BFV-Präsident Rainer Koch war am Samstag im Aktuellen Sportstudio.
BFV-Präsident Rainer Koch war am Samstag im Aktuellen Sportstudio. – Foto: Imago Images

Chaos beim DFB: BFV-Präsident Koch schließt Rücktritt als DFB-Vize aus

Fritz Keller nimmt sich Anwalt

Rund um den DFB gibt es immer neue Ärgernisse. Rainer Koch soll als Interims-Chef auf jeden Fall verhindert werden, doch dafür muss schnell ein neuer Präsident her.

München – Die nächsten Eskalationsstufen im Machtkampf des DFB sind gezündet: Präsident Fritz Keller klammert sich trotz der vorbereiteten Amtsenthebung verzweifelt an seinen Posten und will den anstehenden Sportgerichts-Prozess juristisch mit letzter Konsequenz führen. Gleichzeitig tobt der Kampf zwischen dem Amateur- und Profilager immer heftiger, um vor der Präsidiumsentscheidung zum Fall Keller die Deutungshoheit zu gewinnen.

Durch das Einschalten eines Anwalts scheint endgültig klar, dass sich der schwer angeschlagene DFB-Chef dem immer größer werdenden Druck nicht beugen möchte. Kellers Rechtsbeistand hat dem Sportgerichts-Vorsitzenden Hans E. Lorenz bereits mitgeteilt, dass er die Interessen des Präsidenten rund um den Nazi-Eklat vertreten wird.

Regional-und Landesverbände fordern weiterhin vehement Rücktritt

Am vergangenen Montag hatte die DFB-Ethik-Kommission den Fall vors verbandsinterne Gericht gebracht. Der im Mittelpunkt eines Machtkampfs an der DFB-Spitze stehende Keller hatte den Vizepräsidenten Rainer Koch in einer Sitzung mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler verglichen. Durch seine verbale Entgleisung hat Keller die Führungskrise des Verbandes dramatisch zugespitzt. Die Präsidenten der Regional- und Landesverbände erneuerten am Freitag mit großer Mehrheit ihre Rücktritts-Aufforderung an Keller und riefen pa-rallel zur Amtsenthebung des 64-Jährigen auf.

Aufgrund der 33 Ja-Stimmen bei nur drei Enthaltungen hält Koch einen Verbleib im Amt von Keller für ausgeschlossen. „Ein Präsident muss die Unterstützung der Amateurverbände haben“, sagte Koch.

Rainer Koch schloss am Wochenende seinen Rücktritt aus

Da es nicht nach einem Keller-Rücktritts aussieht, wird Plan B immer wahrscheinlicher. Demnach müsste das Präsidium eine Vorstandssitzung mit dem Tagesordnungspunkt „Enthebung von Fritz Keller“ einberufen. Sollte sich Keller weiterhin einer Demission verweigern, dürfte dieser Schritt in den kommenden Tagen erfolgen. Dann steht eine Zerreißprobe innerhalb des Gremiums bevor. Denn obwohl das Profilager rund um DFL-Boss und DFB-Vize Christian Seifert „seinen Mann“ Keller aufgrund der unsäglichen Äußerung wohl kaum stützen kann, dürften die Profis gleichzeitig auf das Aus für die Keller-Widersacher drängen.

Doch Koch will in keinem Fall das Feld räumen. Am Wochenende schloss der Amateurchef einen Rücktritt aus. Um Koch als erneuten Interims-Chef zu verhindern, würden die Profis einen Präsidenten mit dem Namen Karl-Heinz Rummenigge nur zu gerne sehen. Der scheidende Vorstandsboss des FC Bayern hat aber kein Interesse an einer „Harakiri-Aktion“ und erklärte: „Der DFB muss einfach zur Ruhe kommen.“ Seit der Aufarbeitung der WM-Affäre rund um das Sommermärchen gäbe es „Theater“, meinte Rummenigge. „In der Zeit haben drei Präsidenten die Rote Karte bekommen.“

Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk möchte als Übergangs-Führungskraft für Ruhe sorgen. Sie stehe „für einen Übergangszeitraum bereit“, um „mit einem Team von unabhängigen Personen den DFB in ruhiges Fahrwasser zu bringen.“

(jau)

Aufrufe: 10.5.2021, 10:20 Uhr
Münchner Merkur / Redaktion Münchner MerkurAutor

Verlinkte Inhalte