg war die Bereitschaft des gesamten Kaders, sich auf ein neues Spielsystem einzulassen – und dafür auch höhere Trainingsbelastungen zu akzeptieren. „Alle haben sich zu 100 Prozent darauf eingelassen“, bilanzierte Stephan Baierl. Die spielerische Dominanz des TSV Neu-Ulm zeigte sich besonders auf heimischem Rasen, wo das schnelle Kombinationsspiel voll zur Geltung kam. Die spielerisch stärksten Auftritte sah der Coach allerdings in der Wintervorbereitung, als man gegen höherklassige Gegner – mit Ausnahme des VfR Aalen – sämtliche Partien für sich entschied.
Ein emotionaler Höhepunkt der Saison war das Auswärtsspiel in Altheim. Dort gelang Luis Sailer-Fidalgo in der Nachspielzeit der vielumjubelte Siegtreffer. Es war ein Moment, der sinnbildlich für die Entschlossenheit und den Teamgeist der Neu-Ulmer stand – und zugleich eine der größten Erleichterungen der Saison bedeutete. Mit diesem Treffer festigte der TSV seine Tabellenführung und ließ keinen Zweifel mehr am Kurs Richtung Meisterschaft aufkommen.
Trotz aller Euphorie richtet Stephan Baierl den Blick bereits auf die kommenden Herausforderungen in der Landesliga. Dabei spricht er Klartext: „Die größte Herausforderung besteht darin, weniger Verletzte zu haben.“ Die zurückliegende Saison war von personellen Engpässen geprägt – in der kommenden Spielklasse könnten diese deutlich härtere Konsequenzen haben. An der Spielweise selbst will er dennoch festhalten: „Wenn man damit erfolgreich ist, gibt es keinen Grund, etwas zu verändern.“
Personell steht der TSV Neu-Ulm vor einem Umbruch. Lukas Kögel hat seine Karriere am letzten Spieltag offiziell beendet. Robin Schuhmacher muss sich einer Knieoperation unterziehen und wird mindestens ein halbes Jahr ausfallen. Luis Sailer-Fidalgo zieht es aus Studiengründen nach München, wo er künftig auch spielen wird. Mateo Maric möchte mehr Einsatzzeiten und wird daher ebenfalls den Verein verlassen. Für den Verein bedeutet das: Baustellen auf vielen Positionen. Gesucht werden Verteidiger für sämtliche Abwehrrollen sowie flexible Spieler für beide offensiven Außenbahnen. Insgesamt hofft der Trainer auf sechs bis sieben Verstärkungen.
Die Vorbereitungsphase auf die neue Landesligasaison beginnt am 7. Juli. Neben intensiven Trainingseinheiten stehen bis zum Pokalstart am 26. Juli drei Testspiele an. Am 13. Juli trifft der TSV Neu-Ulm auf die zweite Mannschaft des FV Illertissen, am 19. Juli ist ein weiteres Testspiel geplant, der Gegner steht allerdings noch nicht fest. Am 23. Juli folgt ein Härtetest gegen Ehingen-Süd. Zusätzlich bezieht das Team vom 11. bis 13. Juli ein Kurztrainingslager.
Trotz aller Herausforderungen blickt man in Neu-Ulm mit Zuversicht auf das nächste Kapitel. „Wir wollen uns in der Landesliga etablieren und unsere Spielweise auch dort durchbringen“, formuliert Stephan Baierl das übergeordnete Ziel. Der Grundstein dafür sei bereits in dieser Saison gelegt worden. Doch es gibt auch infrastrukturelle Defizite, die vor einer Weiterentwicklung behoben werden müssen: „Die Trainingsbedingungen waren nicht optimal – wir mussten die komplette Rückrunde auf Kunstrasen trainieren, teils sogar auf nur einem halben Platz.“
