
Sportlich war die Begegnung aus der Bezirksliga Staffel 10 vom 14. Spieltag zwischen dem SV Hochlar 28 und dem Erler SV 08 allein schon wegen des außergewöhnlichen Spielverlaufs denkwürdig. Der Aufsteiger aus Recklinghausen setzte sich mit 5:4 gegen den um die Meisterschaft spielenden Erler durch und fügte den Gästen eine schmerzhafte Niederlage im Titelrennen zu.
Hochlar war mit einer 3:1-Führung in die Kabine gegangen, doch der Favorit aus Gelsenkirchen kämpfte sich ab der 80. Minute zurück und kam in der sechsten Minute der Nachspielzeit noch zum umjubelten 4:4-Ausgleich. Doch quasi im direkten Gegenzug setzte Hochlar noch einmal den Lucky Punch und traf zum 5:4-Endstand. Doch die Rechtmäßigkeit der Spielwertung wird vom Erler SV 08 nun angefochten. Wieso? Der Schiedsrichter Leonard Render soll Hochlars Kevin Arndt in der Schlussphase beim Stand von 4:3 für Hochlar zum zweiten Mal eine gelbe Karte gezeigt haben, doch die logische Schlussfolgerung, ihn mit der gelb-roten Karte vom Platz zu schicken, blieb aus.
Erles Trainer Tim Woberschal erklärt auf Nachfrage von FuPa Westfalen: "Der Schiedsrichter hat trotz seiner Einwände auf dem Platz und von draußen das nicht umgesetzt, weil er – laut seiner eigenen Aussage – die erste gelbe Karte nicht notiert hatte." Im offiziellen Spielbericht soll Render diesen Fehler auch eingetragen haben und zuvor den auch bei den Erlern eingesehen und sich entschuldigt haben. Alles würde auch auf Videomaterial vorliegen. Ironischerweise war es in der Nachspielzeit ausgerechnet Arndt, der die Vorlage zum 5:4 gab, also der Spieler, "der schon gar nicht mehr hätte auf dem Platz stehen dürfen", so Woberschal. "Also griff dieser Spieler klar in das Spiel ein." Wie der Erler Coach fortführt, wurde der Einsprung in erster Instanz vom Bezirkssportgericht, "zu unser aller Überraschung" abgelehnt. Der Verein prüfe nun weitere Schritte. "Ich hoffe, dass wir das nicht einfach so hinnehmen, weil die Statuten eigentlich auch komplett dagegen sprechen. Von daher ist es aktuell noch ein laufendes Verfahren."
Ein ähnlicher Schiedsrichter-Fauxpas hatte vor etwas mehr als einem Jahr in der Landesliga Staffel 3 für Aufsehen gesorgt. In der Begegnung zwischen dem TuS Harpen und BWW Langenbochum hatte BWW-Akteur Emirhan Catakli damals in der Schlussphase die zweite gelbe Karte gesehen, war aber fälschlicherweise nicht mit der Ampelkarte des Platzes verwiesen worden. Langenbochum wechselte Catakli sofort aus, der damit also keinen direkten Einfluss mehr auf das Spiel hatte, und erzielte wenig später den Siegtreffer zum 2:1. Der TuS Harpen legte daraufhin Einspruch ein, der wurde vom Verbandssportgericht allerdings zurückgewiesen und das Spiel wurde nicht wiederholt.
Tim Woberschal hat für die Wertung des BSG kein Verständnis: "Wir finden das Wahnsinn, wenn das der Weg sein soll. Wofür gibt es Regeln und Statuten? Es steht klar im Spielbericht drin, dass der Schiedsrichter diesen Fehler begangen hat und das kann das unserer Meinung nach keine Tatsachenentscheidung mehr sein. Das würde alle Türen und Fenster für Schiedsrichter öffnen, wenn das einfach so durchgeht, auch bei Fehlern, die früheren Minuten passieren – oder in entscheidenden Spielen. Was ist, wenn das Spiel über Aufstieg, Abstieg entscheidet?"
Tatsächlich könnte die sportgerichtliche Entscheidung einen massiven Einfluss auf das Meisterschaftsrennen in der Bezirksliga Staffel 9 nehmen. Der Erler SV 08 rangiert zum aktuellen Zeitpunkt einen Punkt hinter Tabellenführer FC 96 Recklinghausen, darf sich also berechtigte Hoffnungen auf den Landesliga-Aufstieg machen. Beide Teams treffen am Samstag (22.11, 14:30 Uhr in Recklinghausen) im Duell um die Herbstmeisterschaft aufeinander. Es bleibt also spannend, ob die Erler noch eine zweite Chance für die drei Punkte auf dem Hochlar-Spiel erhalten.