2026-10-16T15:12:27.048Z

Allgemeines

"Stell mir kein Denkmal auf, sondern dem Diki"

Landesliga: Seit mehr als zehn Jahren hält Jonathan Diki Eintracht Verlautenheide die Treue. Der Rekordspieler ist längst zur Identifikationsfigur am Heider-Hof-Weg geworden.

von Lars Brepols · 12.09.2026, 09:32 Uhr · 0 Leser
Dauerbrenner bei der Eintracht: Jonathan Diki (r.), der seit 2016 für Verlautenheide spielt.
Dauerbrenner bei der Eintracht: Jonathan Diki (r.), der seit 2016 für Verlautenheide spielt. – Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Für seinen Trainer ist er eine absolute Legende. „Ich habe irgendwann einmal zu unserem Vorsitzenden Herbert Linden gesagt: Stell mir kein Denkmal auf, sondern lieber dem Diki“, erzählt Dennis Buchholz, Erfolgstrainer des Fußball-Landesligisten Eintracht Verlautenheide.

Eine Ausnahmeerscheinung

Gemeint ist Jonathan Diki, verlässliche Größe im Abwehrzentrum und Dauerbrenner am Heider-Hof-Weg. Der 32-Jährige spielt seit mehr als zehn Jahren für die Blau-Weißen und ist gerade mit ihnen in seine elfte Saison in Serie gestartet. Das macht den Abwehrhünen zu einer Ausnahmeerscheinung im zunehmend schnelllebigen Amateurfußball. „Diki ist top, auch als Mensch ein unfassbar feiner Kerl. Er ist bei den Zuschauern sehr beliebt. Im Verein ist er zu einer Ikone geworden“, betont Buchholz.

Auch in der gerade gestarteten Spielzeit ist Diki aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Beim knappen 3:2-Auftaktsieg gegen Raspo Brand wurde er aufgrund muskulärer Beschwerden erst in der Schlussphase eingewechselt, beim jüngsten 4:1-Erfolg bei den Sportfreunden Düren nahm er wieder seinen angestammten Platz in der Startelf ein. Mit der Eintracht geht er somit als Tabellenführer in den dritten Spieltag.

„Ich bin natürlich zufrieden, sowohl mit den Ergebnissen als auch mit den Leistungen der Mannschaft. So haben wir uns den Start nicht unbedingt vorgestellt, gerade weil wir in der Vorbereitung einige Probleme hatten“, betont Diki. „Wir mussten viele junge Spieler integrieren. Umso wichtiger war es, schnell einen guten Rhythmus zu finden. Das hat funktioniert.“

Derby beim SV Eilendorf

Diesen Schwung will die Eintracht auch am kommenden Sonntag im Derby beim ebenfalls noch verlustpunktfreien SV Eilendorf mitnehmen. Dass die Aufgabe beim Tabellenzweiten alles andere als einfach wird, weiß auch Verlautenheides Dauerbrenner. „Die Spieler kennen sich untereinander. Deshalb werden viele Emotionen und viel Motivation dabei sein. Eilendorf ist eine Mannschaft, die guten Fußball spielen kann, sehr energisch auftritt und richtig Bock hat.“

Für Diki sind solche Duelle auf hohem Amateurfußballniveau inzwischen Alltag. Mit Verlautenheide und Trainer Buchholz erlebte er in den vergangenen Jahren einen beinahe kometenhaften Aufstieg. Vor der Saison 2016/17 lotste ihn der heutige Sportliche Leiter Fabian Scheen von Westwacht Aachen zur Eintracht. Nach einem verpatzten Start übernahm Buchholz wenig später den Trainerposten beim damaligen A-Ligisten. Unter seiner Regie gelang der direkte Durchmarsch in die Landesliga. Dort hat sich die Eintracht inzwischen als feste Größe etabliert und klopfte zuletzt mehrfach energisch an das Tor zur Mittelrheinliga.

Trotz teils größerer Fluktuation im Kader gehörte Diki stets zu den unumstrittenen Leistungsträgern. Mit deutlich mehr als 200 Pflichtspieleinsätzen für die erste Mannschaft ist er inzwischen alleiniger Rekordhalter der Vereinsgeschichte.

„Der Club ist sehr familiär. Ich kenne dort viele Menschen schon sehr lange: die Betreuer, das Umfeld und die Leute im Verein. Als ich damals kam, haben mich alle sofort gut aufgenommen. Das hat einfach gepasst und passt noch immer“, sagt der gebürtige Heinsberger mit kongolesischen Wurzeln.

Besondere Verbindung

Auch die Verbindung zu seinem Trainer ist eine besondere. In seinem ersten Seniorenjahr teilte Diki mit Buchholz die Kabine. Gemeinsam liefen sie für den damaligen Landesligisten Hertha Walheim auf, der von Mirko Braun angeleitet wurde. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man mit dem Trainer früher selbst zusammengespielt hat und nun schon so lange mit ihm zusammenarbeitet“, sagt Diki. Für ihn sei Buchholz zudem eine Art Mentor gewesen, weil dieser selbst höherklassig gespielt habe. Von ihm habe er viel mitnehmen können.

Inzwischen gehört Diki selbst zu den Routiniers im Kader. Deshalb versucht er, den jüngeren Spielern etwas von dem weiterzugeben, was ihm selbst in jungen Jahren geholfen hat. Gerade Erfahrungen, die man als Nachwuchsspieler noch nicht gemacht hat, könne er ihnen mit auf den Weg geben.

Dass zahlreiche Spieler wie Onur Baslanti oder Andre Baumann der Eintracht über Jahre die Treue halten, ist für den in Aachen aufgewachsenen Defensivspezialisten kein Zufall. Zwischen Trainern und Spielern herrsche eine sehr gute Harmonie. „Das ist nicht selbstverständlich“, betont Diki. Auch mit der zweiten und dritten Mannschaft gebe es ein sehr gutes Verhältnis. „Dieses Miteinander ist sicher ein Grund, warum viele bei uns lange bleiben.“

Ob Diki auch in der kommenden Saison weiterhin die Fußballschuhe für die Eintracht schnürt, ist allerdings noch offen. „Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder überlegt, ob ich noch ein weiteres Jahr dranhänge. Das hing auch mit meiner beruflichen Situation zusammen. Vor dieser Saison hatte ich durchaus Zweifel, ob ich noch einmal zusage.“ Nach reiflicher Überlegung ging der Daumen schließlich nach oben. „Nächstes Jahr muss man schauen, was der Körper noch mitmacht“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der als Verkäufer für ein auf Sneaker und Streetwear spezialisiertes Unternehmen tätig ist.

„Wollen jedes Spiel gewinnen“

Aktuell richtet der bei Arminia Eilendorf, USC Aachen und Union Kelmis fußballerisch ausgebildete Verteidiger seinen Fokus jedoch auf die laufende Spielzeit. Als Saisonziel nennt er einen Platz unter den ersten fünf Mannschaften der Tabelle. „Ob es am Ende ganz nach oben reicht, weiß man nie. Wir gehen aber in jedes Spiel, um zu gewinnen und die drei Punkte zu holen. Alles Weitere wird man im Laufe der Saison sehen.“

Möglicherweise gibt er dem Sportlichen Leiter dann im Frühjahr grünes Licht für ein weiteres Jahr am Heider-Hof-Weg. Vielleicht durchbricht Diki sogar irgendwann die Marke von 300 Pflichtspielen für die erste Mannschaft. Spätestens dann dürfte in Verlautenheide der Ruf nach einem Denkmal wohl noch lauter werden.

Der 3. Landesliga-Spieltag im Überblick: Lich-Steinstraß - Uevekoven (Fr., 19.30), SV Eilendorf - Verlautenheide, Eicherscheid - Teut. Weiden, Kurdistan Düren - Teveren, TSV Düren - Helpenstein (alle So., 15.00), Schafhausen - Raspo Brand, Fliesteden - Sportfr. Düren (beide So., 15.15), Breinig - Elsdorf (So., 15.30)

Dieser Artikel kommt von unserem Partner Aachener Zeitung. Noch mehr spannende Portraits, Reportagen, Livesstreams, Interviews und Analysen zu deinen Lieblingsteams in der Region findest du auf http://www.aachener-zeitung.de