– Foto: Thies Meyer

Saison annullieren? Marco Meier ist klar dagegen

GL GI/MR: +++ Soll die Fußball-Saison abgebrochen und annulliert werden? Klassenleiter Jörg Wolf will derzeit nichts ausschließen. Leusels Marco Meier ist gegen diese Lösung +++

ALSFELD - Der Zeitdruck auf den Hessischen Fußball-Verband ist nicht kleiner geworden. Nach den jüngsten Beschlüssen der Politik und der Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März stellt sich immer weniger die Frage, wann die Saison im Amateurfußball wieder angepfiffen wird. Vielmehr ist ein Abbruchszenario nicht mehr undenkbar: Kann die Spielzeit also überhaupt noch einmal angepfiffen werden oder wird sie sogar komplett ohne Wertung annulliert?
Jörg Wolf, Klassenleiter der Verbandsliga Mitte und der Gruppenliga Gießen/Marburg, hat sich darüber schon seit geraumer Zeit Gedanken gemacht und bereits vor der Entscheidung der Politik am vergangenen Mittwoch eine mögliche Annullierung der Runde ins Spiel gebracht. Dazu hat er die 39 Mannschaften seiner beiden Klassen um ein Stimmungsbild gebeten. Die zwei Szenarien: Die Hinrunde zu Ende spielen oder eine Annullierung der Saison? "Ich halte eine Annullierung auch nicht für die schönste Idee. Aber ich bin kein Optimist und kein Pessimist, sondern Realist", so der Regionalbeauftragte Gießen/Marburg, der mit Blick auf den Kalender vorrechnet: "Wir können ohnehin nur noch die Hinrunde beenden und könnten dafür allerspätestens am 2. Mai starten. Denn ebenfalls allerspätestens am 20. Juni muss Schluss sein, damit danach noch Aufstiegsspiele zur Regionalliga ausgetragen werden können. Das wären acht Wochenenden. In Verbands- und Gruppenliga gibt es Teams, die neun Partien zu absolvieren haben, das ist dann rechnerisch nur schwer möglich." Denn, das stellt Wolf klar, auf kräftezehrende Englische Wochen nach einer so langen Fußballpause soll, so gut es geht, verzichtet werden.

In diesem Punkt ist er sich mit Verbandsfußballwart Jürgen Radeck einig. "Die Hinrunde soll unter normalen Bedingungen beendet werden. Das heißt, gespielt wird nahezu nur am Wochenende mit ganz, ganz wenigen Wochenspieltagen. Denn der Alltag der Spieler mit Job, Schule und Studium hat klar Vorrang." Allerdings betont Radeck: "Wir planen nach wie vor mit einer adäquaten Vorbereitungszeit von vier Wochen für die Vereine und dem 18. April als Deadline. Durch die neuen Beschlüsse hat sich für uns also überhaupt nichts verändert." Wenngleich auch Radeck zugibt, das Thema Annullierung im Hinterkopf zu haben. "Unsere erste Grundregel lautet aber eindeutig: Wir müssen den Clubs ein Spielangebot machen, wenn es möglich ist. Deshalb können wir nicht jetzt schon annullieren. Das könnte uns juristisch auf die Füße fallen. Ein solches Szenario müsste sauber und mit Vorlauf vorbereitet werden." Darauf verweist auch Wolf.

Beim turnusmäßigen Meeting des HFV-Präsidiums in dieser Woche soll aber zumindest ein Zeitplan für das Erstellen eines Meinungsbildes erstellt werden. Dass Wolf hier schon einen Schritt weiter ist, hält Radeck für legitim. "Das haben andere Klassenleiter auch bereits gemacht. Über den Zeitpunkt kann man vielleicht diskutieren."

Der Tenor der Rückmeldung von gut 15 Vereinen, die Wolf bislang erhalten hat, ist deutlich: "Es ist kein Club dabei, der darauf pocht, unbedingt die Hinrunde noch zu Ende spielen zu wollen", so Wolf, der aber ebenfalls betont, dass es sich dabei noch um ein reines Gedankenspiel handelt und es gerade ein der Hessenliga zu Problemen kommen könnte: "Mit einer Annullierung würde es auch in dieser Klasse keine Aufsteiger in die Regionalliga geben. Und hier hängen noch die beiden nicht-hessischen Oberligen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz/Saar mit drin, die mit dem Zweitplatzierten der Hessenliga die Aufstiegsrunde spielen. Diese müssten ebenfalls annullieren", so Wolf, der generell den Missmut der möglichen Aufsteiger in den Klassen als ein mögliches Problem sieht. Für Mitte März ist eine Vorstandssitzung des HFV angedacht, bei der das Präsidium, die Regionalbeauftragten sowie die Kreisfußballwarte sicherlich auch eine Annullierung thematisieren werden.
Aufrufe: 016.2.2021, 12:00 Uhr
Oberhessische ZeitungAutor

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