
Es ist Mittwoch, 25. Februar 2025: Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, Temperaturen bis zu 18 Grad Celsius – doch Fußballspielen ist im Ratinger Stadion an diesem Wochenende nicht möglich. Das hat zumindest das Sportamt der Stadt dem Oberliga-Spitzenreiter Ratingen 04/19 mitgeteilt, der so sein Heimspiel am Freitag ab 19.30 Uhr gegen die SpVg Schonnebeck auf dem Kunstrasen der Sportanlage am Götschenbeck austragen muss. Denn der Naturrasen im Stadion benötige Zeit zur Regeneration. Wirklich? Ein Ortsbesuch.
Was auffällt: An beiden Längsseiten ist jeweils die Hälfte der Kreidemarkierung abgetragen, aber das ist eigentlich nichts, was nicht bis Freitag in Ordnung hätte gebracht werden können. Ansonsten ist der Rasen kurz und grün, er wirkt ideal für Fußballspiele. Der Eindruck schwächt sich beim Gang auf den Untergrund nur leicht ab, der Boden ist nicht sonderlich tief oder gar matschig, allerdings sind Spuren von Stollen oder von Zweikämpfen und Grätschen zu sehen. Nicht übermäßig, aber sichtbar – in den Strafräumen etwas gehäufter als auf dem Rest des Spielfeldes, auf dem nun niemand spielen darf.
Ja, es hat viel geregnet, und dieser Mittwoch kam als erster echter Frühlingstag des Jahres daher. Aber der Boden im Stadion ist nicht so marode, dass man bei Regen nicht mit Gerätschaften wie Walzen oder Schleppnetzen darüber fahren könnte. Das sah in der vergangenen Saison noch ganz anders aus, aber seitdem hat die Stadt ja – erneut – viel investiert in das Stadion und den Zeitraum, der unter anderem durch die Absage des Mehrkampf-Meetings des TV Ratingen im Jahr 2025 entstanden war, genutzt, um einen neuen Rasen verlegen zu lassen.
Das war schon lange überfällig gewesen, doch erst angegangen worden, nachdem Dietmar Hirsch als Trainer des heutigen Drittliga-Top-Teams MSV Duisburg im Nachgang des Niederrheinpokal-Viertelfinales bei 04/19 geurteilt hatte, er würde nicht einmal seinen Hund auf dieses Geläuf lassen. Das war natürlich keine Werbung, aber ein Weckruf für die Stadt, die durch die Meeting-Absage die Zeit für den Tausch bekam.
Dafür hatte der Rat der Stadt 85.000 Euro genehmigt – doch es geht gerade bei Naturflächen ja nicht nur um das Erstellen, sondern dann vielmehr um das Erhalten. Und das dürfte umso mehr gelten bei einer nicht unerheblichen Investition wie dieser. Das Stadion Ratingen ist das sport-infrastrukturelle Aushängeschild der Stadt, die es mit einem Millionenbetrag zuerst für die Belange der Leichtathletik umbaute, was mit-entscheidend dafür war, dass das Mehrkampf-Meeting nun als eines von nur dreien weltweit das Gold-Label bekam, und es dann auch für die Belange des Fußballs nachrüstete, sodass 04/19 dort im Aufstiegsfall auch in der Regionalliga spielen könnte.
Die Investition in den neuen Rasen kam da nach Hirschs Hunde-Aussage noch obendrauf – dann muss die Stadt aber auch dafür Sorge tragen, dass er ausreichend und fachgerecht gepflegt wird. Nach Informationen unserer Redaktion hat das Grünflächen- und Umweltamt schon vor rund zwei Wochen aufgrund des zu erwartenden Wetters an den Karnevalstagen beschlossen, den Rasen für das Heimspiel am jetzigen Freitag zu sperren. Dieser Einschätzung folgte am Anfang dieser Woche dann das Sportamt, sodass die Partie von 04/19 gegen Schonnebeck auf Kunstrasen im Sportpark stattfinden muss.
Der Blick auf das aktuelle Wetter und das der nächsten Tage zeigt jedoch, dass die Einschätzung von vor zwei Wochen übertrieben war. Und dass vier Wochen zwischen zwei Spielen nicht als Regenerationszeit reichen, ist auch eher eine abenteuerliche Begründung. Dass der Rasen nach einem einzigen Spiel in diesem Jahr und ohne zusätzliche Belastung durch ein Fußball-Training oder Speer-werfende und Kugel-stoßende Leichtathleten jetzt gesperrt werden muss, ist einfach eine Farce. In Velbert, Monheim oder Krefeld wurde schon auf Naturrasen gespielt, und so wird es auch an diesem Wochenende wieder sein – nur in Ratingen ist das nicht möglich.