
Herr Müller, wenn Ihnen jemand im Januar gesagt hätte, dass der SV Bergfried die Saison in der oberen Tabellenhälfte abschließt – hätten Sie das sofort unterschrieben oder überhaupt geglaubt?
Stefan Müller Wenn mir das jemand im Januar gesagt hätte, hätte ich es sicherlich sofort unterschrieben. Im Fußball kommen viele Faktoren zusammen. Entscheidend ist aber, dass dieser Tabellenplatz kein Zufall ist, sondern das Ergebnis harter und gemeinschaftlicher Arbeit. Besonders wichtig war für uns, den Klassenerhalt frühzeitig zu sichern. Danach haben die Jungs gezeigt, welches Potenzial in ihnen steckt. Die Herausforderung war, dieses Potenzial konstant auf den Platz zu bringen – und das ist uns in der Rückrunde über weite Strecken gelungen.
Ihre Mannschaft hat nach der Winterpause eine beeindruckende Entwicklung genommen und sich frühzeitig aller Abstiegssorgen entledigt. Was war aus Ihrer Sicht der entscheidende Faktor für diesen Turnaround?
Müller Wir sind als Mannschaft noch enger zusammengerückt, haben unser Spielsystem angepasst und dadurch mehr Stabilität gewonnen. Vor allem wollten wir weniger von Einzelspielern abhängig sein und als geschlossene Einheit auftreten. Die Mannschaft hat diesen Weg hervorragend angenommen. Die Serie von sieben Siegen war bemerkenswert, aber aus meiner Sicht kein Zufall. Sie war das Ergebnis von Zusammenhalt, harter Arbeit und dem Glauben an unseren gemeinsamen Weg.
Nach der starken Serie im Frühjahr gab es zuletzt noch einmal einige Rückschläge. Was haben Ihnen diese Wochen über die Mannschaft gezeigt? War die Luft etwas raus?
Müller Nein, das würde ich nicht sagen. Vielmehr haben uns diese Wochen gezeigt, wo wir noch Entwicklungspotenzial haben. Hinzu kamen erhebliche Verletzungssorgen, sodass uns in einigen Spielen wichtige Optionen gefehlt haben. Die Mannschaft hat trotzdem nie aufgegeben und immer den maximalen Erfolg angestrebt. Natürlich waren die körperlichen Reserven nach den intensiven Monaten irgendwann nicht mehr in jedem Spiel vollständig abrufbar. Solche Phasen gehören aber zur Entwicklung dazu und liefern oft genauso wertvolle Erkenntnisse wie erfolgreiche Serien.
Viele Spieler haben in der Rückrunde einen sichtbaren Entwicklungsschritt gemacht. Ist genau diese individuelle Entwicklung Ihrer Spieler vielleicht sogar der größte Erfolg dieser Saison?
Müller Absolut. Viele Spieler haben sich sportlich, aber auch persönlich weiterentwickelt. Genau darin sehe ich einen wichtigen Teil meiner Aufgabe als Trainer. Natürlich freuen wir uns über die Ergebnisse und die Tabellenplatzierung. Noch mehr freut es mich aber, wenn Spieler am Ende der Saison besser sind als zu Beginn. Tabellenplätze sind Momentaufnahmen, die Entwicklung der Spieler bleibt.
Es war eine lange Saison. Freuen Sie sich nun auf die Sommerpause oder hätte die Saison aus Ihrer Sicht auch noch etwas länger gehen können?
Müller Nach einer langen Saison ist man natürlich froh, wenn die Pause kommt. Die Jungs haben in den vergangenen Monaten enorm viel investiert und sich die Erholung absolut verdient. Gerade mit Blick auf die hohe Belastung und die Verletzungssorgen der letzten Wochen ist es wichtig, jetzt körperlich und mental neue Energie zu tanken. Wir haben bereits einige Testspiele vereinbart und werden die Vorbereitung nutzen, um unsere Abläufe weiter zu verfeinern und die Mannschaft weiterzuentwickeln. Nach aktuellem Stand rechnen wir nicht mit größeren Veränderungen im Kader, sodass wir auf dem aufbauen können, was wir uns in den vergangenen Monaten gemeinsam erarbeitet haben.
Sie haben einen Vertrag bis 2027 und mehrfach betont, beim SV Bergfried etwas aufbauen zu wollen. Wo soll die Reise des Vereins hingehen – und welche Rolle möchten Sie dabei spielen?
Müller Für mich geht es darum, den Verein nachhaltig weiterzuentwickeln. Erfolg darf nicht nur an Tabellenplätzen gemessen werden. Der SV Bergfried soll jungen Menschen eine sportliche Heimat bieten und ihnen Perspektiven aufzeigen. Besonders wichtig ist mir die Verzahnung zwischen Jugend- und Seniorenbereich. Wenn es uns gelingt, eigene Spieler auszubilden und langfristig in unsere Seniorenmannschaften zu integrieren, haben wir als Verein sehr viel richtig gemacht. Genau auf diesem Weg möchte ich meinen Beitrag leisten.