Soufiane Mokhtari blickt auf eine bewegte Karriere zurück.
Soufiane Mokhtari blickt auf eine bewegte Karriere zurück. – Foto: Soufiane Mokhtari

Soufiane Mokhtari - Sein Weg begann ganz unten

Teil 1 des Interviews mit Soufiane Mokhtari

In der heutigen Zeit kennt man dich durch den Fußball. Doch angefangen hat alles anders. Du musstest dich "ganz unten" und auf der Straße beweisen. Was heißt das genau?

Meine Kindheit war absolut kein Zuckerschlecken. Sie war geprägt von Gewalt, Terror und ständiger Angst. Es gab keinen Ausweg aus dieser Hölle. Ich hielt dieses Leben aus bis zu meinem 18. Lebensjahr. Es gab wieder mal einen Streit und ich wurde von zuhause rausgeschmissen. Von heute auf morgen war ich plötzlich auf mich allein gestellt. Ich war extrem glücklich, denn ich konnte das erste mal frei durchatmen. Aber hier fingen die nächsten Probleme an. Wohin mit mir? Wo kann ich übernachten? Wie komme ich an Essen? An Geld? Ich war zwar endlich frei hatte, aber einen riesen Klotz an Problemen am Bein. Ganz unten angekommen.

Als ich auf mich alleine gestellt war und weder Geld noch Perspektive hatte, traf ich in der City einen Freund dem es ähnlich ging wie mir. Er machte mir ein Angebot mit ihm gemeinsam zu dealen, um ein wenig Geld zu verdienen. Ich hatte Angst aber mein Magen sagte: "Greif zu!" Ich war jetzt Straßendealer - ganz unten angekommen.

Was hast du gemacht, nachdem für dich die Schulzeit beendet war?

Nach der Schulzeit hatte ich eine Lehre als Bäcker angefangen. Es war anstrengend, aber es hatte Spaß gemacht. Die Ausbildung konnte ich wegen den beschriebenen Umständen nicht beenden. Ohne mein Lehrgehalt wuchsen die Probleme sehr schnell. Durch meine Perspektivlosigkeit und Geldnot bin ich dann auf die schiefe Bahn geraten. Ich war nun Drogendealer und trieb mich in den gefährlichsten Ecken rum. Ein Leben, das ich so nie wollte.

Wie viele andere Jungs in diesem Alter hattest du aber auch den Traum, Fußballprofi zu werden. Warum konntest du ihn bis hierhin nicht verfolgen?

Ich war ein guter Kicker, ein Kicker mit Talent. Ich hatte auch mehrere Einladungen bei verschiedenen Bundesligisten im Jugendbereich vorzuspielen. Ich konnte leider nie eine dieser Chancen wahrnehmen, da ich weder Geld noch das Alter hatte selbstständig zu handeln. Meinen Eltern war das ziemlich egal, da kam leider keine Unterstützung. Die waren mehr mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt.

Was würdest du als Tiefpunkt deines Lebens beschreiben?

Mein Tiefpunkt war für mich das Dealen auf der Straße. Ich habe etwas gemacht, was gegen meine eigenen Prinzipien steht. Das Wissen um die Unfähigkeit, ein normales Leben führen zu können. Die Paranoia vor der Kriminalpolizei. Das war mein Tiefpunkt.

Hat dich das kriminelle Leben irgendwann eingeholt oder bist du straffrei davongekommen?

Ich wurde zwei Mal erwischt mit ein paar Gramm Marihuana. Es war Gott sei Dank nicht der Rede wert. Aber ich wurde eine lange Zeit observiert. Die Polizei wollte durch mich an größere Jungs ran kommen. Es gab auch zwei Hausdurchsuchungen, wo man nichts fand. Später bekam ich ein Angebot, aber dazu mehr im Buch. Tatsächlich bin ich von höheren Strafen davongekommen.

Und trotz all der Tiefschläge hast du dich immer an dein größtes Hobby geklammert: den Fußball. Wie war das möglich?

Der Fußball war meine Flucht aus diesem Leben. Zwei bis drei Mal Training in der Woche war für mich die einzige Chance, gelegentlich in einer anderen Welt zu leben. Fußball war für mich das einzig lebenswerte, was ich hatte. Da klammerte ich an dem einzigen, was ich hatte.

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Diese Geschichte und noch viele mehr erlebte Soufiane Mokhtari, der als Kind von tunesischen Gastarbeitern in Deutschland groß geworden ist. Von ganz unten arbeitete er sich trotz vieler Tiefschläge nach oben, wurde Fußballprofi und ist heute Spielerberater. Seine persönliche Geschichte hat er in einem Buch niedergeschrieben, welches jetzt erhältlich ist.

Der Link zum Buch: http://soufiane-mokhtari.com/buch/

Aufrufe: 024.11.2021, 09:30 Uhr
Brian SchmidtAutor

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