Der VfR Garching würde bei einem Saisonabbruch absteigen.
Der VfR Garching würde bei einem Saisonabbruch absteigen. – Foto: Mike Megapix

Wenn vier Zehntel über den Abstieg entscheiden 

Bei Abbruch der Saison wird gerechnet - einige Klubs im Landkreis München erwischt es böse

Sollte die Coronakrise zu einem Abbruch der laufenden Saison führen, wird es in den Amateurligen im Freistaat dennoch Auf- und Absteiger geben – jedoch keine Relegation. Doch zuvor wird erst mal gerechnet

Landkreis – Eine entsprechende Regelung hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bereits im August in seiner Spielordnung verankert. Demnach kann eine Spielzeit gewertet werden, „sofern bei 75 Prozent der Mannschaften aus der jeweiligen Spielgruppe mindestens 50 Prozent der Verbandsspiele ausgetragen beziehungsweise durch die Sportgerichte gewertet wurden“. Dies ist in den Ligen aller Landkreis-Vereine der Fall.

Laut Spielordnung wird bei einem Saisonabbruch die Quotientenregel zur Ermittlung der Abschlusstabelle herangezogen. Sie soll dafür sorgen, dass Mannschaften kein Nachteil entsteht, nur weil sie weniger Partien absolviert haben als andere Teams. Bei dieser Regelung wird die Zahl der geholten Punkte durch die Zahl der bestrittenen Spiele geteilt. Das Ergebnis ist der sogenannte Quotient, der dann über die Reihung in der Tabelle entscheidet.

In der Regionalliga beispielsweise käme der VfR Garching – er hat 13 Punkte in 20 Spielen geholt – auf einen Quotienten von 0,65. Damit liegt der Tabellenletzte aktuell hinter Rosenheim (0,84) und Memmingen (0,91), weshalb er im Falle eines Saisonabbruchs runter in die Bayernliga müsste. Gerettet wäre dagegen der SV Heimstetten, der auf einen Quotienten von 1,04 kommt. Eine Spielklasse tiefer gäbe es in der Bayernliga Süd aus Landkreis-Sicht sowohl einen Verlierer als auch einen Gewinner. Denn nach dem jetzigen Tabellenstand bliebe dem FC Deisenhofen die Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga verwehrt – obschon der Klub als Zweiter aktuell den Relegationsplatz innehat. Doch laut Spielordnung gibt es bei einem Saisonabbruch keine Relegation; vielmehr bleiben die Mannschaften in ihrer jeweiligen Spielklasse. Von dieser Regelung profitieren würde wiederum der SV Pullach, rangiert er doch aktuell auf einem Abstiegsrelegationsplatz.

Ebenfalls um eine Saisonverlängerung herum käme in der Bezirksliga Ost der abstiegsbedrohte FC Aschheim. Die Mannschaft von Trainer Thomas Seethaler würde sich dank der Quotientenregel sogar noch auf einen direkten Nichtabstiegsplatz schieben, da sie zwar einen Punkt weniger als der TSV Dorfen geholt, zugleich jedoch ein Spiel weniger bestritten hat. Während der FCA daher mit dem Abbruch und der Wertung der Saison gut leben könnte, wäre beim SV Lohhof wohl Zähneknirschen angesagt. Denn der Klub, dessen erklärtes Ziel der Aufstieg in die Bezirksliga ist, liegt in der Kreisliga 1 zurzeit auf Platz zwei – und würde wegen der Quotientenregel sogar noch auf den dritten Rang abrutschen. Hieße in Ermangelung einer Relegation, dass der SVL mindestens eine weitere Saison in der Kreisliga antritt.

Selbiges träfe auch auf den SV Heimstetten II zu, der dies – anders als in Lohhof – jedoch mit Freude zur Kenntnis nehmen würde. Denn die SVH-Reserve kämpft in der Kreisliga 3 gegen den Abstieg, ebenso wie der SC Grüne Heide. Sollten nun keine weiteren Spiele mehr bestritten und die Saison abgebrochen werden, käme es zu einem landkreisinternen Fotofinish. Den Kürzeren würde dabei der SC Grüne Heide ziehen, der mit einem Quotienten von 1,06 knapp hinter dem SVH (1,10) liegt und somit auf dem drittletzten Tabellenplatz bliebe – einem Abstiegsrang. Die Mannschaft von Spielertrainer Thomas Bachinger müsste somit zum zweiten Mal hintereinander eine Spielklasse nach unten wandern.

Ebenfalls absteigen müsste nach jetzigem Stand in der Kreisklasse 1 der SV Lohhof II – aktuell Tabellenletzter, fünf Punkte hinter dem rettenden Ufer. Nach oben ginge es dagegen für den FC Phönix Schleißheim: Der Klub rangiert derzeit an der Spitze der Kreisklasse 2, wo es überdies einen Absteiger aus dem Landkreis gäbe – nämlich die Reserve des FC Ismaning. Beim Putzbrunner SV würden unterdessen die Hoffnungen auf die Relegation und der Traum von der Kreisliga platzen. Denn das Team von Trainer Philipp Würdinger wäre bei einem Saisonabbruch Tabellendritter der Kreisklasse 5 mit einem Quotienten von 2,13 – knapp hinter den Rivalen Fortuna Unterhaching (2,40) und SV Helios Daglfing (2,24).

In der A-Klasse 2 könnten bei einem Saisonabbruch samt Wertung gleich zwei Landkreis-Teams jubeln: Nicht nur für den Tabellenführer FC Unterföhring II würde es nach oben in die Kreisklasse gehen, sondern auch für den SV Ditib Unterschleißheim, der als Zweiter ebenfalls auf einem direkten Aufstiegsplatz liegt. Während sich in dieser Liga infolge der Quotientenregel nichts an der Reihung der Spitzenteams verändern würde, käme es im Tabellenkeller der A-Klasse 6 durchaus zu Verschiebungen – und Leidtragender wäre der SC Grüne Heide II. Denn die Mannschaft von Coach Bert Krasselt hätte mit einem Quotienten von 0,81 das Nachsehen gegenüber dem VfB Forstinning III, der ein Spiel weniger absolviert hat als die Heidler und somit bei Punktgleichheit auf einen Quotienten von 0,87 kommt. Die Folge: Das Team aus dem Ismaninger Ortsteil Fischerhäuser müsste runter in die B-Klasse – ebenso wie der TSV Feldkirchen, der Tabellenletzte dieser Spielklasse.

3355 Aufrufe30.3.2021, 11:44 Uhr
Münchner Merkur (Nord) / Patrik StäblerAutor

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