
Wenn im Fußball die großen Jungs ihre Schuhe schnüren, bleibt dem Rhein-Kreis nur die Rolle des Zuschauers. Sicher, Namen wie Berti Vogts, Friedhelm Funkel, Ben Manga und Albert Brülls haben national wie international einen guten Klang, doch ihre Erfolge feierten sie allesamt in der Fremde.
Und weil sich daran auf absehbare Zeit auch nichts ändern wird, warten die Fußballfans an Rhein und Erft nun einfach darauf, dass das Glück von ganz allein zu ihnen kommt. Der KFC Uerdingen, DFB-Pokalsieger von 1985 und 1986 nach dem Wunder von der Grotenburg - 7:3-Sieg nach 1:3-Rückstand zur Halbzeit gegen Dynamo Dresden - erst im Halbfinale des Europapokals an Atlético Madrid gescheitert, trat schon in der vergangenen Saison in der Oberliga Niederrhein an. Zur neuen Spielzeit stoßen der Wuppertaler SV - von 1972 bis 1975 Erstligist und in der Saison 1973/74 sogar mal im UEFA-Pokal im Einsatz - und die Zweitvertretung von Fortuna Düsseldorf aus der Regionalliga West dazu.
Okay, ob es wirklich dazu kommt, ist noch nicht sicher: Uerdingen könnte sich in eben jene Regionalliga verabschieden, und wie es nach dem Abstieg in Wuppertal weitergeht, steht in den Sternen. Darüber hinaus müssen sich der VfL Jüchen/Garzweiler und die Holzheimer SG ihr zweites Jahr in der höchsten Spielklasse am Niederrhein erst noch verdienen. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen ...
Die Duelle mit Fortuna II klingen zunächst wenig sexy, doch lohnt sich ein genauerer Blick auf die Mannschaft, die es trotz 40 Punkten und des sportlich erreichten Klassenerhalts nur deshalb erwischt hat, weil die Düsseldorfer Profi-Truppe vollkommen überraschend aus der 2. Bundesliga abgestiegen ist. Als Co-Trainer am Flinger Broich steht seit 2020 Andreas „Lumpi“ Lambertz unter Vertrag. Der 41-Jährige ist nicht nur eine Vereinsikone bei F95, sondern auch ein echtes Kind aus dem Rhein-Kreis: Hier ist er geboren - in Dormagen - und aufgewachsen - in Grevenbroich -, besuchte das Pascal-Gymnasium und machte am Berufsbildungszentrum Grevenbroich sein Fachabitur. Er kam unter seinem Vater in der F-Jugend der SG Orken/Noithausen zum Fußball, spielte danach im Nachwuchsbereich beim TSV Bayer Dormagen, TSV Norf und VfR 06 Neuss. Der mit seiner Familie in Kleinenbroich lebende Ex-Profi ist am 21. Juni auf der Ludwig-Wolker-Anlage der DJK Rheinkraft zum zweiten Mal Schirmherr des Business-Cups „Neuss am Ball“.
Trotz des Absturzes der Profis in die 3. Liga ist sein Vertrag im Nachwuchsbereich der Fortuna weiterhin gültig, sodass es berechtigte Hoffnungen auf Gastspiele der Fortunen - mit ihm an der Seitenlinie - in Holzheim und Jüchen gibt. Womöglich ebenfalls am Stankett steht dann Alexander Ende, dessen Vertrag bei Fortuna Düsseldorf ligaunabhängig bis zum 30. Juni 2028 läuft. Der 46-Jährige, der die Mannschaft erst im April von Markus Anfang übernommen hatte, ist in Grevenbroich geboren und wohnt mit seiner Familie in Neuenhausen.