„Ich muss nicht der sein, der trifft“

NACHGETRETEN: +++ Benjamin Bender glänzt als Trainer der SG Dernbach/Wommelshausen als Freistoßschütze +++ NBA-Fan hat den Ball, aber nicht alle Likes unter Kontrolle +++

4 Freistoßstore in einem Spiel. Direkt reingezwirbelt. Da muss man im Spielbericht zweimal hinschauen. Haben wir getan und Benjamin Bender, noch bekannt aus höherklassigen Ligen (TSV Bicken, Breidenbach) für tauglich befunden, sich unseren "Nachgetreten"-Fragen zu stellen. Und ab gehts!

Hallo Benjamin, du bist 30 Jahre alt, da sagt dir der Name Krassimir Balakow bestimmt noch etwas?

Klar, der Name ist mir ein Begriff!

Darf ich dich nach 4 Freistoß-Toren in einem Spiel also als Balakow der A-Liga Biedenkopf bezeichnen?

Nee, mit Sicherheit nicht (lacht). Dass ich bei Standards oft in Erscheinung trete, passt zwar. Allerding meist als Vorlagengeber für einen Abnehmer wie z.B. Felix Baum zu meiner Breidenbacher Zeit. Ich bin defensiver orientiert als Balakow. Vielleicht hätte ich damals für ihn die Drecksarbeit verrichtet, damit er sich offensiv austoben kann.

Stand die Mauer dauerhaft schlecht oder hast du ständig Varianten gewechselt?

Die Mauer stand eigentlich okay. Ich habe zwei Mal nicht ins Torwart-Eck geschossen, beim dritten Mal habe ich dann erfolgreich darauf spekuliert, dass er aus Angst vor dem nächsten Gegentor zu früh in die andere Ecke rennt. Das hat funktioniert. Beim vierten Schuss haben sie einen Abwehrmann in Richtung Torwarteck positioniert, aber da habe ich dann wieder in die andere Ecke geschossen. Zumindest der zweite Treffer war aber nicht unhaltbar, das muss ich fairerweise schon anfügen.

Es ist bei so einer Bilanz ja kaum zu glauben, aber insgesamt sind es für dich nun erst sechs Saisontore …

Ich bin eigentlich auch sicher nicht der klassische Goalgetter. Eher ein klassischer Sechser. Allerdings bereite ich viele Tore vor. Dieses Jahr sind es bislang sieben Stück, bei Bicken haben ich in einer Saison mal 26 geschafft. Mir ist einfach das Wichtigste, dem Team viel zu bringen. Da muss ich nicht der sein, der trifft. Dafür sind in meinen Augen andere zuständig. Und das klappt ja auch ganz gut.

Dein Co-Trainer Yanik Berberich allerdings hat schon 19 Tore erzielt. Wie lange willst du dir diese Respektlosigkeit noch gefallen lassen, ehe du die Reißleine ziehst und ihn feuerst?

Oh, das geht ganz schnell. Er muss sich benehmen lernen, sonst ist er ganz flott weg (lacht). Nein, dass Yanik ein Topstürmer für diese Klasse ist, war klar, dass er seine Abschlussstärke aber dermaßen gut umsetzen kann, ist schon hervorhebenswert. Ich kenne ihn ja schon länger gut. Wir sind beide vor der Saison gemeinsam aus Breidenbach gekommen. Vielleicht müssen wir mal darüber sprechen, dass er einen Kasten Bier spendiert oder so, aber das entscheidet die Mannschaft.

Bis auf die Niederlage gegen Angelburg läuft die Saison ja bisher super: Standard-Frage der Sportjournalisten: Wollt ihr aufsteigen? Immerhin seid ihr aktuell Tabellenführer.

Also vor der Saison war für mich wichtig, in den Job reinzukommen und die Mannschaft vom Tabellenstand her grundsätzlich zu verbessern. Es gab vorher keinen konkreten Spielstil, es war klassischer unbeständiger A-Liga-Fußball, was ich übrigens nicht abwertend meine. Inzwischen ist es zum Glück ein anderes Bild. Der Spielstil ist selbst auf dem Hartplatz erkennbar. Wir halten immer an unserem Plan fest, egal wie es steht. Gegen Angelburg hatten wir einen sehr unglücklichen Start. Zwei Tore gleich zu Beginn, das war ein Nackenschlag für ein Topspiel. Aber wir haben uns gut erholt, das nächste Spiel gleich 5:1 gewonnen – und das auf dem Hartplatz mit ganz vernünftigem Fußball. Zum Aufstieg gibt es keine klaren Vorgaben. Ich denke allerdings schon, dass es ordentlich weitergeht, wir wollen die derzeitige Euphorie mitnehmen – und dann vielleicht ja den Aufstieg gleich mit. Alles weitere muss sich aber zeigen. Nach 8-9 Jahren im Mittelfeld der A-Klasse brauchen wir keine hoch gesteckten Ziele anvisieren, außer die starke Saison gut weiterzuführen und dann zu schauen.

Wieso bist du mit deiner Gruppenliga- und Verbandsligaerfahrung eigentlich zu einem A-Ligisten gewechselt? Und dann gleich als Coach?

Also das Traineramt war für mich die Voraussetzung, in diese Klasse zu gehen. Ich habe schon immer über den Tellerrand hinausgeschaut und mich verschiedene Dinge gefragt. Wie lange willst du noch spielen? Und was willst du dann machen? Ich habe schon lange ein Interesse für alles Administratives und so war das Trainer sein für mich am Reizvollsten. Die Verbindung kam dann über meinen Co-Trainer Berberich, dessen Heimatverein die SG Dernbach/Wommelshausen ja ist. So kam der Kontakt zustande, und es gab gute Gespräche, die in mir die Entscheidung haben reifen lassen, einen ganz neuen Karriere-Abschnitt zu wagen. Das ging nur, weil die Gegebenheiten für mich sehr passend hier sind. Eine gute Mannschaft mit viel Potenzial, ein junger Vorstand, der offen für neue Ideen ist. Ich habe Raum, um Neues zu bewegen, und alle tragen dieses Bestreben hundertprozentig mit. Darum ist das für mich hier die perfekte Lösung.

Laut sozialen Medien bist du auch großer Basketball, speziell NBA-Fan. Ist das korrekt?

Ich interessiere mich grundsätzlich für Sport, nicht nur Basketball, auch Ski fahren und und und. Die NBA reizt mich sehr, genau wie die NFL übrigens, weil um die Spiele herum so ein Riesen-Hype herrscht. Während man hier in der Fußball-Bundesliga 30 Minuten vor dem Spiel da ist und 30 Minuten nach Abpfiff wieder geht, ist es in den USA ein Tagesausflug, dazu mit Persönlichkeiten wie früher Michael Jordan oder heute Lebron James und Co. Ich interessiere mich mehr für die Charaktere als für spezielle Teams.

Und wie erklärt sich der Like für Heidi Klum? Sind deine Spieler für dich wie die „GNTM-Mädels“ für sie?

Oh, da weißt du besser über mein Online-Leben Bescheid als ich (lacht). Ich kann es dir nicht beantworten. Klar, gut aussehen, das tut sie. Aber wann und warum ich den Like gesetzt habe, keine Ahnung.

Es bleibt sexy! Warum gefällt dir speziell auch Frank-Walter Steinmeier?

Ohja, es bleibt wirklich sexy (lacht). Auch da würde mich interessieren, wann ich den Like gesetzt habe. Als er Bundespräsident wurde? Oder als er Kanzlerkandidat war? Ich bin auf den sozialen Medien kaum noch aktiv. Ich wüsste es wirklich selbst gern. Einige meiner Jungs sind hier wesentlich aktiver…

Dann darfst du zum Abschluss noch traditionell jemanden grüßen!

Ich grüße meine Mannschaft, denn ohne sie hätte es auch dieses Interview nicht gegeben. Bleibt gesund und munter! Und ich grüße Jannick Wagner, den Spielertrainer aus Bottenhorn, er ist nicht nur Trainerkollege und Freund, sondern schießt dort auch die Freistöße und hat in dieser Runde auch schon gut genetzt.


Aufrufe: 014.11.2019, 08:03 Uhr
Dennis BellofAutor

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