
„Ich lag quer in der Luft, kam mit meinem Rücken auf einer Treppenkante auf. Ich konnte mich danach kaum bewegen, mein Bein nicht anheben und hatte höllische Schmerzen“, schildert der 27-Jährige die Szene, die beinahe im Krankenhaus statt auf dem Fußballplatz geendet wäre. Noch bis Dienstag quälte er sich mit starken Beschwerden. „Dann wurde es besser. Meine Spielvorbereitung war auf Schonung und Erholung ausgelegt, zudem hab ich am Freitag meine letzte Examensprüfung für mein Lehramtsstudium in Sport geschrieben. Deshalb konnte ich selber diese Woche nicht trainieren.“
Dass Leipold nur wenige Tage später zum Rückrundenauftakt in der Landesklasse 3 gegen den SV Wacker 04 Bad Salzungen in der Startelf stehen würde, war lange nicht absehbar. Doch rechtzeitig gab er grünes Licht – und lieferte eine Antwort, wie sie eindrucksvoller kaum hätte sein können.
Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, als Marlon Sperschneider halbrechts den Ball in den Lauf von Leipold steckte. Der Offensivmann nahm kurz Maß und zog aus rund 25 Metern ab – ein Sonntagsschuss, der unhaltbar im Winkel einschlug. „Das war ein super Start und hat mir Mut gegeben“, sagte Leipold später. Mit dem frühen 1:0 überrumpelte der Tabellendritte vom Fellberg das Schlusslicht aus der Kurstadt. Steinach dominierte zunächst mit viel Ballbesitz und suchte spielerische Lösungen, während die Gäste von Trainer Mathias Weisheit auf Konter lauerten. Trotz der frühen Führung blieb die Partie offen. Ein Treffer von Philipp Sell wurde wegen Abseits aberkannt, auf der anderen Seite meldete sich Bad Salzungen zunehmend zu Wort. „Wir waren nach 25 Minuten besser im Spiel und hatten Chancen auf den Ausgleich“, erklärte Weisheit. Doch Justin Frank vergab, und auch Mohammed Ali scheiterte im Nachschuss. Stattdessen legten die Gastgeber nach. Winterneuzugang Kossi Prince Segbefia, der im Zentrum gemeinsam mit Ferdi Yoro zwischen Sechser- und Spielmacherrolle pendelte, setzte Philipp Sell in Szene. Der kam halbrechts zum Abschluss und schob überlegt zum 2:0 an Gästekeeper Philipp Konjevic vorbei (35.). Dennoch warnte Steinachs Trainer Horst „Ede“ Grohmann in der Pause: „Das Ding ist noch nicht durch. Wir müssen weiter konzentriert bleiben.“
Doch genau diese Konzentration ließ Steinach zunächst vermissen. „Wir waren uns ein bisschen zu sicher und waren zu salopp. Folglich fiel das Gegentor“, gab Leipold zu. Auch Grohmann fand deutliche Worte: „Das war eine absolute Schlafeinlage von uns.“ Bad Salzungen kam mit Schwung aus der Kabine, nutzte einen Fehler im Aufbauspiel eiskalt aus und verkürzte durch Roman Luther nach Vorarbeit von Mohammed Ali auf 2:1 (61.). Plötzlich witterten die Gäste Morgenluft, und für einen Moment geriet der sichere Favorit ins Wanken. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Segbefia wurde 18 Meter vor dem Tor gefoult, trat selbst zum Freistoß an und traf mit Unterstützung der Mauer zum 3:1 (63.). Der abgefälschte Ball ließ Konjevic keine Chance und nahm den Gästen den Wind aus den Segeln. Bad Salzungen stellte in der Folge offensiver um, doch Steinach verteidigte stabil und setzte kurz vor Schluss den Schlusspunkt. Wieder war es der bärenstarke Sperschneider, der sich auf der rechten Seite durchsetzte und mustergültig für den eingewechselten Sebastian Sell auflegte, der zum 4:1-Endstand einschob (89.).
Am Ende stand ein verdienter Heimsieg, mit dem der SV 08 Steinach seine Favoritenrolle erfüllte und erfolgreich in die Rückrunde startete. Für Leipold war es eine Woche, die sinnbildlich für Willenskraft und Zusammenhalt stand – vom schmerzhaften Sturz bis zum Traumtor. „Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung nach dem turbulenten Start letzte Woche mit dem Spiel in Hessen. Heute hatten wir einen extrem großen Kader von 18 Spielern. Jeder kämpft für jeden und wir halten zusammen. Ich bin guter Dinge, dass es so weitergehen kann“, sagte der Führungstorschütze zufrieden. Auch sein Trainer Grohmann blickt optimistisch voraus: „Wenn wir auch kommende Woche so intensiv trainieren, die Spielformen intensivieren, können wir optimistisch nach Meiningen fahren.“ Ganz anders ist die Stimmung beim SV Wacker. „Wir hatten aufgrund des Wetters eine schlechte Vorbereitung, wie andere Vereine auch. Wir gingen mit Bauchschmerzen in das Spiel und stehen am Ende mit leeren Händen da. Es wird nicht leichter für die nächsten Spiele“, resümierte Weisheit.
Für Bastian Leipold aber dürfte dieser Nachmittag am Fellberg vor allem eines gewesen sein: der perfekte Beweis, wie schnell aus einer Woche voller Schmerzen ein Fußballmärchen werden kann. Sein Sonntagsschuss nach 120 Sekunden war nicht nur der Dosenöffner für den 4:1-Erfolg – sondern auch der emotionale Höhepunkt einer ganz persönlichen Geschichte.