Wechselt zu Salzburg: Juniorennationalspieler Karim Adeyemi. F: fkn
Wechselt zu Salzburg: Juniorennationalspieler Karim Adeyemi. F: fkn

„Größter Transfer der Vereinsgeschichte“ - Hachings fetter Coup

Schwabl äußert sich zum Transfer

Karim Adeyemi wechselt von der SpVgg Unterhaching zu Red Bull Salzburg - der Verkauf des Stürmers erleichert die Zukunftsplanung enorm. Insbesondere, was die Drittliga-Lizenz angeht.

Unterhaching – Vieles im Leben ist eine Frage der Sichtweise auf die Dinge. Manfred Schwabl hat als Präsident der SpVgg Unterhaching etliche Wochen gegrübelt, wie es mit seinem 16-jährigen Top-Talent Karim Adeyemi weitergehen soll. Internationale Spitzenclubs ließen den Stürmer bereits seit über einem Jahr beobachten, RB Leipzig fragte an, also lautete die große Frage: Abgeben oder lieber noch weiterhegen? Schwabl schlüpfte in alle Perspektiven. „Irgendwann musst du dann die Vereinsbrille absetzen“, sagt er, „unser Credo ist klar: Ergibt sich für eines unserer Talente eine Option, die für alle Seiten passt, können wir auch loslassen.“ Als er die Sache ein letztes Mal ohne Vereinsbrille betrachtete, gab er RB Salzburg den Zuschlag.

Über die Ablöse wurde unter den Clubs das viel zitierte Stillschweigen vereinbart, jedoch spricht Schwabl auch ganz offen davon, dass es „der größte Transfer in der Vereinsgeschichte ist“. Bis gestern hielt Ceyhun Gülselam die Rekordmarke, im Sommer 2008 verkaufte die SpVgg den damals 21-Jährigen an Trabzonspor – für eine Million Euro. Hinter den Kulissen geht man bei Adeyemi vom Dreifachen aus, plus Zuschlägen. Deutschlandweit dürfte man lange vergeblich suchen, um einen vergleichbar teuren Transfer in dieser Altersklasse zu finden. Schwabl sagt, er sehe den Abschied des deutschen U-16-Nationalspielers „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Aus sportlicher Sicht will man Talente halten. Dass ein solcher Transfer aber die Planungen für die Zukunft deutlich erleichtert, ist auch eine Sache, die man klar erkennen kann – mit und ohne Vereinsbrille.

"Belohnen uns für harte Arbeit – so bestehen wir ohne Investor"

Hachings größter Coup erleichterte kurzfristig das Lizenzierungsverfahren enorm, denn im Gegensatz zu vielen anderen Clubs kommt man weiter ohne Investor zurecht. Zudem ist Karim Adeyemi nun das nächste Musterbeispiel für Hachings Talentförderung, was sich auch langfristig bezahlt machen sollte.

„Es wird registriert, wie das kleine Haching arbeitet“, so Schwabl, „ich merke es, wenn ich zu Verhandlungen an einem Tisch sitze. Die liefen vor vier, fünf Jahren zäher. Wir haben einen guten Ruf, und wir werden diese Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum fortsetzen.“ Die Saat gehe auf, so der Präsident, „wir belohnen uns im NLZ für unsere harte Arbeit – und so können wir ohne Investor bestehen.“

Haching ist auch die Persönlichkeit der Talente wichtig, und Schwabl hat registriert, dass die Interessenten auf diesen Punkt immer mehr Wert legen. Adeyemi habe einen bodenständigen Charakter, seine ganze Familie neige nicht zu Phantastereien, erzählt Schwabl, es hätte unter Umständen ja auch nach Liverpool oder zum FC Chelsea gehen können, „aber so etwas ist in dem Alter gefährlich – man sollte nie den dritten vor dem zweiten Schritt machen“, sagt der Präsident. „Salzburg ist die vernünftigste Lösung.“ Adeyemi soll in vertrauter Umgebung noch die Schule zu Ende bringen. Das ist trotz dieses Wechsels nun auch weiter möglich.

Adeyemi machte erstmals 2013 bei der SpVgg auf sich aufmerksam, als er beim Gewinn des Merkur CUP prägend war. Im Sommer zuvor war er vom FC Bayern gekommen, seitdem durchlief er alle Juniorenteams der „Rot-Blauen“. Im letzten Herbst wurde er erstmals in die deutsche U 16 nominiert, für die er seither in sechs Spielen zwei Mal traf. „Wir freuen uns für ihn und werden seine Entwicklung natürlich weiter beobachten“, sagt Schwabl. Ab jetzt halt ohne Vereinsbrille.

Aufrufe: 6.6.2018, 14:12 Uhr
Münchner Merkur (Süd) / Andreas WernerAutor

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