
Nach der herben Niederlage beim F.C. Hansa Rostock hat der SSV Ulm 1846 Fußball im heute heimischen Donaustadion eine Reaktion gezeigt. In einer bis zum Schluss spannenden Partie der 3. Liga gegen den TSV Havelse sicherten sich die Ulmer vor 8118 Zuschauern einen knappen 2:1-Erfolg. Während die Spatzen in der ersten Halbzeit ihre Dominanz nicht in Tore ummünzen konnten, entwickelte sich im zweiten Durchgang ein offener Schlagabtausch, der erst in der fünften Minute der Nachspielzeit durch einen Treffer von Lukas Mazagg entschieden wurde.
Hoffnungsvoller Beginn und mangelnde Konsequenz
Die Mannschaft von Trainer Pavel Dotchev startete gut in die Partie und übernahm früh die Spielkontrolle. Bereits in der 9. Minute gewann Lucas Röser ein Kopfballduell, doch sein Abschluss wurde in letzter Sekunde durch eine Grätsche von Semi Belkahia geklärt. Der SSV Ulm 1846 Fußball verzeichnete deutlich mehr Ballbesitz, ließ jedoch die nötige Konsequenz im Abschluss vermissen.
Niklas Kölle (17.) verzog aus der Distanz, und nach einem geblockten Schuss von Max Julian Brandt durch Besfort Kolgeci setzte erneut Röser den Ball über den Kasten von Torhüter Norman Quindt (20.). Trainer Pavel Dotchev resümierte später auf der Pressekonferenz: „In der ersten Halbzeit hatten wir viele Torchancen, aber waren nicht konsequent. Die Art und Weise war okay, wir hatten Kontrolle und kaum was zugelassen.“ Auch Dennis Chessa verfehlte nach Vorarbeit von Leon Dajaku das Tor nur knapp (34.), sodass es torlos in die Kabinen ging.
Der verdiente Führungstreffer und Havelser Widerstand
Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild zunächst ähnlich. In der 60. Minute jubelten die Spatzen bereits, als Max Julian Brandt nach Zuspiel von Lucas Röser traf, doch das Schiedsrichtergespann entschied auf Abseits. Nur drei Minuten später folgte die Führung: Niklas Kölle nutzte den Platz auf der linken Seite und brachte den Ball flach in die Mitte. Während Röser verpasste, stand Dennis Chessa frei und schob zum 1:0 ein (63.). „Es ist ein Riesenbrocken vom Herzen gefallen“, beschrieb Chessa seine Emotionen nach dem Treffer. Der TSV Havelse reagierte jedoch kämpferisch und erhöhte den Druck. In der 68. Minute traf der eingewechselte Christopher Schepp nach Zuspiel von Lorenzo Paldino den rechten Pfosten, woraufhin der Ball auf der Linie entlangsprang und schließlich von Jonathan Meier geklärt werden konnte.
Zunehmende Passivität und der späte Ausgleich
In der Schlussphase verloren die Ulmer zunehmend den Faden. Pavel Dotchev analysierte kritisch: „In der zweiten Halbzeit waren wir zu passiv, als logische Konsequenz ist das 1:1 gefallen.“ Havelse erarbeitete sich Chancen durch einen Volleyschuss von Robin Müller (77.) sowie eine abgefälschte Flanke von Christopher Schepp, die Christian Ortag parierte (79.). In der 80. Minute folgte schließlich die Quittung: Nach einer Ecke von Johann Berger köpfte Schepp zum 1:1-Ausgleichstreffer ein. Dennis Chessa gab unumwunden zu: „Wir haben in der zweiten Halbzeit ehrlicherweise nicht so gut gespielt und ein bisschen nachgelassen, waren nicht mehr so mutig.“ Die Partie drohte zu kippen, da Havelse den Gastgebern bis zur Schlussminute „richtig Probleme bereitete“.
Ekstase in der Nachspielzeit durch Lukas Mazagg
Als sich viele Zuschauer bereits mit der Punkteteilung abgefunden hatten, schlugen die Spatzen erneut zu. In der 95. Minute kam der Ball erneut über die linke Seite durch Niklas Kölle in den Strafraum. Ein abgefälschtes Zuspiel landete beim eingewechselten Lukas Mazagg, der den Ball unten links zum 2:1-Endstand verwandelte. Mazagg, der zuvor für Leon Dajaku ins Spiel gekommen war, zeigte sich nach dem Abpfiff überglücklich: „Es ist super gelaufen, man hat gesehen, dass mit dem Tor eine richtige Last abgefallen ist. Wir haben den Sieg gebraucht, da brauchen wir nicht drum herumzureden. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat. Natürlich war es etwas glücklich, aber das haben wir heute auch erzwungen.“ Dennis Chessa lobte die Vorarbeit: „Am Ende haben wir alles gegeben und das wichtige Tor geschossen, nach einer absoluten Willensaktion von Niklas Kölle.“
Ein Lebenszeichen im Abstiegskampf
Dieser Last-Minute-Sieg gegen den Mitkonkurrenten aus Niedersachsen ist für den SSV Ulm 1846 Fußball von elementarer Bedeutung. Mit nun 32 Punkten schöpfen die Ulmer im Tabellenkeller wieder Hoffnung. Lukas Mazagg brachte es auf den Punkt: „Wir sind noch am Leben.“ Auch Dennis Chessa hofft auf einen positiven Impuls: „Das kann noch mal ein Turnaround sein, wir haben nochmals eine Chance – der Sieg war unglaublich wichtig.“ Für den SSV geht es am kommenden Samstag gegen den TSV 1860 München weiter, wo die Mannschaft erneut beweisen muss, dass sie den Abstiegskampf angenommen hat. Trainer Pavel Dotchev schloss versöhnlich: „Ich bin unheimlich glücklich, dass wir als Sieger vom Platz gehen konnten und das Glück auf unsere Seite ziehen konnten.