2026-02-09T08:36:21.830Z

Allgemeines

"Ich bin nicht zufrieden – und niemand im Team ist das"

FuPa-Teamcheck: Zwischen Abstiegsnarben, Standards und neuer Zuversicht beim TSV Heimerdingen

von Timo Babic · 27.12.2025, 10:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Pressefoto-Bildredaktion Eibne

Der TSV Heimerdingen steckt in der Landesliga, Staffel 1, weiter im Umbruch. Trainer Markus Koch spricht offen über mentale Blockaden, verschenkte Punkte und warum trotz Tabellenplatz elf kein Platz für Resignation ist.

Mentale Altlasten als größte Hürde

Für Markus Koch, Trainer des TSV Heimerdingen, ist die zentrale Herausforderung klar benannt: „Der Kopf! Immer wieder der Kopf!“ Als er den Verein übernahm, habe die Mannschaft „über ein halbes Jahr kein Pflichtspiel mehr gewonnen“. Hinzu kam, dass „die verbliebenen Spieler das Trauma des Abstiegs verarbeiten mussten“. Diese Gemengelage aus sportlichem Misserfolg und mentaler Belastung sei nicht zu unterschätzen – vor allem dann, wenn gleichzeitig eine gewisse Erwartungshaltung existiere. „Dies aber mit einer, verständlicherweise, vorhandenen Anspruchs- und Erwartungshaltung zusammenzubringen, ist eine Aufgabe, an der viele Vereine scheitern oder gescheitert sind“, sagt Koch und verweist bewusst auf prominente Beispiele: „Einer meiner Lieblingsvereine, 1860 München, ist so ein Beispiel.“ Heimerdingen wolle diesen Spagat jedoch bewältigen: „Wir als TSV Heimerdingen wollen das auch schaffen.“

Rollenfindung als Kernproblem der Hinrunde

Die Erklärung für den aktuellen Tabellenstand – Platz elf mit 18 Punkten aus 16 Spielen – sei komplex. Koch vermeidet bewusst öffentliche Detailanalysen: „Gründe sind immer vielfältig… eine fundierte Analyse ist nur für die interne Aufarbeitung sinnvoll.“ Ein Aspekt sei jedoch entscheidend gewesen: „Wir haben lange für die Rollenverteilung im Team gebraucht.“ Dabei gehe es weniger um die taktische Rolle auf dem Platz, sondern um das Gefüge insgesamt. „Wenn Rollen auf dem Spielfeld nicht zumindest ansatzweise dem Status im Mannschaftsgefüge entsprechen, wird es immer schwierig.“ Für alle sichtbar seien zudem Fehler passiert: „Wir haben zwei Spiele und damit sechs Punkte verschenkt.“ Die Orte nennt Koch bewusst nicht – „Kaisersbach und Pleidelsheim“ seien ohnehin bekannt.

Unzufriedenheit ohne Resignation

Mit der aktuellen Entwicklung zeigt sich der Trainer offen unzufrieden. „Ich bin nicht zufrieden – und niemand im Team ist das“, sagt Koch, weder „mit dem Tabellenstand noch mit der Entwicklung“. Enttäuschung oder Frust empfinde er jedoch nicht: „Vielmehr ist das für mich Antrieb und Ansporn für die zweite Saisonhälfte.“ In der sachlichen Betrachtung erkennt er durchaus positive Aspekte, etwa bei ruhenden Bällen: „Bei Standardsituationen waren wir richtig gut. Offensiv wie defensiv.“ Die Zahlen belegen das: „Die Hälfte unserer Tore haben wir nach Standards erzielt.“ Auch defensiv habe vieles gestimmt, wenngleich einzelne Szenen schmerzten – etwa der Strafstoß von Haris Gudzevic in Neckarsulm, „der in unserer Drangphase an die Latte knallt“, oder unhaltbare Freistöße von Weinstadt, Pleidelsheim und Rutesheim, die jeweils „richtungsweisend in den betreffenden Spielen“ gewesen seien.

Suche nach Stabilität und Konstanz

Trotz dieser Details bleibt der Blick nach vorn gerichtet. „Wir haben in vielen Bereichen Verbesserungsmöglichkeiten“, sagt Koch, vor allem bei dem, „was alle erfolgreichen Teams ausmacht: Stabilität, Kontinuität, Konstanz.“ Gleichzeitig wolle man „die zarten Pflänzchen Spielkreativität und Spielfantasie nicht in den Schatten stellen“. Diese Balance sei schwierig, aber reizvoll: „Eine moderne Stellenbeschreibung würde das für mich ein interessantes und abwechslungsreiches Aufgabengebiet nennen.“

Positiver Ansatz statt Zweifel

Für die Rückrunde setzt Koch auf eine klare Haltung: „Wir wollen viel positiver in jedes Spiel und in jede einzelne Trainingseinheit gehen.“ Das sei ausdrücklich nicht mit Harmoniebedürfnis zu verwechseln. „Mit positiv meine ich, positiv gegenüber den Aufgaben und Lösungsmöglichkeiten, die das Spiel verlangt.“ Dabei beruft er sich auf sportpsychologische Grundsätze: „Schlechte Stimmung ist ein Leistungskiller.“ Große Vergleiche relativiert er bewusst, auch wenn ihn ein Beispiel prägt: „Ich bin nicht Jürgen Klopp, der TSV Heimerdingen nicht der FC Liverpool.“ Dennoch sei die Geschichte „from doubters to believers“ sinnbildlich: „Mit Zweiflern und Nörglern – auf Schwäbisch: Bruddlern – gewinnst du nichts. Und wir wollen gewinnen.“

Vorbereitung und personelle Bewegung

Der Neustart beginnt am 20. Januar 2026 mit dem Mannschaftstraining, das erste Testspiel folgt „gegen Germania Bietigheim“. Große Kaderumwälzungen wird es nicht geben. „Ich bin kein großer Freund von Fluktuationen während der Saison“, betont Koch. Dennoch stehen Abgänge fest: Marco Wanes verlässt den Verein „vorrangig aus beruflichen Gründen“, Marc Geist ebenfalls. Hoffnung setzt der Trainer auf Rückkehrer: „Lars Ruckh, Martin Kuchtanin und Filip Milos“ sollen nach Verletzungen wieder dauerhaft fit werden. „Alle drei haben in der Vorrunde nicht oder kaum gespielt und wären für uns große Verstärkungen – interne Neuzugänge sozusagen.“