
Es gibt eine neue Konstellation im Sportpark Unterhaching. Bis zum 30. Juni 2025 wird der SpVgg Unterhaching ein befristetes Erstzugriffsrecht für den Verkaufsfall zugesagt.
Unterhaching - So festlich der große Sitzungssaal im Unterhachinger Rathaus auch geschmückt war mit Schoko-Bärchen, Winter-Servietten und Kerzlein: Bei den traditionellen Weihnachtsansprachen der Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat fiel, trotz heimeliger Stimmung, das ein oder andere kritische Wort. Mehrere Nadelstiche betrafen die SpVgg Unterhaching und deren seit 2018 formulierte Absichtserklärung, das Fußballstadion kaufen zu wollen. Nachdem die Haching Sportpark GmbH im November einen Notartermin und damit den Kauf hatte platzen lassen (wir berichteten), sorgte der Gemeinderat jetzt für klare Verhältnisse. Vorerst zumindest.
Nach dem gescheiterten Stadionverkauf bestand nur noch ein Pachtvertrag – dieser würde in wenigen Tagen, nämlich am 31. Dezember, auslaufen. Um den Spielbetrieb des abstiegsbedrohten Fußball-Drittligisten nicht zu gefährden, hat die Gemeinde den Pachtvertrag nun, allerdings zu neuen Konditionen, bis Ende 2026 verlängert. Neu ist unter anderem, dass ab sofort auch eine „Genehmigung für die zusätzliche Nutzung des Stadions für den Spiel- und Übungsbetrieb verschiedener Fußballmannschaften des FC Bayern München (Jugendmannschaften, Amateure, Frauen, Freundschaftsspiele der Profimannschaft)“ besteht. Mit dem deutschen Rekordmeister pflegt die SpVgg Unterhaching inzwischen eine mehrschichtige Kooperation.
„Es wird sich um eine limitierte Anzahl an Spielen von Mannschaften des FC Bayern handeln, pro Jahr weniger als 20“, erläutert Rathaussprecher Simon Hötzl auf Nachfrage des Münchner Merkur. „Die zusätzlichen Fußballspiele werden so terminiert, dass für die Anwohnenden keine übermäßige Belastung entsteht.“ Auch das American-Football-Team der Munich Ravens wird den Unterhachinger Sportpark weiterhin, wie schon in den vergangenen zwei Spielzeiten, als Austragungsort von Heimspielen nutzen können.
Und wie steht es um einen Verkauf des Stadions für die per Gutachter festgelegten 7,5 Millionen Euro durch die Gemeinde an die SpVgg? Dafür gibt es nun eine Art neues Ultimatum: Bis zum 30. Juni 2025 wird der SpVgg Unterhaching „ein befristetes Erstzugriffsrecht für den Verkaufsfall zugesagt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde. Ergreift die SpVgg diese Chance nicht, so Rathaussprecher Hötzl, werde man sich externen Investoren öffnen: „Es gibt durchaus einen Markt für Sportstadien.“
Wir arbeiten intensiv am Thema Stadionkauf, um Herr im eigenen Haus zu sein.
SpVgg-Vizepräsident Peter Wagstyl
SpVgg-Vizepräsident Peter Wagstyl indes betont: „Wir arbeiten im Hintergrund intensiv am Thema Stadionkauf, um Herr im eigenen Haus zu sein, und legen alle Energie hinein, um dies in den nächsten Monaten zu realisieren.“ Knackpunkt sei, dass der Stadionkauf über ein Ärztehaus hinter der Osttribüne finanziert werden soll, für das bis dato die Baugenehmigung fehlt. Auf diese hofft Wagstyl im Januar. Was Gastspiele des FC Bayern im Sportpark angeht, die sporadisch schon in der Vergangenheit stattfanden: „Das wertet den Standort im verträumten Unterhaching auf“, so Wagstyl.
Nichtsdestotrotz gab es kleine Seitenhiebe im Gemeinderat. So sinnierte der CSU-Fraktionsvorsitzende Korbinian Rausch über den Altruismus der Weihnachtsgeschichte und ob es auch „drei heilige Könige gibt, die unerwartet Reichtümer an einen armen Fußballclub in einem Unterhachinger Stadion verschenken“. Evi Karbaumer (Grüne) sagte, die SpVgg habe den Gemeinderat „das ganze Jahr über viele Nerven gekostet“, der Verein sei „monatlich für Überraschungen gut“. Pachtvertrag als Übergangs- und Kaufvertrag als endgültige Lösung: Das ist es, was sich alle wünschen.