2024-07-22T11:49:03.802Z

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Wenn’s personell eng wird, hält TSV-Coach Michael Stiller auch mit 50 Jahren noch selbst den Kopf hin.
Wenn’s personell eng wird, hält TSV-Coach Michael Stiller auch mit 50 Jahren noch selbst den Kopf hin. – Foto: Fupa

Spinning als Erfolgsgeheimnis: Michael Stiller (50) mit zwei Toren und einer „Vorlage“ im Derby

Eine beeindruckende Serie geht weiter

Mit zwei Toren und einer „Vorlage“ war Allershausens Trainer Michael Stiller maßgeblich am Sieg des TSV im Ampertalderby beteiligt – im zarten Fußballeralter von 50 Jahren.

Allershausen – Ein bisschen ist es so, als würde Thomas Tuchel nochmal als Spieler ernst machen, weil es bei den Fußballern des FC Bayern gerade nicht so läuft, und am Ende dann zum Beispiel das ewige Duell gegen Borussia Dortmund einfach mal selbst entscheiden. Mit zwei eigenen Toren und einer weiteren Torbeteiligung. Zugegeben, Michael Stiller, wie der FCB-Coach 50 Jahre alt, trainiert zwar nicht in der Bundesliga und der Champions League. Ein Auftritt wie der am Freitag im Ampertalderby gegen den SVA Palzing sorgt aber auch in der Kreisliga für Aufsehen.

TSV Allershausen: Vier Spieler rissen sich heuer schon das Kreuzband

Eigentlich wollte der langjährige Spielertrainer in dieser Saison nur noch an der Seitenlinie stehen. Irgendwann ist es schließlich auch genug, „und an den Gedanken hatte ich mich schon gewöhnt“, gibt Stiller unumwunden zu. Die beiden Relegationsspiele zur Bezirksliga im Frühsommer sollten seine letzten Auftritte im rot-weißen Dress sein. Weil die Allershausener in dieser Spielzeit aber von Verletzungssorgen heimgesucht werden, wurde Stiller nun zum Retter in der Not – und zum großen Helden des Ampertalderbys.

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Sage und schreibe vier Kicker rissen sich beim TSV heuer schon das Kreuzband. Stürmer Marc Gundel ist ebenfalls verletzt, und durch weitere Ausfälle standen Stiller nur noch zehn fitte Kicker aus dem Kader der Ersten Mannschaft zur Verfügung. Zu wenig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Deshalb stellte sich der 50-Jährige kurzerhand wieder selbst auf. Nicht als Einwechselspieler, sondern von Beginn an. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf: Nach 14 Minuten knallte Stiller das Leder aus 20 Metern zum 1:0 in die Maschen. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Palzinger landete das Leder nach einer Ecke wieder vor den Füßen des Trainers, der nicht lange fackelte und das Spielgerät aus elf Metern reinzimmerte. Doch damit nicht genug: Das vorentscheidende 3:2 für die Gäste erzielte zwar Onus Tas per Eigentor, die vorherige Hereingabe stammte aber wiederum von Stiller.

Seit 13 Jahren in jeder Saison mindestens ein Tor

„Ich würde gerne jüngere Spieler ranlassen“, sagt der Coach, der in dieser Saison bereits siebenmal zum Einsatz kam. Als sich die Personalnot der Ampertaler verschärfte, war dann auch Stillers Ehrgeiz geweckt: Vor Jahren habe er mal den Plan gefasst, in jeder Saison, in der er auflaufe, ein Tor zu erzielen. Diese Serie hält nun seit 13 Jahren an. Am Ende wurden es sogar zwei Treffer gegen Palzing. Wann ihm das zuletzt gelungen sei, gibt Stiller zu, daran könne er sich gar nicht mehr erinnern. „Und dass es dann auch noch im Derby war, ist umso schöner.“

Wer sich Sorgen macht, 90 Minuten könnten zu viel für den 50-jährigen Fußballfanatiker sein, der irrt. Technisch und spielerisch könne er locker noch mithalten in der Kreisliga. „Am Ende musst du halt fit sein.“ Dass er das ist, sieht jeder, der den Mittelfeldspieler beobachtet. Das Laufen fällt zwar hier und da schwer, vor allem konditionell ist dem 50-Jährigen nach den Matches aber wenig anzumerken. Doch was steckt hinter der guten Fitness im gehobenen Fußballeralter? „Spinning“, lautet die pragmatische Antwort des Trainers. Ein bis zwei Mal pro Woche sitze er mindestens auf dem Rad. „Das steht bei mir zu Hause im Wohnzimmer.“ Um für 90 Minuten Kreisliga-Fußball gewappnet zu sein, und vor allem, um bereit zu sein, wenn dem TSV mal wieder die Spieler ausgehen. (Matthias Spanrad)

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Aufrufe: 010.10.2023, 05:00 Uhr
Matthias SpanradAutor