2026-06-09T05:59:15.975Z

Querpass

So plant Rot-Weiss Wittlich für die Oberliga

Der ersehnte Aufstieg treibt den Fußballclub aus der Säubrennerstadt zusätzlich an. Zwei namhafte Neuzugänge sind schon fix, und auch im Umfeld tut sich einiges.

von Andreas Arens · Heute, 15:00 Uhr · 0 Leser
Nach dem Abpfiff versank der Wittlicher Bürgerwehr in roten und weißen Rauchschwaden
Nach dem Abpfiff versank der Wittlicher Bürgerwehr in roten und weißen Rauchschwaden – Foto: Alfred Mehles

Raketen stiegen in die Luft, der Kunstrasen am Bürgerwehr versank in roten und weißen Rauchschwaden: Als der Wittlicher 3:2-Erfolg im dritten und letzten Relegationsspiel um den Aufstieg in die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar über den TB Jahn Zeiskam feststand, gab es kein Halten mehr. Erstmals in seiner Vereinsgeschichte wird Rot-Weiss Wittlich in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse antreten.

Nächste Saison gibt es zwar im Gegensatz zur Rheinlandliga keine Derbys mehr, dafür aber interessante Duelle mit Mannschaften renommierter Vereine, wie etwa TuS Koblenz, Wormatia Worms und FK Pirmasens, sofern die Schuhstädter am Mittwoch im letzten Aufstiegsspiel zur Regionalliga nicht noch einen Kantersieg gegen den VfR Mannheim landen sollten.

Warum Torschütze Uhlig Rot-Weiss Wittlich verlässt

„Wir hatten ein Ziel von Anfang der Saison. Das haben wir jetzt über den Umweg Relegation geschafft“, strahlte der Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer, Maximilian Uhlig. In die Worte des 22-jährigen, pfeilschnellen Angreifers mischte sich auch Wehmut: Selbst wird der Manderscheider kommende Saison nicht in der Oberliga spielen, sondern zum bisherigen Ligakonkurrenten der Wittlicher, dem SV Laubach, in die Vordereifel wechseln (TV berichtete). „Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, aber ich muss mich mehr auf mein Studium konzentrieren und den Fußball hinten anstellen.“

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Auch ansonsten wird der Wittlicher Kader einige Änderungen erfahren. Bereits kurz nach dem Abpfiff der von 2000 Zuschauern verfolgten, nervenaufreibenden Partie am Sonntagnachmittag gab der Sportliche Leiter Salvatore Augello zwei prominente Neuzugänge von Regionalligist Eintracht Trier bekannt. Mit Mirko Schuster (31) und Jan-Lucas Dorow (32), der vor gut einem Jahrzehnt sogar zu ein paar Zweitligaeinsätzen für den 1. FC Kaiserslautern kam, verstärken zwei gestandene Akteure den Kader von Trainer Yusuf Emre Kasal. Julius Benz (SV Lüxem) und Leonard Tonner (Ziel unbekannt) werden den Club verlassen. Weitere Abgänge sind nicht ausgeschlossen. Darunter könnte auch Yannick Lauer sein, der in den vergangenen Wochen aufgrund von Sprunggelenksproblemen ausgefallen war. „In den nächsten Tagen“ wolle er sich entscheiden, was er nächste Saison mache, sagte er am Rande der Partie gegen Zeiskam.

Infrastruktur am Bürgerwehr soll mitwachsen

Auch im Umfeld ist am Bürgerwehr einiges in Bewegung: Nach Angaben von Augello soll der Kunstrasen noch bis Herbst einen neuen Belag erhalten und in unmittelbarer Nachbarschaft zur auch für die Oberliga vorgesehenen Spielstätte weitere Flächen mit synthetischem Untergrund entstehen. Beim Verein hoffen sie zudem, schon bald die Genehmigung für die Erweiterung des Clubhauses zu erhalten. Auf dieses soll dann eine Etage aufgesetzt werden.

Ob die namhaften Neuzugänge oder die Aktivitäten im infrastrukturellen Bereich – schon jetzt scheint klar zu sein, dass sie bei Rot-Weiss eine Liga höher nicht nur um den Klassenverbleib spielen wollen. Den „Traum von der Regionalliga“ hatte Augello bereits vor Monaten in einem Volksfreund-Gespräch geäußert.

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Die Spieler sind jetzt schon heiß auf die neuen Aufgaben, wie etwa Flügelflitzer Mohammad Rashidi, der gegen Zeiskam den Ausgleichstreffer zum 1:1 kurz vor der Pause selbst erzielte und das Uhlig-Tor maßgenau von links vorbereitete. „Mit unserer individuellen Klasse und einem Trainer, der uns so viel mitgibt, können wir eine sehr, sehr gute Rolle spielen.“

Dem zu Jahresbeginn für den geschassten Fahrudin Kuduzovic verpflichteten Kasal gelang es, die Mannschaft noch mehr zusammenzuschweißen. Die ruhige und besonnene, zugleich aber klare Art des früheren Regensburger Drittligaspielers und einstigen türkischen Erstligaprofis kommt bei den im Fall von Rückschlägen mitunter zur Nervosität neigenden Rot-Weißen gut an. „Der Coach hat eine andere Art als sein Vorgänger. Wir Spieler sind wie Brüder. Der Zusammenhalt ist enorm“, schwärmt Rashidi. Der 25-Jährige verfügt aus seiner Zeit bei Eintracht Trier bereits über Oberliga-Erfahrung. Aufgrund eines langwierigen Knorpelschadens kam er in der Saison 2023/24 aber nur auf drei Einsätze. Längst ist der aus dem FSV Tarforst hervorgegangene Außenbahnspieler wieder im Vollbesitz seiner Kräfte und könnte in der Oberliga zu einem wesentlichen Faktor für die Wittlicher werden.

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Trainer Kasal gelang das Kunststück, nur gut ein Jahr nach dem Aufstieg mit Cosmos Koblenz nun mit dem nächsten Club den Sprung in die fünfthöchste Liga zu schaffen. Die individuelle Klasse seiner Mannschaft sei das eine, sagt der.

Was für ihn außerdem wichtig ist: „Widerstände und Reaktionen zeigen, wenn es drauf ankommt: Das musste die Mannschaft über die vergangenen Jahre hinweg lernen. Diese paar Prozent haben da oft noch gefehlt. Mittlerweile haben die Jungs eine Jetzt-erst-recht-Mentalität entwickelt. Als die da war, war es relativ einfach für mich als Trainer.“

INFO

Wittlichs Aufstieg macht Platz in unteren Ligen

Der Aufstieg von Rot-Weiss Wittlich hat auch woanders für Aufstiegsfreude gesorgt: So steigt aus der Relegationsrunde zur Rheinlandliga neben Mosella Schweich und dem TuS Mayen nun sogar der Tabellendritte (und damit Gruppenletzte) SG 06 Betzdorf auf. Die Siegstädter hatten am Samstag noch mit 1:2 in Mayen verloren, durften dann aber rund 24 Stunden später auch jubeln. Aus der Aufstiegsrunde zur Bezirksliga steigen nun fünf der auf drei Gruppen verteilten neun Teams auf. Neben den jeweiligen Ersten sind es auch die beiden im Quervergleich ermittelten besten Zweiten. In der Westgruppe kämpfen am Mittwoch ab 20 Uhr der SV Trier-Irsch und die SG Grenzland-Winterspelt um den oder die freien Plätze in der Bezirksliga (mehr dazu auf Seite 18). In die A-Klasse rückt nun der 14. der Quotiententabelle, der SV Lüxem II, nach.