Thomas Brunet: Fußballer sind keine Windhunde

GL GI/MR: +++ Thomas Brunet, Trainer von Fußball-Gruppenligist Spvgg. Leusel, mag kein Cyber-Training. Er setzt auf die Eigenverantwortung seiner Spieler. Der erste Neuzugang ist schon fix +++

ALSFELD - Was macht ein Trainer in diesen trostlosen Fußball-Tagen? Ganz einfach, er plant schon einmal den Neustart - wann immer dieser auch sein mag. So handhabt es zumindest Thomas Brunet, Coach des heimischen Fußball-Gruppenligisten Spvgg. Leusel. Vor Saisonbeginn war der Marburger vom Kreisoberligisten FSG Homberg/Ober-Ofleiden in den Alsfelder Stadtteil gewechselt, hatte die Grün-Weißen umgehend zum Sieg im Kreispokal und in der Liga bis auf einen starken siebten Tabellenplatz geführt - mit klarer Tendenz nach oben. Schließlich lag die Sportvereinigung bei der Saisonunterbrechung im Herbst 2020 nur knapp hinter dem Tabellenzweiten FSV Schröck zurück, hatte zudem sogar ein Spiel weniger ausgetragen als der Top-Favorit. Doch dann kam der Lockdown und seitdem heißt es: warten und hoffen. Doch inzwischen geht auch Brunet, der zuvor unter anderem für den FSV Schröck, den VfB Wetter oder den FSV Cappel als Spieler aktiv war, davon aus, dass es das für diese Saison war. "Wir in Leusel waren ja eine der wenigen Vereine, die sich bei einer Umfrage unter den Gruppenligisten gegen einen Saison-Abbruch ausgesprochen hatten. Wir hätten gerne zumindest die Vorrunde zu Ende gespielt", so der Spvgg.-Coach, der aber inzwischen auch nicht mehr an einen Re-Start glaubt. "Das wird wohl nichts mehr", so der erfahrene Trainer.

So bleibt ihm, der vor wenigen Wochen seinen Kontrakt in Leusel bis 2022 verlängert hat, nichts anderes übrig, als den Blick auf die kommende Saison zu richten. "Bevor ich im Februar meine Zusage für die nächste Saison gegeben habe, habe ich noch einmal mit meinen Spielern telefoniert, wollte wissen, wie ihre Tendenz ist. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass das Gros auf jeden Fall blieben will, auch wenn sich sicherlich der eine oder andere Akteur noch etwas Bedenkzeit erbeten hat", so der 52-Jährige. Und die Gespräche mit möglichen Neuzugängen sind ebenfalls angelaufen und verlaufen offensichtlich vielversprechend. Einen Neuzugang hat Leusels Vorsitzender Marco Meier wohl schon klar gemacht, diesen will der Vereinschef aber (noch) nicht verraten. Zudem stehe der Verein mit zwei, drei weiteren potenziellen Neuzugängen in "guten Gesprächen", so Meier weiter. Damit zeichnet sich ab, dass die Grün-Weißen auch in der kommenden Saison über eine schlagkräftige Truppe verfügen dürften, die dann auch in der Breite besser aufgestellt sein dürfte als in der "Mini-Spielzeit" 2020/21. Wobei Meier betont, dass man beim Thema Verstärkungen seiner (erfolgreichen) Linie der vergangenen Monate treu bleibe und sich in erster Linie nach jungen, talentierten Akteuren umschaue. Was aber nicht ausschließt, dass auch der eine oder andere erfahrene Akteur zum Kader stoßen wird.

Ansonsten ruht der Trainingsbetrieb derzeit rund um den Sielweg. "Von Cyber- oder Einzeltraining halte ich nichts. Die Jungs wollen wieder Fußballspielen und gegen den Ball treten. Sie sind ja keine Windhunde, die um die Wette rennen", so Brunet blumig. Überhaupt setzt der Leusel-Coach ganz auf die Eigenverantwortung seiner Spieler. "Wer in der Gruppenliga spielen will, vielleicht später auch in der Verbandsliga, von dem erwarte ich ganz einfach, dass er sich auch in diesen schwierigen Zeiten auch ohne gemeinsames Training fit hält. Ich gehe daher nicht davon aus, dass beim ersten gemeinsamen Training nach dem Lockdown ein Spieler mit 130 Kilo kommt", so der Leiter des Polizei-Kommissariats Marburg. Mit regelmäßigen Telefongesprächen hält er den Kontakt zu seinen Spielern, ohne deren individuelle Trainingsfortschritte zu kontrollieren. "Da kann mir sonst auch einer die Leistungsdaten seiner Schwester per App schicken. Da vertraue ich meinen Spielern. Zudem bringt es nichts, die Spannung künstlich über Monate hoch zuhalten, wenn gar nicht abzusehen ist, wann es tatsächlich wieder losgeht", so der ehemalige Polizei-Hessenauswahlspieler. Er selbst hält sich mit Tennisspielen und Laufen fit - und weiß, dass viele seiner Spieler dies ebenso halten. Seine Maxime lautet daher: "Meine Aufgabe ist es, dass die Jungs beim Neustart fit sind. Da es nächste Saison wohl ohne Auf- und Absteiger in der gleichen Mannschaftsbesetzung losgeht, wie in dieser Spielzeit, müssen wir eben sehen, dass wir noch besser vorbereitet sind wie die Konkurrenz", setzt sich Brunet schon einmal selbst ehrgeizige Ziele.

Dass auch ein möglicher Neustart Ende Mai mit Spielen im Kreispokal nur mit einer gewissen Vorlaufzeit machbar sei, steht für Coach außer Frage. "Da haben wir alle auch eine gewisse Verantwortung den Spielern gegenüber. Vier Wochen Vorbereitung brauchen wir mindestens, um das Verletzungsrisiko überschaubar zu halten. Und das setzt schon voraus, dass die Jungs sich derzeit fit halten und nicht bei Null anfangen", so der frühere Sportausbilder der hessischen Polizei in Mühlheim. Auch beim Thema möglicher neuer Spielmodus für die kommende Saison hat sich Brunet seine Gedanken gemacht - aber ohne großes Ergebnis. "Es war ja auch in dieser Saison schon die Rede von einem möglichen Play-off-Modus. Natürlich hat das seinen Reiz, aber ich finde, die sportlich fairste Lösung bleibt eine normale Runde mit Vor- und Rückrunde", so der Marburger. Ob diese dann ohne Corona-Störfeuer ab Sommer möglich ist, bleibe eben die große Frage. So bleibt Thomas Brunet aber auch über die Oster-Feiertage ein Fußball-Trainer ohne direkten Kontakt zu seiner Mannschaft - verbunden mit der Hoffnung auf eine längere Spielzeit 2021/22. Die derzeit unterbrochene dauerte für ihn und sein Team ja nur neun Liga-Spiele lang.
Aufrufe: 026.3.2021, 07:00 Uhr
Oberhessische ZeitungAutor

Verlinkte Inhalte