Nachdem die Sollner Spieler das Vereinsgelände des TSV München-Ost am Mittwochabend angesichts der 0:2-Niederlage im Relegationshinspiel mehr oder weniger mit hängenden Köpfen verlassen hatten, bot sich nun im Rückspiel am Sonntag zu Hause die Gelegenheit, das Ruder noch herumzureißen. Bei blendendem Wetter haben sich weit über 300 Zuschauer auf der Sportanlage an der Herterichstraße eingefunden. Beeindruckend war das Aufgebot an Ordnern und HelferInnen aus allen Mannschaften der Fußballabteilung, die nicht nur für einen geregelten Ablauf, sondern auch für ein gutes Angebot gegen Hunger und Durst sorgten.
Sollns Interimstrainer Sebastian Seidel musste zwar auf Mittelfeldspieler Benni Minov und Verteidiger Michael Schmid abwesenheitshalber verzichten. Tobi Steger, der am Mittwoch wohl zu spät für einen Torerfolg in die Partie eingestiegen war, durfte von Beginn an ran. Für die Ersatzbank lieh Seidel sich sogar zwei Spieler aus, die zuletzt ausschließlich für die Zweite angetreten waren (Niklas Elsässer, Ben Burkert). Die Sollner Erste war insgesamt gut aufgestellt, wenn auch der eine oder andere vorgesehene Ersatzspieler noch leicht angeschlagen war (Buergers) oder gar erkrankt ausfiel (Kurt).
In der Anfangsphase ergaben sich für die Hausherren bereits einige aussichtsreiche Torchancen (Campe daneben/1.; Eckball Khazali abgewehrt/3.; Khazali per Kopf vorbei/4.; Kugler scheitert nach Zuspiel von A. Hassinger an Abwehr/7.). Die Gäste vom TSV München Ost setzten ihre erste Möglichkeit über das Tor (4.), doch schon früh sorgten sie für Entsetzen bei den Sollnern, als Aldama Hübner, der auch im Hinspiel als Torschütze geglänzt hatte, per Drehschuss zum 0:1 traf (9.). Sprich: Solln musste nun sage und schreibe 3 Tore aufholen, um überhaupt in die Verlängerung zu kommen. Zum Glück ließen die Gastgeber sich nicht beirren und spielten munter weiter. Ein sicherer Rückhalt war ihr Keeper Maximilian Hassinger, der sich am Mittwoch zum Glück doch nicht wesentlich verletzt hatte. In der 23. Minute beispielsweise entschärfte er einen Eckball per Faust und den Nachschuss per Fuß.
Auf der „Habenseite“ konnten die Sollner freilich in Hälfte 1 trotz beherzter Spielweise noch nichts Zählbares verbuchen; daran änderte vorerst auch die Einwechslung von Seref Sözer für Sammy Schewe und Simon Metzger für Dominik Kugler (36.) nichts. Tobi Steger musste in der 42. Minute Keeper Loebus den Vortritt lassen und schoss 3 Minuten später nach Vorlage von André Metzger drüber. In der Nachspielzeit prallte er bei einer Fußabwehr von Loebus gar mit diesem zusammen und verletzte sich hierbei, konnte jedoch in der zweiten Halbzeit weiterspielen. Rein rechnerisch war Solln aber immer noch weit entfernt vom Klassenerhalt.
Kurz nach Anpfiff des zweiten Durchgangs zwang Tristan Römpp Keeper Laebus zu einer Faustabwehr (50.). Auf der anderen Seite setzte sich Kapitän Basti Jell stark gegen Aldama Hübner durch, so dass dieser seinem Konto keinen weiteren Treffer hinzufügen konnte. Gut gefiel die sehr offensive Ausrichtung der beiden Außenverteidiger. So wurde André Metzgers Flanke ins Toraus abgewehrt, und Alex Hassinger holte sich den Ball zurück (56.). Das ließ ihm der gerade erst eingewechselte Schwartz nicht durchgehen, wählte dafür aber unfaire Mittel und sah Gelb (57.). Johannes Campes weiter Freistoß landete in Laebus‘ Armen (58.). Es dauerte jedoch nicht mehr lang, bis André Metzger und Johannes Campe ein Glanzstück ablieferten. Metzger drehte einen Angriff der Gäste und bediente Johannes Campe, der aus spitzem Winkel rechts unten zum 1:1-Ausgleich traf (61.). Unmittelbar darauf kam in Lejs Dedic (für Tristan Römpp) ein frischer Mann aufs Feld, der an guten Tagen gerne für Aufregung in den jeweils gegnerischen Hälften sorgt.
Nach einiger Zeit erlebten die Sollner scheinbar einen enormen Rückschlag, als Niek Khazali nach Foul an Tobi Steger seinen Elfmeter zu platziert schoss und Laebus im Tor von Ost parieren konnte (69./André Metzgers Eckball kommt nicht an). So waren es weiterhin zwei Tore, die aufzuholen waren, um in die Verlängerung zu kommen. Eine reichliche Viertelstunde musste die Heimelf warten, bis sich endlich vorne etwas tat. André Metzger legte quer und Tobi Steger schob den Ball links am Torwart vorbei in die Maschen zur 2:1-Führung (85.). Mit allen verfügbaren Mitteln hinderte die Sollner Defensivabteilung die Gäste daran, weitere Zähler in Sachen Aufstieg zu landen. Ein wenig aufpassen mussten sie aber schon, dass sie es nicht übertrieben. Für ein Foul an dem eingewechselten Klonowski sah Basti Jell Gelb (86.). Zur Entschärfung von Pollaks Freistoß hielt Jell seinen Kopf hin, und den Rest erledigte Maximilian Hassinger mit einer Parade (87.). Ein weiteres Mal Pech hatte Niek Khazali, der im Nachschuss über den Kasten schoss (88.). Zum Glück köpfte bald darauf auch Klonowski daneben (91.).
Als „ganz der Alte“ erwies sich Tobi Steger in der Nachspielzeit, als er nicht akzeptieren wollte, dass der Angriff des mittlerweile für seinen Cousin Simon eingewechselten Alex Metzger wegen eines Offensivfouls abgepfiffen worden war und Gelb sah (90.+3). Steger war sich wohl bewusst, dass der Zug so allmählich dabei war abzufahren. Aber da war ja noch der vor einiger Zeit (74.) für Alex Hassinger rückeingewechselte Sammy Schewe, der mit geschultem Auge quer zu Lejs Dedic passte, der wiederum „eingesprungen“ für das eminent wichtige 3:1 sorgte – gerade noch rechtzeitig vor Abpfiff der zweiten Halbzeit (90.+7). Noch in dieser Zeit musste Tobi Steger raus; der erholte Tristan Römpp kam für ihn aufs Feld (90.+8).
Zur Verärgerung der Gästefans gab es für ein taktisches Foul von Sammy Schewe in der Anfangsphase der Verlängerung nur Gelb (95.). Todorovic konnte von dem verhängten Freistoß nicht profitieren. Lejs Dedic, der die Verlängerung ja erst möglich gemacht hatte, hätte beinahe nochmals aus dem Spiel heraus für Solln getroffen, doch sein Ball ging knapp über die Latte (97). Maximilian Hassinger hatte eine Menge zu tun, und ebenso die Defensive, aber alles in allem blieben die Gastgeber Herren der Lage. Kurz vor dem Seitenwechsel in der Verlängerung kassierte der eingewechselte Scharpf wegen eines Fouls an dem eifrigen Niek Khazali eine Verwarnung (105.). Dominik Kuglers Freistoß links vom Strafraum war leider leichte Beute für Keeper Laebus.
Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff ereilte Niek Khazali nach einem Foul von Aldama Hübner das endgültige Aus. Gestützt auf Ersatzspieler Anton Buergers, der sozusagen als Physio fungierte, konnte Khazali unter den nicht gerade fairen Kommentaren der auswärtigen Fans nur sehr langsam den Platz verlassen. André Metzger kam für Khazali zurück (112.). Einen aussichtsreichen Eindruck machte Dominik Kuglers Freistoß; zunächst hielt die Mauer, und Luca Bauschs Nachschuss wehrte die gegnerische Defensive ins Seitenaus ab (113.). Eine Großoffensive von München Ost überstanden die Sollner ohne Schaden. Ein Foul von Tristan Römpp an Todorovic legte dessen Nerven offensichtlich so blank, dass er Römpp mit Händen und Füßen attackierte. Nach längerer Beratung mit seinem Assistenten zeigte Schiri Möller Todorovic glatt Rot wegen Tätlichkeit. Keeper Laebus sah gleichzeitig wegen Meckerns Gelb (119.). In einer letzten Aktion vor dem Abpfiff traf Alex Metzger nur ins Toraus. Solln hatte nun sensationell den Einzug ins Elfmeterschießen geschafft, vor dessen Beginn Simon Metzger anstelle von Cousin Alex rückeingewechselt wurde (120).
Beim Stand von 3:1 für Solln, d.h. bei Gleichstand 3:3 unter Einrechnung des Hinspiels, startete das Penaltyschießen. Die Torhüter schauten jeweils gegen die Sonne, waren aber offensichtlich gut gerüstet. Den Anfang machte Luca Bausch mit einem Flachschuss ins linke untere Eck zum 4:1, was Orschied halbhoch links zum 4:2 beantwortete. Johannes Campe entschied sich mit Erfolg für rechts oben (5:2), doch Aldama Hübner konterte (5:3/halbhoch links). Kapitän Basti Jell übernahm ebenfalls Verantwortung, der er mit einem Flachschuss ins linke Eck gerecht wurde (6:3.). Auch diese Führung „egalisierte“ München Ost in Person von Miklautsch aus (6:4/rechts unten). Ein wenig frech, aber keineswegs ungewöhnlich, stoppte Lejs Dedic und netzte dann flach links zum 7:4 ein. Dedic, der Held, der die Verlängerung erst möglich gemacht hatte, durfte dann mit der gesammelten Mannschaft die Glanztat seines Keepers Maximilian Hassinger bewundern, der beim Elfmeter von Prömm instinktiv zur richtigen Seite flog und parierte. André Metzger war kaltschnäuzig genug, um seinerseits Keeper Laebus mit einem fast mittigen, halbhohen Schuss zum 8:4 zu überwinden. Ein fünfter Schütze von Ost brauchte gar nicht erst anzutreten, denn der Rückstand war uneinholbar.
Riesenenttäuschung bei den Gästen nach einem scheinbar bequemen Vorsprung, aber sowas von Erleichterung und Stolz bei den Spielern des TSV Solln, unter Bündelung sämtlicher Energien das schier Unmögliche erreicht und damit den Klassenerhalt in der Kreisliga geschafft zu haben. Herzliche Gratulation hierzu! Auch bei den Verantwortlichen dürfte jeweils mehr als ein Stein vom Herzen gefallen sein. Ein Wermutstropfen ist natürlich die erhebliche Verletzung von Niek Khazali, den es dieses Mal so richtig erwischt hat. Wir wünschen ihm recht baldige Besserung und hoffen, ihn in der kommenden Saison wiederzusehen. Wie es aussieht, werden sich leider einige Spieler von der Fußballbühne verabschieden. Bekannt ist dies bereits bei Keeper Maximilian Hassinger und Verteidiger Luca Bausch, die sich in Zukunft intensiver ihren verantwortungsvollen Berufen und ihrem Privatleben widmen wollen. Vielen Dank, Jungs, für Euren tollen Einsatz – es hat mit Euch immer Spaß gemacht! Auf den „Rest“ und die neue Saison freuen wir uns – und fürs Erste auf eine erholsame Sommerpause.