Der TSV Au sehnt sich nach dem geregelten Spiel- und Trainingsbetrieb.
Der TSV Au sehnt sich nach dem geregelten Spiel- und Trainingsbetrieb. – Foto: Martin Bauer

Freising: Nur drei Wochen Vorbereitung? „Geradezu fahrlässig“

Freisinger Kreisklassisten zum Re-Start

Die Freisinger Kreisklassisten beschäftigen sich mit dem Thema Re-Start. Kritikpunkte sind die hohen Kosten bei Schnelltests und die kurze Vorbereitung.

Landkreis – Es ist zumindest eine Perspektive für die Fußballer: Ab dem 22. März könnte wieder ein Trainingsbetrieb im Mannschaftssport möglich sein – vorausgesetzt, die Inzidenz im Landkreis bleibt unter 100. Solange aber nicht jeder Teilnehmer einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorweisen kann, wäre an Zweikämpfe nicht zu denken. Für die Verantwortlichen der Freisinger Kreisklassisten also kein Grund, in Jubelstürme auszubrechen.

Christian Hobmeier: „Der Plan steht – auch ohne Kontakt, Hauptsache mit Ball“

Das gilt auch für Christian Hobmeier, Coach des Tabellenführers TSV Au: „Wir haben uns damit ehrlich gesagt noch nicht beschäftigt und warten weiter ab.“ Das Ganze sei auch davon abhängig, ob den Vereinen Schnelltests zur Verfügung gestellt werden – denn die seien für die Clubs zumindest momentan nicht erschwinglich. Mit einer Rückkehr auf dem Platz rechnet Hobmeier also erstmal nicht und richtet seinen Vorbereitungsplan auf weitere Wochen des individuellen Trainierens aus. „Im März versuchen wir, die körperlichen Grundlagen zu schaffen. Die Jungs bekommen je eine Lauf- und eine Krafteinheit pro Woche.“ Der Trainer kann verstehen, dass der Fußball bei den Öffnungen erstmal hinten ansteht: „Wir sind einfach alle abhängig von diesem Virus, und solange die Kinder nicht in die Schule gehen, würde mir als Familienvater auch die Relation fehlen, wenn wir wieder spielen dürften.“ Gleichwohl wäre er bereit für einen Start: „Der Plan steht – auch ohne Kontakt, Hauptsache mit Ball.“

SG Eichenfeld: Lieber später anfangen - aber dann richtig

Ähnlich geht es Spielertrainer Markus Ujwari von der SG Eichenfeld: „Es reicht mir langsam, zwei Mal die Woche alleine zum Laufen zu gehen.“ Die Pläne für den Trainingsstart lägen längst in der Schublade: „Ich bin bestens vorbereitet. Wir kennen die Situation ja schon vom Re-Start im letzten Jahr.“ Gegen kontaktfreies Training hätte Ujwari nichts einzuwenden – im Gegenteil: „Das ist eine gute Möglichkeit, um individuelle Aspekte wie Technik, Athletik und Torschuss zu trainieren. Besser als nichts.“ Trotzdem sieht er die Gefahr, nach den ersten paar Einheiten wieder ins Einzeltraining zurück zu müssen: „Wir sollten daher lieber später anfangen und dafür dann komplett durchstarten.“ Das sei besser als „ein dauerndes Hin und Her“. Allerdings hat er Verständnis für die Vorgehensweise der Politik: „Die Situation ist schwer vorherzusehen. Es ist nicht planbar, wie es weitergeht.“

Markus Bauer: Die Tests sind für keinen Verein stemmbar

Anders sieht das Markus Bauer, Abteilungsleiter bei der SpVgg Zolling: „Mir ist wichtig, dass etwas vorwärts geht und wir in normale Bahnen geraten.“ Besonders daran, dass für ein Training mit Körperkontakt negative Testergebnisse benötigt werden, übt er Kritik und rechnet vor: „In der Vorbereitung trainieren wir dreimal pro Woche. Das bedeutet dreimal Tests für 40 Personen. Momentan kosten die Tests rund fünf Euro – da wären wir bei 600 Euro pro Woche. Nach einem Jahr ohne Einnahmen ist das für niemanden stemmbar.“ Zudem würden den Clubs lediglich drei Wochen Trainingszeit vor dem Wiederauftakt zugestanden: „Das muss verlängert werden. Die Jungs haben ja ein halbes Jahr nicht gespielt.“

Bastian Schweiger: „Verletzungen sind vorprogrammiert“

Genauso sieht das Trainer Bastian Schweiger vom TSV Paunzhausen: „Ich finde diese kurze Zeit geradezu fahrlässig. Da sind Verletzungen vorprogrammiert.“ Er wünsche sich darüber hinaus einen klaren Starttermin: „Ich habe inzwischen schon dreimal meinen Vorbereitungsplan geändert und neue Testspiele vereinbart. Ein bisschen Planbarkeit wäre super – allerdings steht natürlich außer Frage, dass die Öffnung von Schulen und Geschäften vorgeht.“ Klar ist für Schweiger auch, dass die Restsaison wohl nicht wie geplant über die Bühne gehen wird: „Ein geregelter Spielbetrieb wird noch nicht so bald möglich sein. Ich bin mir fast sicher, dass das so nicht mehr haltbar ist. Aber ich wünsche mir erstmal, dass wir am 22. März mit kontaktlosem Training zurückkehren können.“

FC Neufahrn: Bildung eines „Corona-Teams“

Beim FC Neufahrn haben die zahlreichen Verordnungen sogar ganz neue Aufgabenbereiche geschaffen. So ist Fabian Elwischger, Trainer der Zweiten, inzwischen Chef eines „Corona-Teams“, das den regelgetreuen Trainingsbetrieb organisieren soll. FCN-Sportleiter Mario Moharitsch gehört diesem an und erzählt: „Wir sind froh, dass wir zumindest im Jugendbereich wieder mit dem Training beginnen können. Im Herrenbereich werden wir es auf uns zukommen lassen. Aber sobald es geht, wird Coach Willi Kalichman wieder kontaktfrei mit den Jungs trainieren.“ Für die neuen Bestimmungen äußert Moharitsch Verständnis, sieht aber ein Problem darin, dass der Spielbetrieb von der jeweiligen Inzidenz des Landkreises abhängig ist: „Ich stelle mir die Situation eines Vereins kompliziert vor, der sich an der Grenze zweier Landkreise befindet. Die Spieler kommen dadurch eventuell aus einem Kreis mit einer Inzidenz über 100 in einen mit einem niedrigeren Wert.“ Trotzdem sei man gewillt, die Saison zu Ende zu bringen.

(Sebastian Bergsteiner)

Aufrufe: 011.3.2021, 10:07 Uhr
Freisinger Tagblatt /Autor

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