Wer alles absteigt und wie viele Mannschaften genau aufsteigen können, hängt aktuell immer noch von verschiedenen Faktoren ab.
Wer alles absteigt und wie viele Mannschaften genau aufsteigen können, hängt aktuell immer noch von verschiedenen Faktoren ab. – Foto: Rocco Bartsch

Weniger zittern durch neue Strukturen

Wie viele Mannschaften steigen am Ende der Saison genau auf? Wer muss alles absteigen? Jahr für Jahr beginnt spätestens nach Ostern die große Rechnerei unter den Amateurfußballern. Bald könnte das vorbei sein: Beim Verbandstag am 2. Juli in Trier soll eine neue Spielklassenstruktur auf den Weg gebracht werden. Ver­schiedene Modelle stellte der Fußballverband Rheinland nun bei einer virtuellen Regionalkonferenz vor.

Das Interesse an den Ergebnissen von Rot-Weiß Koblenz ist auch im Eifel-Mosel-Hunsrück-Raum in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen: Sollte das (aktuell mit drei Zählern Vorsprung überm Strich stehende) Team vom Deutschen Eck am Ende der Regionalliga-Südwest-Saison doch noch absteigen müssen, könnte das in Folge eines Dominoeffekts auch negative Folgen haben für Salmrohr in der Oberliga. Steigt der FSV dadurch ab, müsste sich ein Team mehr aus der Rheinlandliga verabschieden – und so weiter. Auswirkungen bis hinunter in die Niederungen der Kreisligen hätte das unter Umständen zur Folge.

Das große Zittern hat vielerorts mal wieder begonnen, verbunden mit dem unguten Gefühl, dass man von anderen abhängig ist und es in letzter Konsequenz gar nicht in der Hand hat, etwa als Zweiter über Relegationsspiele auf- oder als Team aus dem Tabellenkeller abzusteigen.

Viele Fußballer sind dieses Dilemma leid. Das ist eines von vielen Ergebnissen, das die Ende 2019 gegründete Kommission Verbandsentwicklung nach Rückmeldungen von den Vereinen aus dem Gebiet des Fußballverbandes Rheinland (FVR) erhalten hat. Dem Arbeitskreis unter Leitung von Professor Lutz Thieme ging und geht es darum, die Lage zu analysieren, Anregungen zu sammeln, zu systematisieren und zu priorisieren und daraus Entwicklungen zu forcieren – um den Fußball von der Saar über Mosel und Rhein bis an die Sieg fit für die Zukunft zu machen, ihn attraktiv (er) zu gestalten und in Zeiten stetig sinkender Mannschaftszahlen (siehe Extra) auch die Leistungsstärke im Auge zu haben.

Ein Konzept, das der schleswig-holsteinische Fußballverband bereits mit Erfolg eingeführt hat, soll auf den FVR übertragen werden. Kernpunkte stellte Udo Blaeser, Verbands-Vizepräsident mit den Schwerpunkten Qualifizierung und Vereinsberatung, während der von gut 50 Vereinsvertretern nur mäßig besuchten, virtuellen Regionalkonferenz für den Westen des Verbandsgebiets am Samstagmorgen vor.

Demnach entfällt bei der Einteilung unterhalb der Rheinlandliga künftig die bisherige Orientierung an Kreisgrenzen. Ein spezielles Computerprogramm erstellt Einteilungen, in denen kürzere Fahrstrecken die entscheidende Rolle spielen. So könnten frühestens ab der Saison 2023/24 etwa in den A- und B-Ligen Teams aus dem östlichen Spielkreis Eifel gegen Vertreter aus dem nordöstlichen Mosel-Kreis spielen und Mittelmosel-Mannschaften aus Trier-Saarburg verstärkt in den Wittlicher oder den Hunsrück-Raum reisen.

Im Vorfeld des Verbandstages am Samstag, 2. Juli, in der Trierer Europahalle, werden zwei Varianten favorisiert: Einerseits ein modifiziertes 1-3-9-Modell (unterhalb der Rheinlandliga wie gehabt drei Bezirks- und neun A-Ligen) oder eine 1-3-6-Variante mit weniger Teams auf der dritten Spielebene (aktuell als A-Klasse bezeichnet).

In jedem Fall soll es keine starren Zuteilungen mehr geben wie aktuell. Damit werden vermehrte Abstiege aus bestimmten Staffeln vermieden, Relegationsplätze zum Beispiel für die Tabellenzweiten geschaffen und die entsprechenden Regelungen vor der Saison klar definiert.

Zu den Diskussionspunkten bei der Videokonferenz am Samstag – Teilnehmer waren unter anderem der scheidende Verbandspräsident Walter Desch und sein designierter Nachfolger, der Bernkastel-Wittlicher Landrat Gregor Eibes – zählte auch die künftige Größe der B-Klassen. Aktuell gibt es im Verbandsgebiet 16 Staffeln mit zwölf bis 14 Teams. Bei 18 Staffeln á zwölf Mannschaften etwa würde sich der Fahraufwand nach aktuellen Berechnungen um 15 Prozent verringern und gäbe es mehr Platz für Nachhol- und Pokalspiele, die aktuell oft während der Woche ausgetragen werden. Nachteil: Weniger Spiele bedeuten für die Clubs auch weniger Einnahmen und (noch) längere Pausen für die Aktiven, die doch eigentlich so gerne Fußballspielen wollen.

Ein großes Thema wird beim 30. Verbandstag in der Porta-Nigra-Stadt zudem die neue Präsidiumsstruktur sein. Der aktuelle Plan sieht vor, etwa über den Spielausschüssen der Senioren, Frauen/Mädchen und Jugend noch jeweils einen dafür zuständigen Vizepräsidenten zu installieren. Die Arbeitslast soll gerade im Zeitalter der immer wichtiger gewordenen Kommunikation breiter verteilt werden. Kritiker befürchten hier Doppelstrukturen und Kompetenzgerangel.

Inwieweit die ins Auge gefassten Pläne noch modifiziert werden, soll auch von den an beiden kommenden Wochenenden stattfindenden Regionalkonferenzen Ost und Mitte abhängen. Entschieden ist noch nichts. Das sollen die Vereine erst im Rahmen des Verbandstags übernehmen. „Gerade vor dem Hintergrund, dass der Spielbetrieb attraktiver und spannender werden soll, ist die Bereitschaft des Verbandes gegeben, etwas zu verändern – wenn es denn gewünscht wird“, betont Blaeser.

Aufrufe: 027.4.2022, 11:38 Uhr
Andreas ArensAutor