Taktgeber: Jan Washausen hat in Halle über zwei Spielzeiten hinweg die Kapitänsbinde getragen
Taktgeber: Jan Washausen hat in Halle über zwei Spielzeiten hinweg die Kapitänsbinde getragen – Foto: SpVgg Bayreuth

»Bayreuth ist der Verein, den ich als Herausforderung gesucht habe«

Bayreuths Neuzugang Jan Washausen im Interview.

Sein letztes Pflichtspiel in der 3. Liga absolvierte Jan Washausen am 04. Juli 2020 als der Hallesche FC beim damalige Zweitligaaufsteiger Würzburger Kickers zu Gast war. Nun wechselt der Ex-Bundesligaprofi nach Bayreuth, dorthin wo er die Rückkehr in die 3. Liga schaffen möchte. Im Interview spricht der gebürtige Göttinger über seinen Wechsel nach Oberfranken, seine Karrierestationen, die Aufgaben eines Führungsspielers sowie den Traum von „etwas ganz Großem“.

Sie haben im Winter bei der SpVgg Bayreuth unterschrieben. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt, Herr Washausen?

Jan Washausen (32): Durch das Corona-Virus war die Zeit für einen arbeitslosen Fußballer sehr schwierig. Zwischen den freien Spielern herrschte ein harter Konkurrenzkampf, da die Klubs coronabedingt auf Neuverpflichtungen verzichteten. Für mich war es schön, dass sich die Möglichkeit nach Bayreuth zu wechseln noch aufgetan hat. Ich habe mir immer gesagt, dass ich nicht um jeden Preis einen Vertrag unterschreiben muss.

Die SpVgg Bayreuth konnte Sie dennoch überzeugen.

Ich habe einen Verein gesucht, der mir eine Perspektive bietet und große Ambitionen hat. Lediglich einen Vertag zu unterschreiben, nur um irgendwo Fußball zu spielen, hätte ich auch in meiner Heimat Göttingen machen können. Ich habe mich dann mit Timo Rost zusammengesetzt. Die Gespräche waren sehr gut, da sich Timo sehr viel Mühe gegeben hat.

Wie hat Sie Altstadt-Cheftrainer Timo Rost letztendlich von der neuen Aufgabe überzeugen können?

Er hat mir detailliert gezeigt, wie er mit der Mannschaft Fußball spielen möchte und wie ich in das Konzept hineinpasse. Die Ausgangslage, dass sich Bayreuth in der Spitzengruppe der Regionalliga Bayern befindet, war mir bereits bekannt. Der Verein will oben mitmischen. Das kann im Sommer, wenn alles nach Plan verläuft, zu etwas ganz Großem führen. Diese Ambitionen haben mich überzeugt. Ich habe gespürt, dass Bayreuth der Verein ist, den ich als Herausforderung gesucht habe.

Sie sprechen von „etwas ganz Großem“. Damit ist wahrlich der Aufstieg in die 3. Liga gemeint.

Ja, ist er. Aktuell stehen noch viele Fragezeichen dazwischen, aber die Perspektive ist definitiv vorhanden. Einen Aufstieg vergisst man in seiner Karriere nie. Ich habe es mit Eintracht Braunschweig erlebt. Das ist die schönste Zeit, die du als Fußballer haben kannst. Ich möchte am Ende der Saison den Aufstieg mit der SpVgg Bayreuth schaffen. Das ist mein Ziel.

Einer von zwei Neuen: Jan Washausen (linkes Bild) bei seiner Vorstellung in Bayreuth.
Einer von zwei Neuen: Jan Washausen (linkes Bild) bei seiner Vorstellung in Bayreuth. – Foto: SpVgg Bayreuth

Washausen: »Meine Karriere ist keine Achterbahnfahrt, sondern ein stetiger Reifeprozess«

Sie sind in Braunschweig in der Bundesliga aufgelaufen. Zudem können Sie 20 Einsätze im Fußballunterhaus und insgesamt 110 Spiele für Zwickau und Halle in der 3. Liga verbuchen. Inwieweit würden Sie Ihre Karriere als Achterbahnfahrt bezeichnen?

(überlegt) Das ist eine falsche Bezeichnung. Die Ausgangslage in meinen Vereinen war sehr unterschiedlich. In Braunschweig habe ich als Nesthäkchen in der Bundesligazeit keine tragende Rolle gespielt. Ich wurde damals nur zweimal eingesetzt. Einmal durfte ich von Beginn auflaufen, einmal wurde ich eingewechselt. Diese Erfahrungen habe ich mitgenommen. Das ist aber nichts, worauf ich mir etwas einbilde. Nach Braunschweig bin ich durch meine Stationen in Elversberg, Zwickau und Halle als Spieler durchgehend gereift.

Inwiefern?

In Elversberg habe ich als Vize-Kapitän direkt eine Führungsrolle übernommen. Dort habe ich auch die harten Seiten des Fußballs kennengelernt. Ich habe gespürt, wie es ist, wenn dir der Trainer kein Vertrauen schenkt. Ich wurde dann mehr oder weniger zum Gehen gebeten. Daraufhin konnte ich mich glücklich schätzen, dass mich Thorsten Ziegner, der damals Trainer beim FSV war, unbedingt nach Zwickau holen wollte. Es war ein überraschender Aufstieg von der Regionalliga in die 3. Liga. In dem halbe Jahr war die Ausgangslage klar: Wir haben mit allen Mitteln versucht die Klasse zu halten.

Von Zwickau aus haben Sie den Schritt zum Halleschen FC gewagt. Wieso?

Thorsten Ziegner hat mich mitgenommen. Wir haben eine überragende erste Saison gespielt, und sind am Ende auf dem 4. Platz gelandet. Für uns ging es darum, den Aufstieg in die 2. Liga zu schaffen. Einhergehend mit den hohen Ambitionen veränderte sich die Drucksituation, andere Ergebnisse mussten abgeliefert werden. Das war im zweiten Jahr in Halle nicht mehr möglich. Wir sind als Mannschaft eingebrochen. Diese Erfahrung war wichtig für mich. Ich würde trotzdem nicht sagen, dass meine Karriere eine Achterbahnfahrt war, sondern eher ein stetiger Reifeprozess.


Beschreibt seine Karriere als einen stetigen Reifeprozess: Jan Washausen, hier im Trikot des FSV Zwickau in der Saison 2017/18 vor seinem Wechsel zum Halleschen FC
Beschreibt seine Karriere als einen stetigen Reifeprozess: Jan Washausen, hier im Trikot des FSV Zwickau in der Saison 2017/18 vor seinem Wechsel zum Halleschen FC – Foto: Michael Kölbel


In Halle haben Sie die Mannschaft als Kapitän auf den Platz geführt. Nach zwei Spielzeiten wurde Ihr Vertrag von Seiten des Vereins nicht verlängert. Wie haben Sie die Situation wahrgenommen?

Aus sportlicher Sicht lief es nicht optimal. Aber gerade was meine Rolle im Team betrifft, hat das der Geschichte keinen Abbruch getan, dass ich nicht mehr regelmäßig gespielt habe. Mein Standing in der Mannschaft war nach wie vor das Gleiche. Die Jungs wussten, dass sie sich auf und neben dem Platz auf mich verlassen konnten. Aber letztendlich zählt die Entscheidung des Trainers.

Sie sind nach der Vertragsauflösung in die Vereinslosigkeit gerutscht. Inwieweit war es auch durch das Corona-Virus, die Kontaktbeschränkungen sowie den fehlenden Spielbetrieb eine Herausforderung sich fitzuhalten?

Anfangs habe ich noch gedacht, dass es meinen Körper auch einmal zugutekommt, sich länger als zwei Wochen im Sommer von den Strapazen zu erholen. Ab dem dritten Monaten nervte es mich nur noch. Ich musste versuchen, mich so abwechslungsreich wie möglich fitzuhalten. Durch die Corona-Lage wurde das keinesfalls einfacher. Ein individueller Trainingsplan kann niemals ein Mannschaftstraining simulieren. Damit der nötige Rhythmus, die Abläufe sowie die Bewegungen wieder funktionieren, brauchen die Spieler ein regelmäßiges Mannschaftstraining.


Nach zwei Spielzeiten war Schluss für den HFC-Kapitän: Der Vertrag mit Jan Washausen wurde im Sommer 2020 nicht verlängert
Nach zwei Spielzeiten war Schluss für den HFC-Kapitän: Der Vertrag mit Jan Washausen wurde im Sommer 2020 nicht verlängert – Foto: Michael Kölbel

Washausen: »Ich übernehmen auf und neben dem Platz Verantwortung«

Sie sprechen es an, der Rhythmus für die Akteure fehlt seit Monaten, sodass ein geregelter Wettkampfbetrieb nach einer derartigen Unterbrechung als kaum umsetzbar erscheint.

Das würde ich nicht sagen. Meine Hoffnung ist, dass der Verband eine Vorbereitungszeit von mindestens vier Wochen beschließt, um allen Teams die Möglichkeit zu geben, die Grundlagenfitness auf ein einheitliches Level anzuheben. Lediglich zwei Wochen Vorbereitung wäre utopisch.

Sie fiebern mit der SpVgg Bayreuth auf den Re-Start hin. Wie können Sie der Altstadt konkret weiterhelfen?

Die Mannschaft ist extrem willig. Sie betreibt einen sehr hohen Aufwand im Spiel. Ich kann eine gewissen Gelassenheit einbringen, das heißt auch mal die richtige Entscheidung im richtigen Moment zu treffen und nicht 90 Minuten Power-Fußball zu spielen, sondern das Tempo je nach Spielphase auch mal zu variieren.

In Bayreuth treffen Sie auf eine junge, talentierte Mannschaft, die den Weg, welchen Sie vor einigen Jahren gegangen sind, noch vor sich haben. Inwieweit möchten Sie dort ein Vorbild sein?

Ich denke jeder der in Bayreuth Fußball spielt, hat sein fußballerisches Können bereits unter Beweis gestellt. Ich kann den Jungs im Spiel den ein oder anderen gesamttaktischen Hinweis geben oder sie im Training unterstützen. Das ist sowieso meine Art Fußball zu spielen. Ich übernehme auf und neben dem Platz Verantwortung.


Voller Einsatz: Jan Washausen, hier im Zweikampf gegen Magdeburgs Mittelfeldakteur Sören Bertram (r.)
Voller Einsatz: Jan Washausen, hier im Zweikampf gegen Magdeburgs Mittelfeldakteur Sören Bertram (r.) – Foto: Christian Fromme

Washausen über seine Zukunft: »Ich möchte aktuell keine Rolle als Trainer einnehmen«

In Elversberg haben Sie bereits die Regionalliga Südwest erlebt. Wie schätzen Sie die bayerische Regionalliga ein?

Das ist schwer zu sagen. Grundsätzlich haben die Aufsteiger der Regionalliga Bayern, beispielsweise 1860 München, die SpVgg Unterhaching oder auch Türkgücü München, sofort eine sehr gute Rolle in der 3. Liga gespielt. Gerade die aktuelle Spitzengruppe in Bayern um Aschaffenburg, Schweinfurt, den Club und uns bringt sehr viel Qualität mit. In der Regionalliga Südwest konnte selbst eine Mannschaft aus dem hinteren Tabellendrittel für die große Überraschung gegen den Tabellenführer sorgen. Und so ist das in Bayern auch.

Sie haben im vergangenen Jahr Ihr Studium abgeschlossen. Planen Sie schon die Karriere nach dem Fußball?

Nein. Ich habe BWL studiert, und bin jetzt Diplom-Betriebswirt. Trotzdem fokussiere ich mich nicht auf den Schwerpunkt Sportmanagement, sondern stelle mich eher breit auf. Der Fußball ist meine Leidenschaft. Damit habe ich mich die vergangenen 15 Jahre auf hoher Ebene beschäftigt. Dennoch möchte ich aktuell keine Rolle als Trainer einnehmen. Inwiefern ich dem Fußball auch nach meiner Karriere erhalten bleibe, muss man abwarten.

In Bayreuth finden jährlich die Richard-Wagner Festspiele statt, die Stadt ist bundesweit dafür bekannt. Inwieweit kann man Sie mit einem Opernbesuch locken oder fällt die Wahl letztendlich doch auf den Eishockeyverein Bayreuth Tigers, die in der 2. Deutschen Eishockey Liga unterwegs ist?

(lacht) Ich verschließe mich nicht komplett vor Kultur. Ich war bisher einmal in der Oper und habe mir auch schon mehrere Musicals angeschaut. Das bevorzuge ich eher. Wenn sich die Möglichkeit bietet, würde ich die Festspiele definitiv mal besuchen. Selbst meine Oma hat schon Ausflüge nach Bayreuth gemacht. Aber wenn es hart auf hart kommt, schaue ich mir dann doch lieber ein Eishockeyspiel in Bayreuth an.

Das Interview führte Niklas Korzendorfer

2362 Aufrufe26.2.2021, 06:00 Uhr
Niklas KorzendorferAutor

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