
Sieben Tore, viele Emotionen – und am Ende ein verdienter Auswärtssieg für Alemannia Salzbergen. Das 3:4 beim VfL Emslage offenbarte die Stärken und Schwächen beider Mannschaften schonungslos. Während Emslage vor allem in der Anfangsphase und defensiv nicht die nötige Stabilität fand, zeigte sich Salzbergen bei Standards und im Umschaltspiel gnadenlos effektiv.
Dabei begann der Abend aus Sicht der Gastgeber denkbar ungünstig. Bereits in der neunten Minute geriet der VfL nach einem Eckball mit 0:1 in Rückstand – ein erstes Signal für das, was folgen sollte. „Also da ist Salzbergen einfach stark. Das sind natürlich kopfballstarke Leute in den eigenen Reihen“, ordnete Emslages Coach Oliver Peters später ein. Zwar glich Timo Lüken per Elfmeter aus, doch erneut nach einer Standardsituation schlug Salzbergen zurück und stellte auf 1:2.
Emslage bewies Moral, eroberte im Spielaufbau des Gegners den Ball und kam zum 2:2. Vier Tore zur Pause – und dennoch kaum Spielfluss. „Halbzeitstand vier Tore in der Halbzeit ist natürlich viel. Darüber hinaus waren aber auch eigentlich fast gar keine Torchancen“, so Peters. Salzbergen hatte mehr Ballbesitz, Emslage fand nicht in die Zweikämpfe und entwickelte selbst kaum Offensivdruck.
Salzbergens Trainer Andre Meiners sah ebenfalls Licht und Schatten: „Wir haben eine ganz schwache erste Halbzeit gespielt, viele Unkonzentriertheiten und sehr fahrlässig. Dennoch gehen wir 2x nach Standards in Führung, laden den Gegner aber durch 2 kapitale Aussetzer in der Defensive ein und gehen mit einem 2:2 in die Pause.“ Wenn Emslage gefährlich wurde, dann ebenfalls über ruhende Bälle – aus dem Spiel heraus blieb vieles Stückwerk.
Nach dem Seitenwechsel verschärfte Salzbergen das Tempo – und profitierte erneut von Emslager Fehlern. Binnen weniger Minuten fiel das 2:3 (56.) und 2:4 (62.), begünstigt durch Ballverluste in der Vorwärtsbewegung der Gastgeber. „Was wir vorher auch angesprochen hatten, dass Salzbergen im Umschaltspiel eben gut ist – und eben nach Standardsituationen, das haben sie eben gestern dann auch leider so bestätigt“, bilanzierte Peters selbstkritisch.
In dieser Phase hatte Emslage sogar Glück, nicht noch höher in Rückstand zu geraten. „Nach dem 4:2 haben sie dann auch ein paar Minuten stark aufgespielt. Hatten noch weitere Chancen, da hatten wir dann Glück, dass die, die nicht nutzen“, sagte Peters. Meiners bestätigte: „Im zweiten Durchgang kommen wir dann deutlich verbessert aus der Kabine und verpassen es, nach dem 4:2 einige Male nachzulegen und den Deckel draufzumachen.“
Erst in der Schlussphase bäumte sich der VfL noch einmal auf. In der 86. Minute fiel der Anschlusstreffer zum 3:4 – und plötzlich wurde es hitzig. „Dann war es auch ein bisschen intensiver, emotionaler auch auf unserer Seite. Das hat vorher bei weiten Strecken des Spiels tatsächlich gefehlt“, erklärte Peters. Doch der späte Ausgleich blieb aus. In der 90. Minute hatte Emslage noch eine große Möglichkeit, die Partie komplett zu drehen – Salzbergen hatte „großes Glück“, wie Meiners einräumte.
So blieb es beim knappen Auswärtserfolg. „Der Sieg für Salzbergen ist dann auch verdient“, erkannte Peters fair an. Auch Meiners zeigte sich trotz der drei Punkte selbstkritisch: „Insgesamt war es heute kein gutes Spiel von uns, aber in dieser Phase der Saison zählen nur Ergebnisse. Daher überwiegt natürlich die Freude.“
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Bereits am Dienstag wartet mit Vorwärts 2 die nächste Aufgabe auf Salzbergen – und dafür kündigte Meiners „eine deutliche Leistungssteigerung“ an. Für Emslage wiederum bleibt die Erkenntnis, dass zehn engagierte Minuten am Ende nicht genügen, wenn zuvor über weite Strecken die Intensität fehlt.