
Die Eskalation dieses Fußballspiels, über die später zwei ziemlich unterschiedliche Versionen erzählt werden, beginnt mit einem Tor. Nach knapp einer Stunde kassiert der FC Türk Sport Garching, bislang ungeschlagener Tabellenführer der Kreisliga 1, im Auswärtsspiel beim TSV Moosach-Hartmannshofen einen Freistoßtreffer zum 1:2.
Es war hundertprozentig die richtige Entscheidung. Die gegnerischen Spieler sind komplett durchgedreht.
Florian Hanemann (Trainer Moosach/H.)
Noch vor dem Wiederanpfiff sieht ein Gäste-Spieler wegen Meckerns die Ampelkarte. Und direkt danach folgt eine verbale Entgleisung eines Garchingers, woraufhin der Schiedsrichter die Partie abbricht. So weit stimmen anschließend die Schilderungen beider Seiten überein – doch nur bis hierher. Denn während Türk-Sport-Trainer Fatih Topcu den Spielabbruch eine Fehleinschätzung nennt, betont sein Pendant bei den Gastgebern, Florian Hanemann: „Es war hundertprozentig die richtige Entscheidung. Die gegnerischen Spieler sind komplett durchgedreht.“
Was sich genau an diesem Nachmittag auf der Sportanlage an der Lechelstraße ereignet hat? Das wird nun ein Sportgericht des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) zu klären haben. Im Anschluss wird es darüber entscheiden, wie das Spiel gewertet wird und inwiefern der Abbruch auch Folgen für den Aufstiegskampf in der Kreisliga 1 hat.
Dass die Partie ab der 55. Minute nicht mehr fortgesetzt wurde, „fußte auf der Tatsache, dass eine ordnungsgemäße Durchführung nicht mehr gewährleistet war“, teilt ein Sprecher des BFV mit. Ihm zufolge wird sich nun das Sportgericht mit den Geschehnissen beschäftigen. „Entscheidend ist das Ergebnis der Auswertung der Stellungnahmen, zu denen die Betroffenen jetzt aufgefordert werden.“
Seitens des FC Türk Sport Garching werde man darauf drängen, das Spiel neu anzusetzen, sagt Trainer Fatih Topcu. Ihm zufolge habe einer seiner Spieler nach der Ampelkarte dem Schiedsrichter gegenüber „ein Wort benutzt, das man nicht benutzen darf“. Das Spiel daraufhin abzubrechen, sei jedoch nicht regelkonform, sagt Topcu. „Es war keine bedrohliche Situation. Wir haben alles auch auf Video, das werden wir unserer Stellungnahme beilegen.“
Etwas anders hört sich das beim Trainer des Gegners an. „Der Schiedsrichter wurde zwar nicht körperlich angegangen, aber extrem bedrängt“, sagt Florian Hanemann. „Die sind komplett ausgerastet und haben sich überhaupt nicht beruhigen lassen.“ Der Schiedsrichter habe deshalb gebeten, ihn auf dem Weg in die Kabine zu begleiten und zu beschützen, sagt der Coach. Er habe den Unparteiischen daraufhin zur Umkleide gebracht.
Es war keine bedrohliche Situation. Wir haben alles auch auf Video, das werden wir unserer Stellungnahme beilegen.
Fatih Topcu (Trainer Türk Garching)
Der betreffende Schiedsrichter will sich zu dem Fall nicht öffentlich äußern. „Dies hat seinen Hintergrund insbesondere darin, dass derzeit ein Sportgerichtsverfahren anhängig ist, welchem wir in keinster Weise vorgreifen wollen“, teilt der stellvertretende Obmann seiner Schiedsrichtergruppe mit.
Derweil weist Garchings Trainer Fatih Topcu darauf hin, dass der Unparteiische „ausgerechnet Mitglied bei unserem Erzrivalen und direkten Ligakonkurrenten im Aufstiegskampf ist“. Dies habe man erst nach dem Spiel erfahren, „und das hat uns ziemlich schockiert“, so der Coach.
Auch dieser Aspekt wird sich nun also in der Stellungnahme seitens des FC Türk Sport wiederfinden, während das Statement des TSV Moosach-Hartmannshofen laut dessen Trainer auf die Rechtmäßigkeit des Spielabbruchs hinweist. Eine Entscheidung darüber, wie all dies zu bewerten ist, obliegt dann dem Sportgericht. (ps)