
SV Raisting sucht noch nach Spielern mit dem Mut für die Bezirksliga
Die vergangenen Tage waren für Peter Bootz so arbeitsintensiv, dass er sich am verlängerten Wochenende über Fronleichnam einen Kurzurlaub gönnte. Der neue Trainer des SV Raisting hat lange zusammen mit der Abteilungsleitung am Kader für die Saison 2026/27 gebastelt. Nach zahlreichen Gesprächen stand fest, dass 15 Kicker aus dem bisherigen Aufgebot dem Sportverein auch künftig zur Verfügung stehen. Allerdings reicht diese Zahl nicht aus, um eine komplette Spielzeit in Angriff zu nehmen, denn es wird wie gewöhnlich wieder verletzte, gesperrte oder unzufriedene Spieler geben. „Zwei, drei Akteure können wir schon noch gebrauchen“, erklärt der Coach. Diese aber aufzutreiben, gestaltet sich äußerst schwierig.
Bootz hat zwar bereits viele Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt, aber sie endeten so gut wie immer mit demselben Ergebnis. Entweder hatten die Spieler ihrem Heimatverein schon zugesagt, oder der Aufwand, an den Ammersee zu kommen, war zu groß, oder die Selbstzweifel, es in Raisting nicht zu packen, waren zu massiv. Und manchmal lag es nur an den eigenen Freunden, die man nicht im Stich lassen wollte. „Für mich bedeutet es immer ein Privileg, in der Bezirksliga zu spielen“, stellt der Coach klar. Umso verwunderlicher ist es für ihn, dass dies neuerdings offenbar nicht mehr so gesehen wird.
Das könnte auch daran liegen, dass die Spielklasse für die Kicker aus dem Oberland mehr und mehr ihre Attraktivität verliert. Nach dem Ende dieser Saison stiegen gleich fünf Mannschaften aus dem Kreis Zugspitze aus der Bezirksliga Süd ab. Kompensiert werden diese Verluste heuer nur durch die drei obligatorischen Aufsteiger aus der Kreisliga und die Absteiger aus der Landesliga, 1. FC Garmisch-Partenkirchen und SC Oberweikertshofen.
Setzt sich dieser Trend so fort, wird die Gruppe in den nächsten Jahren immer mehr von Vereinen aus München und seinem Speckgürtel dominiert. Das bedeutet zum einen weniger Derbys, zum anderen aber auch anspruchsvolle Vergleiche mit wirtschaftlich starken Teams aus der Landeshauptstadt, denen außerdem ein schier unerschöpfliches Reservoir an Spielern zur Verfügung steht.
Für Bootz wäre gerade diese Konkurrenzsituation wie geschaffen dafür, die Herausforderung zu wagen. „Hab ich’s wirklich auf dem Platz drauf?“, stellt er die Frage, die in seinen Augen jeder ambitionierte Kicker im Umkreis von Raisting an sich richten sollte. Der Trainer kann aber auch nachvollziehen, dass sich manche seiner Gesprächspartner noch vornehm zurückhalten. In der abgelaufenen Saison hat der SV Raisting den direkten Klassenerhalt gerade so am letzten Spieltag geschafft.
Nach acht Jahren beendet der bisherige Trainer Johannes Franz sein Engagement am Ammersee und wechselt zum FC Penzberg. Was kommt nun? „Es ist jedem bewusst, dass es schwierig wird“, macht sich Peter Bootz nichts vor. Um den Aufstieg wird seine Mannschaft im nächsten Jahr sicherlich nicht mitspielen, eher wieder um den Klassenerhalt. Zu übermächtig ist die Konkurrenz und zu bodenständig der SV Raisting.
Auch in absehbarer Zeit wird beim Sportverein niemand mit Geldscheinen wedeln, um neue Spieler von einem Wechsel zu überzeugen. „Es ist nicht so, dass ich mit einer Einkaufsliste zum SVR gehe und sage: ‚Die Fünf brauche ich‘“, stellt Bootz klar. Was nicht nur aus Gründen einer nachhaltigen Entwicklung gut so ist. „Das besitzt auch seinen eigenen Charme“, hält er es sogar für etwas ganz Besonderes, den ungleichen Kampf David gegen Goliath anzunehmen.
Ob er mit dieser Rocky-Balboa-Nostalgie auch bei der jungen Generation punkten kann, ist eher unwahrscheinlich. Die mag es wohl lieber etwas bequemer. An den Ambitionen des Trainers ändert das jedoch nichts. „Ich bin zuversichtlich“, erwartet er, dass seine Mannschaft stark genug sein wird, um auch in der kommenden Saison die Liga zu halten. Am 18. Juni beginnt er mit der Vorbereitung ein in jeder Hinsicht anspruchsvolles Unternehmen.