
Nachdem der Abstieg des BCF nun auch rechnerisch feststeht, kursieren Gerüchte über eine Kooperation. Der TSV widerspricht energisch und nennt eine SG die „schlimmere Form".
Die Stadt Wolfratshausen droht ihren Status als vielschichtiger Fußballstandort weiter einzubüßen. Durch den auch rechnerisch bestätigten Abstieg des BCF Wolfratshausen kann die knapp 20 000 Einwohner fassende Kommune nur noch Kreisfußball anbieten. Ist freilich nichts Ehrenrühriges. Zumal die DJK Waldram seit Jahren gut geführt ist und entsprechend solide dasteht. Auch beim TSV Wolfratshausen sieht man sich keinerlei Zukunftsängsten ausgesetzt. Einzig der BCF blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.
Dass diese in einer Kooperation mit den „Wölfen“ liegt, erscheint hochgradig unwahrscheinlich. Zwar berichtete Lulzim Kuqi in seiner Funktion als Sportlicher Leiter der Farcheter jüngst von unverbindlichen Gesprächen, die zwischen ihm und Beteiligten des TSV stattgefunden hätten. Dem aber widerspricht man bei den Wölfen ganz energisch. Vor allem der Begriff „Spielgemeinschaft“ stößt sauer auf. Seitens des BCF hält man sich ob der zu erwartenden Neuausrichtung im administrativen Bereich bedeckt.
Alfred Barth sah sich nach Kuqis Behauptungen bald mit Bedenken und Besorgnis seitens der TSV-Mitglieder konfrontiert. Die daraufhin verfasste Klarstellung des Vereinsvorstands ließ es an Deutlichkeit nicht mangeln. „Es gab nie Gespräche mit Funktionären des BCF über eine Spielgemeinschaft.“ Eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit beider Klubs wollte Barth damit gar nicht ausschließen. Sollten sich die Verantwortlichen der Fußballabteilung zu irgendeinem Zeitpunkt versammeln, das Thema diskutieren und danach entscheiden, in Verhandlungen zu treten, „können sie das machen“. Aktiv werde man gleichwohl nicht tätig. „Von uns kommt keine Initiative.“
Gemeint ist damit ein Diskurs über einen „FC Wolfratshausen“. So wie er vor etlichen Jahren schon einmal zur Debatte stand. „Diese Gespräche hat der BCF damals beendet, somit war das Thema für uns beerdigt“, stellt Barth klar. Scheint alleine eine Neuauflage dieser Thematik momentan schon schwer vorstellbar, ist eine andere Variante für die Wölfe unverhandelbar. Die von Kuqi ins Spiel gebrachte SG wird keine Geburtsstunde erleben. Barth nennt sie die „schlimmere Form“ eines Miteinanders. Dann nämlich, so befürchtet der Funktionär, würde sich der BCF die besseren Spieler für die Kreisliga krallen, den Rest aber einer Eingliederung in die C-Klasse überantworten. „Das wird nicht passieren, wir werden uns nicht unterordnen“, versichert Barth.
Ähnliche Töne sind aus der Fußballabteilung des TSV zu vernehmen, die die Materie mit einer offiziellen Aussendung kommentierte. „Die Darstellung, dass lediglich Ressentiments aus früheren Zeiten einer Zusammenarbeit im Wege stünden, greift zu kurz. Für den TSV Wolfratshausen stehen die Identität des Vereins und die eigenständige Förderung unserer Mannschaften an erster Stelle. Eine Entscheidung von solcher Tragweite wird beim TSV nicht hinter verschlossenen Türen durch Funktionärskonsens getroffen, sondern unter Einbeziehung der Mitglieder und auf Basis einer fundierten langfristigen Strategie.“
Vonseiten des Ballclubs kommen ähnliche, aber eher kleinlaute Töne. Helmut Forster verrät unserer Zeitung, dass man im Zuge der Überlegungen, wie es ohne Reserve mit dem Fußball weitergehen könnte, durchaus auf die Wölfe zugehen könnte. „Zusammensitzen und über Lösungen nachdenken, wäre sinnvoll“, unterstreicht der 78-Jährige. Diese Debatten, sofern sie zustande kommen, würden nicht ohne Rücksprache mit den Mitgliedern initiiert. Ein Thema, das Forster nicht mehr federführend begleitet: Der Altbürgermeister zieht sich von seinen Ämtern zurück. „Wir haben klipp und klar gesagt, dass wir nach dieser Saison nicht mehr antreten.“ Schriftführerin Swantje Suthmann und Manfred Fleischer eingeschlossen.
Forster bleibt dem BCF auf andere Art treu. Er wird Fan. Einer mit 38 Jahren Vereinsmitgliedschaft auf dem Buckel. „Ich zahle Eintritt und schaue zu, übe aber keine Funktion mehr aus.“ Was die generelle Zukunft des TSV Wolfratshausen betrifft, möchte Barth der Jahreshauptversammlung der Fußballer Anfang Mai nicht vorgreifen. Er räumt „lose Gespräche“ mit dem FC Weidach ein, hat sich aber von Abteilungsleiter Christian Leipold unterrichten lassen, dass eine zweite Mannschaft alsbald wieder in Aussicht stünde. Somit fehlt die Not, mit einem anderen Wolfratshauser Klub gemeinsame Sache zu machen. Der TSV Wolfratshausen sieht sich sportlich und organisatorisch stabil aufgestellt und „konzentriert sich vollumfänglich auf die Weiterentwicklung seiner eigenen Struktur und Mannschaft“, unterstreicht Barth in der Stellungnahme des Gesamtvereins.