
Die Bedeutung dieses Heimspiels wollte Jörn Schulz gar nicht klein reden. "Natürlich ist die Erleichterung groß, dass wir dieses Muss-Spiel gewonnen haben", sagte der Coach des 1. FC Lok Stendal im Anschluss an den fulminanten 5:1-Heimerfolg über den FC Einheit Rudolstadt. Nach unruhigen Wochen im Winter hat der Oberliga-Aufsteiger die perfekte Antwort geliefert.
Der vierte Saisonsieg sei tabellarisch "extrem wichtig" gewesen, betonte Schulz und richtete "ein Riesenkompliment an meine Mannschaft." Vor allem im ersten Durchgang gelang den Stendalern nahezu alles. Valentin Masuth sorgte für die schnelle Führung (10.), Philip Witte legte mit einem lupenreinen Hattrick (25., 28., 43.) bis zur Halbzeit zum 4:0 nach.
Auch der Rudolstädter Elfmeter durch Maximilian Schlegel (47.) brachte den 1. FC Lok nicht mehr ins Straucheln. Stattdessen krönte Louis Lauck den Nachmittag: Nur eine Minute nach seiner Einwechslung traf der 17-jährige A-Junior bei seinem Oberliga-Debüt zum 5:1-Endstand. Sein Einsatz "soll auch nicht nur für Louis ein Zeichen sein, sondern für alle A-Jugendspieler", dass der Weg zu den Herren für engagierte Talente frei ist, erklärte Schulz.
Der 48-Jährige ordnete diesen wichtigen Dreier, durch den der Rückstand auf den 13. Tabellenplatz nur noch vier Punkte beträgt, aber auch ins große Gesamtbild ein. "Wir hatten in der Wintervorbereitung eine sehr schwierige Phase", erinnerte Schulz. Insbesondere nach einer 0:7-Niederlage im Testspiel bei der BSG Stahl Brandenburg kam Unruhe auf. "Dann wird natürlich vieles in Frage gestellt", sagte Schulz.
Auch er habe seine Position hinterfragt: "Ich klebe nicht an meinem Stuhl oder halte an meinem Vertrag fest, sondern ich bin proaktiv auf den Verein drauf zugegangen." Der Trainer, der bereits in seiner achten Saison im Hölzchen tätig ist, hätte den Verantwortlichen demnach angeboten, einen neuen Impuls zu setzen. Doch die Entscheidungsträger lehnten diesen Schritt ab. "Auch da war es komplett ruhig innerhalb des Vorstands und des Vereins", betonte Schulz, der seinen Dank auch an den Sportlichen Leiter Artem Sikulski richtete.
Der lange hinausgezögerte Jahresauftakt in die Pflichtspiele bestätigte den Entschluss, mit dem Coach weiterzumachen. "Wir konnten Punkte sammeln, wir haben dazu gelernt, wir haben uns defensiv stabilisiert", lobte Schulz. Mit Unentschieden beim VfL Halle 96 (2:2) und beim VfB Auerbach (1:1) zahlten die Stendaler bereits auf ihr Konto ein. Mit dem 5:1-Erfolg über Rudolstadt gelang nun ein richtiger Statementsieg.
Bis zum Verbleib in der Oberliga wird es trotzdem noch ein weiter Weg für den Aufsteiger. "Am Ende des Tages wird es extrem schwer, diese Liga zu halten", sagte Schulz. "Vielleicht werden wir es auch gar nicht schaffen. Dann geht hier die Welt aber nicht unter." Doch der Anfang auf dem Weg zum Klassenerhalt ist mit dem guten Start ins neue Jahr jedenfalls gelungen.