
Nach zwei Spielen hat Libyen vier Punkte auf dem Konto: Auf eine knappe 1:2-Niederlage gegen Frankreich folgte ein überzeugender 4:0-Erfolg gegen Lettland. Am Dienstag (1. September, 9 Uhr) wartet mit Australien der nächste Gegner. Trainiert wird die australische Auswahl von Ex-Bundesliga-Star Kevin-Prince Boateng.
Für Lahdo ist die WM allerdings nicht nur sportlich eine besondere Erfahrung. Der 26-Jährige ist in Mülheim zu Hause und hat selbst lange Fußball gespielt. Unter anderem war er beim heutigen Futsal-Bundesligisten PCF Mülheim aktiv. Die ersten Berührungspunkte zur libyschen Auswahl kam schließlich über einen gemeinsamen Bekannten aus dem Futsal-Geschäft zustande.
"Der Kontakt wurde über einen gemeinsamen Freund hergestellt, mit dem ich beim PCF Mülheim zusammengespielt habe“, erzählt Lahdo. Anschließend habe er Gespräche mit dem Manager des libyschen Fußballverbands geführt. Schnell stand für ihn fest: "Ich hab Bock drauf. Es ist eine WM direkt vor der Haustür. Es gibt nichts Geileres für jemanden, der den Fußball liebt.“
Die sportlichen Ziele formuliert Lahdo mit einem Augenzwinkern."Die Erwartung ist auf jeden Fall, Weltmeister zu werden“, sagt er und lacht. Ganz ernst gemeint ist das natürlich nicht. Viel wichtiger ist ihm, die Mannschaft bei diesem besonderen Turnier zu begleiten und gemeinsam möglichst weit zu kommen.
Dass Lahdo nicht selbst als Spieler auf dem Feld steht, hat vor allem gesundheitliche Gründe. Der Mülheimer hatte in der Vergangenheit versucht, höherklassig Fuß zu fassen, stand neben seinen Erfahrungen im Futsal unter anderem auch in der Oberliga für den VfB Speldorf auf dem Platz. Eine schwere Knöchelverletzung setzte seiner Spielerkarriere jedoch zunehmend zu.
"Ich hatte den Knöchel gebrochen und die Bänder gerissen. Das ist insgesamt dreimal wiedergekommen“, berichtet Lahdo. Irgendwann habe er sich gegen weitere Versuche entschieden. "Auf Krücken zu sein und so nicht mehr mit meinen Kindern spielen können, wollte ich nicht.“

Seine Liebe zum Fußball ist dennoch ungebrochen. "Wenn ich als Spieler nicht weitermachen kann, dann will ich meine Erfahrung, die ich auf dem Platz gemacht habe, und mein Netzwerk an andere Spieler weitergeben – als Trainer oder als Inhaber meiner Fußballschule.“ Seit diesem Jahr betreibt Lahdo in Mülheim zudem seine eigene Fußballschule „Pro X Hypesports“. Parallel arbeitet er als Trainer auf dem 'großen' Feld.
Eina klassische Verbindung zu Libyen ergibt sich bei Lahdo allerdings nicht. Er wurde im Irak geboren, kam als Dreijähriger mit seiner Familie nach Deutschland. Über die arabische Sprache kommt er in seiner Rolle als Nationaltrainer aber auch gut klar.
Bei der Socca-WM genießt er nun die besondere Atmosphäre. Nicht alle Spieler seiner Mannschaft haben bereits Erfahrung auf diesem Niveau. Einige Spieler wurden für das Turnier neu ausgewählt. Für Lahdo macht gerade diese Mischung den Reiz aus. Und auch für ihn selbst ist es das Event am Essener Kennedyplatz ein besonderes Erlebnis.
"Die Erfahrung ist natürlich geil. Du stehst vor Leuten, die richtig Bock haben." Dem Rahmen macht er schon jetzt ein großes Kompliment: "Die Leute, die das organisiert haben, haben auf jeden Fall super Arbeit geleistet. Du spürst, dass das mit Herz gebaut wurde. Das kommt auch bei uns Trainern und bei uns als Team an.“
Rein sportlich wartet mit der Auswahl Australiens nun ein besonderes Highlight. Deren Nationaltrainer Kevin-Prince Boateng sorgt natürlich auch bei Lahdo für Aufsehen. "Das wird für mich auch eine geile Erfahrung. Er hat eine großartige Karriere – und da darf ich als Mülheimer danebenstehen.“
Dafür setzt Lahdo nicht ausschließlich auf seine eigene Einschätzung. Einige seiner Spieler sammelten schon an anderer Stelle reichlich Erfahrung im Kleinfeldfußball, unter anderem aus Libyen, Großbritannien und Frankreich. „"Die bringen eine gewisse Erfahrung mit, die mir als Trainer die Arbeit erleichtert.“
Taktik spielt für Lahdo auf dem Kleinfeld ohnehin eine enorme Rolle. "Das ist der wahre Fußball. Wenn du gut auf dem Kleinfeld bist, dann bist du vielleicht dreimal so gut auf dem Großfeld.“ Denn gerade die Dynamik des Socca-Fußballs macht das Turnier für ihn so besonders: "Da zählt es nicht nur einmal gut zu sein, sondern bis zum Ende gut zu bleiben."
Genau das soll seine Mannschaft auch gegen Australien zeigen. Für Lahdo geht es dabei nicht nur um Punkte. Es ist auch die nächste besondere Station auf einem Weg, der ihn vom Futsal-Spieler in Mülheim zum Nationaltrainer bei einer Weltmeisterschaft geführt hat.