Florian Warmuth: Freisinger BLSV-Kreisvorsitzender.
Florian Warmuth: Freisinger BLSV-Kreisvorsitzender. – Foto: Privat

Freisinger BLSV-Vorsitzender: „Ganze Jahrgänge werden wegbrechen“

Florian Warmuth im Interview

Florian Warmuth, der Freisinger BLSV-Kreisvorsitzende, befürchtet Schlimmes. Corona bedingt den Rückgang der Mitgliederzahlen. Wie kann man den Kinder helfen?

Landkreis – „Schod, so richtig schod“ findet es der Freisinger BLSV-Kreisvorsitzende Florian Warmuth, dass der Sport bei den Corona-Entscheidungen am Mittwoch noch nicht mal erwähnt wurde. „Sport ist für mich ein Teil der Lösung. Die ganzen Vorteile, wie die Stärkung des Immunsystems und des Bewegungsapparats, dazu der gesellschaftliche Faktor – ich glaube, dass das ein Problem wird, wenn wir uns nur noch auf die Wirtschaft und die Schulen fokussieren.“ Der BLSV, der Bayerische Landes-Sportverband, mit seinen rund 4,5 Millionen Mitgliedern forderte die Politik zuletzt vehement auf, die Schließung der Indoor-Sportanlagen zu überdenken. Dazu prognostiziert der Verband in einer Medienmitteilung Anfang der Woche einen dramatischen Mitgliederrückgang von mehr als 100 000 Sportlern für das Jahr 2020. Für das kommende Jahr hätten bereits etwa 65 000 Mitglieder ihre Kündigung in den bayerischen Sportclubs vorgemerkt.

Corona: Finanzielle Lage macht Vereinen zu schaffen

Herr Warmuth, weniger Mitglieder bedeutet weniger Beiträge. Befürchten Sie finanzielle Probleme für die Vereine?

Ich kann zwar für den Kreis Freising derzeit noch keine signifikant erhöhten Austrittszahlen erkennen, doch ich glaube schon, dass finanzielle Probleme auf die Sportvereine zukommen. Das trifft zuallererst solche, die beispielsweise den Hauptteil ihrer Einnahmen aus der Vermietung einer eigenen Tennishalle generieren. Durch die Sperrung der Sportstätten müssen dort Abogebühren zurückerstattet werden. Die meisten anderen Vereine haben oft nur wenige laufende Kosten, wenn kein Trainings- oder Spielbetrieb stattfindet. Da müssen keine Trainer und meist nur wenig Pacht bezahlt werden – und dadurch wird es sicher länger gehen. Wenn ich allerdings sehr viele Austritte in meinem Verein habe, sinken nicht nur die Beiträge, sondern auch die staatlichen Förderungen in Form der Vereinspauschale.

Neben den Mitgliederzahlen spielen bei der Vereinspauschale auch Übungsleiter-Lizenzen eine Rolle. Droht da Ungemach?

Die zwei Faktoren für die Berechnung der Vereinspauschale sind die Mitgliederzahlen, getrennt nach Jugend und Erwachsenen, und die gemeldeten Übungsleiter-Lizenzen. Diese Lizenzen können aber auslaufen und müssen durch regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen verlängert werden. Das wurde heuer durch Corona erschwert. Daher hat der BLSV für die von ihm direkt ausgestellten Lizenzen und auch der Bayerische Fußball-Verband die 2020 auslaufenden Übungsleiter-Lizenzen um ein Jahr verlängert. Diesem Beispiel könnten auch andere Verbände folgen, auch wenn das mit etwas Aufwand verbunden ist.

Warmuth: Corona bedingt Ungleichgewicht im Sport

Es gibt ja ein extra Corona-Förderprogramm für den Profisport. Gibt es auch eines für den Breitensport?

Da haben wir meiner Meinung nach derzeit ein Ungleichgewicht. Der Profisport wird mit Millionen unterstützt, und für die Basis gibt es keine konkreten Corona-Förderprogramme. Lediglich die Verdoppelung der Vereinspauschale für das Jahr 2020 war als Corona-Soforthilfe ausgeschüttet worden. Der BLSV hatte im Frühjahr in einer digitalen Umfrage grob ermittelt, dass bis Jahresende rund 200 Millionen an Ausfällen im Breitensport drohen würden. Diese Information hat bislang aber noch zu keinem Hilfspaket für den Amateursport geführt.

Laut BLSV treten viele Jugendliche aus. Ist das auch bei uns zu befürchten?

Ich glaube, dass auch bei uns im Jugendbereich ganze Jahrgänge wegbrechen werden. Insbesondere in den Hallensportarten, die ohnehin schon um jeden Nachwuchssportler kämpfen müssen, ist eine Trainings- und Wettkampfpause von sechs oder neun Monaten dramatisch. Zudem fehlen die Vorbilder. Außer Fußball ist kaum mehr eine Sportart in den Medien präsent. Nationale Ligen, Europa- und Weltmeisterschaften fallen aus – und somit gibt es keine Bühne für die Identifikationsfiguren. Auch die Motivation ist irgendwann weg, wenn ich als junger Sportler ein Jahr nicht trainieren und Wettkämpfe bestreiten darf. Einige betrifft das jetzt schon seit März, das wird sich 2020 nicht mehr ändern. Ich weiß nicht, ob Hallensportarten ab Januar oder Februar wieder möglich sein werden, kann es mir derzeit aber nicht vorstellen.

Interview: Josef Fuchs

Aufrufe: 027.11.2020, 08:29 Uhr
Freisinger Tagblatt / Josef FuchsAutor

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