2026-04-20T12:45:22.080Z

Allgemeines

Spelles Marvin Kehl will Leben retten

Stammzellspende

von red · Heute, 20:25 Uhr · 0 Leser
– Foto: Uli Mentrup

Fußball spielt im Leben von Mittelfeldspieler Marvin Kehl vom Oberligisten SC Spelle-Venhaus eine zentrale Rolle. Doch im Moment ruht das runde Leder für ihn. Der 28-jährige Filigrantechnicker ist als Stammzellspender im Einsatz und bekommt damit die Chance ein Menschenleben zu retten.

Kehl hat sich vor ein paar Jahren bei der DKMS (früher: Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registriert. Das sei so einfach wie das Motto „Stäbchen rein, Spender sein“ klinge, erklärt der fast immer gutgelaunte und zu einem Spaß aufgelegte Speller Kicker. Das Typisierungsprofil wird für die weltweite Spendersuche bereitgestellt. Dann erhielt er einen Anruf, „dass bei mir möglicherweise ein Treffer vorhanden ist“. Kehl musste zur Blutabgabe. Die Untersuchung im Labor ergab, dass es passe.

Nach Angaben der DKMS erhält in Deutschland ein Mensch alle zwölf Minuten die Diagnose Blutkrebs, weltweit alle 27 Sekunden. Viele Patienten könnten ohne eine lebensrettende Stammzellspende nicht überleben. „Mit der Suche nach geeigneten Spendern beginnt immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit.“

Vor knapp vier Wochen war Kehl zur Voruntersuchung in Dresden. Dort seien noch einmal die Blutwerte und seine gesundheitliche Verfassung gecheckt worden. Inzwischen hat der Student aus Münster grünes Licht bekommen. Am Donnerstag findet in der sächsischen Hauptstadt die Stammzellspende statt. Den Aufwand nimmt er gern in Kauf. „Ich bin ein gesunder junger Mann und es geht darum, möglicherweise ein Menschenleben zu retten.“

Schon am vergangenen Sonntag wurde Kehl erstmals ein Medikament gespritzt, das die Stammzellen mobilisiert, „damit sie besser entnommen werden können“. Deswegen stand er im Punktspiel beim 1. FC Germania Egestorf/Langreder erstmals in dieser Saison nicht im Kader von Trainer Henry Hupe. In Dresden findet eine sogenannte periphere Stammzellentnahme statt - die zweite Möglichkeit wäre die weitaus seltenere Knochenmarkentnahme gewesen. Beim Speller werden die Stammzellen aus dem Blut gewonnen. Dabei wird ein Zugang in beide Armvenen gelegt. „Fast wie bei einer Dialyse. Das Blut geht aus dem einen Arm raus, dann werden die Stammzellen gefiltert und das Blut wird wieder in den anderen Arm geführt“, beschreibt Kehl das Procedere. „Das ist relativ entspannt, aber es dauert halt drei bis fünf Stunden.“

Sportlich muss der aus Schleswig-Holstein stammende und beim FC St. Pauli ausgebildete Fußballer nach der Stammzellentnahme erneut kürzertreten: „Ich bin dann noch sechs Tage raus.“ So lange darf er keinen Kraft- oder Zweikampfsport betreiben. Damit fällt er auch beim Derby an diesem Freitag gegen den SV Holthausen Biene aus. Er steigt vermutlich in der Einheit vor dem Auswärtsspiel beim SV Wilhelmshaven wieder ins Training ein.

Kehl, der auch schon für den VfL Kellinghusen, SG Padenstedt, den FC St. Pauli, den Lüneburger SK Hansa, den PSV Neumünster, Westfalia Kinderhaus und Preußen Münster II gespielt hat, ist es generell wichtig, zu helfen, wo er kann. Deswegen hat er sich nicht nur als möglicher Knochenmarkspender registriert, sondern längst auch einen Organspendeausweis ausgefüllt. „Das ist alles kein großer Aufwand. Aber man muss es einmal gemacht haben, um vielleicht ein Menschenleben retten zu können.“ Die Unterstützung, die er als Stammzellspender etwa durch die DKMS erhalte, sei groß. „Das ist null Aufwand und so viel Ertrag. Was gibt es Schöneres als die Möglichkeit ein Leben zu retten?“ Je mehr Menschen mitmachen, „desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es für die Patienten den richtigen Stammzelltreffer gibt“. Und vielleicht, blickt Kehl nach vorn, ergebe sich nach der vorgeschriebenen Karenzzeit die Möglichkeit, seinen genetischen Zwilling kennenzulernen.

Volle Unterstützung erhält Kehl auch vom SC Spelle-Venhaus und seinen Mitspielern, die sein Engagement ausdrücklich begrüßen. „Hier geht es nicht um Fußball, sondern darum, Menschenleben zu retten“, stellt der Sportliche Leiter Markus Schütte fest. Dieser Einsatz des Mittelfeldspielers sei einfach überragend. „Wir können nur dafür werben, sich als Stammzellspender zu registrieren. Das ist kein Hexenwerk. Es geht nur darum, eine Speichelprobe abzugeben.“ Die Fußballer des SCSV und der Verein haben bereits mehrfach Aktivitäten der DKMS unterstützt, darunter auch Typisierungsaktionen im Jahr 2019 und 2021.