Eric Martel (mi.) im Gespräch mit Austria-Coach Peter Stöger. Seit Jahresanfang ist der gebürtige Niederbayer nach Wien ausgeliehen.
Eric Martel (mi.) im Gespräch mit Austria-Coach Peter Stöger. Seit Jahresanfang ist der gebürtige Niederbayer nach Wien ausgeliehen. – Foto: Imago Images

Der Straubinger Rohdiamant: Über Österreich in die Bundesliga?

Niederbayerische Exportschlager: Eric Martel (18) hat bei den Profis von Austria Wien einen bemerkenswerten Start hingelegt

Was für ein Start! Mit gerade einmal 18 Jahren hat der gebürtige Straubinger Eric Martel zuletzt in der österreichischen Bundesliga sein Debüt gegeben. Und dabei hat er gleich einmal sämtliche Höhen und Tiefen des Fußballerdaseins mitgenommen: Im ersten Match flog er vom Platz, in der zweiten Partie markierte er seinen Premierentreffer. "Ja, das war ziemlich ereignisreich", grinst er. Freilich, dem Großteil der Fußballfans ist Martel noch kein Begriff. Szenekenner aber schwärmen vom Defensivspezialisten mit Gardemaß. Hat Martel das Zeug zum nächsten Bundesliga-Spieler aus Niederbayern? Wir haben mit dem erstaunlich frühreifen Teenager gesprochen, der einst beim RSV Ittling seine Liebe zum runden Leder entdeckte.

Hört man Eric Martel zu, dann hat man nicht das Gefühl, dass da jemand mit gerade einmal 18 Jahren mit einem spricht. Zielstrebig, aufgeräumt und reflektiert - so präsentiert sich der junge Mann. Während viele in seinem Alter gerade darüber sinnieren, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, hat Martel einen klaren Plan: Er will bis ganz nach oben, Bundesliga lautet sein Ziel. Und das ist nur konsequent, wirft man einen Blick auf seine Vita.

Dem Traum vom Fußballprofi ordnet er alles unter, sehr früh zieht er von zuhause aus. "Mit 15 bin ich nach Leipzig ins Internat. Ich musste schnell lernen, selbstständig zu sein." Schon zeitig fiel auf, dass Martel mehr Talent hat als die meisten anderen. Beim SSV Jahn Regensburg verdient er sich seine ersten Meriten, kann als jüngerer Jahrgang in der Regionalliga auf sich aufmerksam machen. Der Kontakt nach Leipzig kommt dann über Thomas Schneider zustande. Der ehemalige Assistenzcoach von Bundestrainer Jogi Löw wohnt ebenfalls in Straubing, man kennt sich. "Ich habe mit Thomas ausführlich über Leipzig gesprochen. Er meinte damals, da entsteht etwas Großes", verrät Martel. Er fährt in die sächsische Metropole und spielt bei RB vor. "Ich konnte im Probetraining überzeugen, aber mir wurde klipp und klar aufgezeigt: Athletisch bin ich noch nicht soweit."

Einsame Sprintübungen mit dem Papa.

Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, nimmt er sich die Kritik zu Herzen und legt richtig los: "Ich habe anschließend hart an mir gearbeitet. Allein mit meinem Papa bin ich auf die Tartanbahn gegangen und habe immer und immer wieder Sprints absolviert, um meine Schnelligkeit zu verbessern." Diese Episode charakterisiert Eric Martel recht gut. Den nötigen Biss, sich im Haifischbecken Profifußball zu behaupten, bringt er mit. Über sich sagt er: "Ich würde schon behaupten, dass mich Mentalität auszeichnet. Ich habe einen wahnsinnigen Ehrgeiz." Dieser Wille bringt ihn weiter. Im Leipziger Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) entwickelt er sich prächtig. In der Saison 2019/20 schwingt er sich zum unumstrittenen Stammspieler in der Bundesliga-U19 der Sachsen auf. Seine starken Leistungen bleiben auch Proficoach Julian Nagelsmann nicht verborgen. "Ich durfte immer wieder bei den Profis mittrainieren und war sogar des Öfteren im Kader der ersten Mannschaft", betont Martel. Kurz vor Weihnachten ist es dann soweit: Beim 3:0-DFB-Pokalsieg in Augsburg debütiert er bei den Profis. In der 88. Minute wird er, der A-Jugendspieler, eingewechselt.

Eric Martel (am Ball) im Einsatz für die U19 von RB Leipzig.
Eric Martel (am Ball) im Einsatz für die U19 von RB Leipzig. – Foto: Kraus

Viele 18-Jährige wären damit hochzufrieden. Nicht so Eric Martel, er will immer mehr. Doch er weiß auch: Im Top-Kader des Tabellenzweiten der Bundesliga wird es schwierig, konstant zu spielen. Kurzeinsätze reichen ihm nicht - und er entschließt sich dafür, Leipzig zumindest vorübergehend den Rücken zu kehren. "Ein Grund dafür war auch die unsichere Lage in der Junioren-Bundesliga. Ich dürfte ja noch ein halbes Jahr in der U19 spielen. Aber keiner weiß, wie es da weitergeht. Deshalb habe ich mich für eine Ausleihe nach Österreich entschieden."

Probleme gibt's eigentlich nur in der Küche.

Seit gut zwei Wochen befindet sich Eric Martel nun in Wien. Bis Sommer 2022 ist er beim Traditionsklub Austria unter Vertrag. "Ich habe mich schon gut eingelebt in meiner eigenen Wohnung. Probleme habe ich nur mit dem Kochen, das muss ich jetzt alleine machen. Das haut noch nicht so gut hin, meistens gibt's deshalb Nudeln", lacht er. Drei Spiele hat er bisher absolviert, zwei in der Liga und eins im Pokal. Vor allem die beiden Ligapartien hatten es in sich. In seinem ersten Match flog er wegen einer gelb-roten Karte vom Platz. Aber es passt zu Eric Martel, dass er sich davon nicht aus der Spur bringen hat lassen. Im Gegenteil: Im nächsten Spiel gegen WSG Tirol erzielte er prompt die Führung. Im Pokal gegen RB Salzburg stand er 90 Minuten auf dem Platz, konnte eine 0:2-Niederlage aber auch nicht verhindern. Was macht den Youngster neben seiner mentalen Stärke aus? "Als defensiver Mittelfeldspieler vertraue ich auf meine Zweikampfstärke. Läuferisch muss ich auf dieser Position ohnehin auf einem Top-Niveau sein. Neben meiner Kopfballstärke würde ich auch sagen, dass ich Ruhe und Struktur ins Spiel bringen kann."

Höchste Liga Österreichs als perfektes Schaufenster.

In der Alpenrepublik verfolgt Eric Martel ein klares Ziel: "Österreich ist eine sehr gute Plattform für junge Spieler. Ich will mich hier empfehlen." Um dann im Sommer 2022 mit ordentlich Spielpraxis im Gepäck nach Leipzig zurückzukehren. Bei all dem Trubel hat er aber nicht vergessen, wo er herkommt. Ein- bis zweimal im Monat ist er zuhause in Straubing und besucht Familie und Freunde. "Ich habe noch viele Kontakte in meine Heimat. Da bin ich schon sehr bodenständig." Und vielleicht schafft er es ja auch bald mal wieder, beim RSV Ittling vorbeizuschauen. Die Menschen bei seinem alten Verein würden sich sicher freuen - und können vielleicht eines Tages behaupten: Die internationale Karriere des Eric Martel hat hier bei uns in Ittling angefangen.

Aufrufe: 010.2.2021, 11:30 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor

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