In Sichtweite der Papierfabrik wurde im Jahn-Stadion 1956 mit einem Fußballspiel zwischen einer Stadtauswahl (dunkle Trikots) und Deportivo Bilbao (in weiß) Forchheimer Sportgeschichte geschrieben (F.: Stadtarchiv).
In Sichtweite der Papierfabrik wurde im Jahn-Stadion 1956 mit einem Fußballspiel zwischen einer Stadtauswahl (dunkle Trikots) und Deportivo Bilbao (in weiß) Forchheimer Sportgeschichte geschrieben (F.: Stadtarchiv).

Als die Fußballwelt zu Gast in Forchheim war

Historie: Im Juni 1956 empfängt eine Stadtauswahl den spanischen Zweitligisten Bilbao

"Wisst ihr eigentlich noch damals?“ So nehmen viele Stammtischunter­haltungen ihren Anfang. Sich über längst vergessene Ereignisse auszut­auschen, kann schöne Erinnerungen wecken und ist fast eine eigene Sportart.

Der überraschen­de Triumph bei der Weltmeister­schaft in der Schweiz 1954 hatte das Nachkriegsdeutschland in eine kol­lektive Fußballbegeisterung ver­setzt, aber auch in einen Traumzu­stand. Knapp zwei Jahre nach dem "Wunder von Bern“ konnte von orga­nisierten Strukturen außerhalb der Städte Nürnberg und Fürth, der Herzkammer des deutschen Fuß­balls in den 1920er und 30er Jahren, kaum die Rede sein. Wie in anderen ländlicheren Gegenden wurde im Raum Forch­heim vorwiegend auf der Straße gespielt, die eine Nachbarschaft traf eben auf die nächstgelegene.

Wer im Verein aktiv war, hatte noch kein wirkliches Training. Das bedeutete bis in die 60er Jahre hinein einfach nur: Torschuss. Am Wochenende ging es gegen jene Klubs, deren Sportplatz mit dem Fahrrad erreich­bar war. Duschen gab es ohnehin nicht. Aufstellung oder Taktik wur­den von niemand vorgegeben.

So gesehen musste dieser Junitag in der Forchheimer Sportwoche von 1956 Geschichte schreiben. Im Jahn-Park stellte sich eine Stadtaus­wahl aus den Reihen der Germania, des VfB und des Jahn dem spani­schen Zweitligaverein Sociedad Deportivo Bilbao.

Zwölf Jahre nach Kriegsende hatte der Besuch vorwie­gend politischen Charakter, doch auch über den sportlichen Vergleich setzten sich die 5.000 Zuschauer wie die Spieler mit einer fremden Kultur auseinander. Die "Ballkünstler von der Pyre­näen- Halbinsel“, so eine der damals gängigen Umschreibungen, brach­ten den modernen Spielstil des spani­schen Weltvereins Real Madrid in die oberfränkische Provinz.

Über die feine Technik der überlegenen Süd­europäer konnten die Gastgeber nur staunen und warfen ihre bewährten kämpferischen Tugenden in die Waagschale. Aber vergeblich. Nach der knappen 2:3-Niederlage spra­chen sie in Forchheim über die listi­ge Art der iberischen Kicker. Erst Jahrzehnte später sollte man in Deutschland dem Geheimnis auf die Spur kommen.

Aufrufe: 13.2.2014, 13:57 Uhr
K. Gudd (NN Forchheim)Autor

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