
Georg Mewes redet nie um den heißen Brei herum. „Wir haben jetzt ein Spiel weniger, der Rückstand auf das rettende Ufer hat sich vergrößert. Das ist natürlich schlecht“, sagte der Sportliche Leiter des Oberligisten 1. FC Kleve unmittelbar nach dem Abpfiff des Kellerduells bei den Sportfreunden Baumberg. Drittletzter gegen Vorletzter, Endstand 0:0. Klingt traurig. Und exakt so war auch das Geschehen auf dem Kunstrasenplatz im Monheimer Stadtteil, das gerade einmal 150 Zuschauer verfolgten. „Wir waren optisch überlegen und hatten immerhin zwei Halbchancen. Der Gegner war 90 Minuten lang harmlos und hatte gar keine“, so Mewes.
Zu den Halbchancen des 1. FC Kleve: In der 31. Minute schoss Außenverteidiger Dominik Burghard einen direkten Freistoß aufs gegnerische Tor. Doch Sportfreunde-Keeper Daniel Schwabke war rechtzeitig in die bedrohte Ecke abgetaucht und wehrte den Ball ab. Und in der Schlussphase hatte Joel Agbo eine gute Szene, als er sich auf dem rechten Flügel einmal durchsetzte – sein Abschluss landete allerdings am Außennetz. Mewes: „Mit etwas Glück fliegt so ein Ball auch einmal in die lange Ecke.“
Tat er aber nicht, weil der 1. FC Kleve in der laufenden Saison die nötige Portion Glück viel zu selten erzwingt. Dabei hatte Trainer Umut Akpinar endlich einmal seine Wunschformation aufbieten können. Im 4-2-3-1 bildeten Kapitän Fabio Forster und Niklas Klein-Wiele die Doppelsechs, als Spielmacher hinter den Spitzen genoss Luca Thuyl alle Freiheiten, ganz vorne sollte es diesmal Elias Reffeling richten. Den jungen Stürmer, der seine Tore in der vergangenen Saison noch in der A-Junioren-Grenzlandliga geschossen hat, traf keine Schuld an der Klever Harmlosigkeit. Mewes brachte anschließend das Hauptproblem, das den Oberligisten vom Bresserberg schon die gesamte Saison begleitet, noch einmal deutlich auf den Punkt: „Was sollst du als Mittelstürmer machen, wenn der Ball nur in Ausnahmefällen in der gegnerischen Box landet?“
Und weil die Sportfreunde Baumberg von Anfang an mit einem Punkt zufrieden waren und von Offensivbemühungen des Gastgebers praktisch nichts zu sehen war, endete der trostlose Kick mit einer Nullnummer. Die Klever Torhüter Ahmet Taner und Henning Divis konnten das Geschehen, das sich vor ihnen abspielte, in aller Seelenruhe verfolgen. Pechvogel Taner hat’s schon wieder erwischt. Die Klever Nummer eins fasste sich nach 20 Minuten nach einer Grätsche in die Leistengegend und musste die Abschläge anschließend seinen Teamkollegen überlassen. Zur Pause wurde er vorsichtshalber ausgewechselt. „Jetzt heißt es abwarten. Eventuell fehlt uns Ahmet in den nächsten Spielen“, so Mewes.
Kommen wir zum Blick auf die Tabelle: Sechs Spieltage vor Saisonschluss hat der 1. FC Kleve 27 Punkte auf dem Konto und fünf Punkte Rückstand auf Platz 15, der am Ende die Rettung bedeutet. Dort befindet sich aktuell mit 32 Zählern der SV Sonsbeck, der sich am Sonntag vom Tabellenfünften SpVg Schonnebeck 0:0 trennte. Mit ebenfalls 32 Punkten befindet sich die DJK Adler Frintrop auf Platz 14. Mit 31 Zählern und damit immerhin vier Punkten Vorsprung auf den 1. FC Kleve führen die Sportfreunde Baumberg weiterhin die Abstiegszone an.
In den nächsten beiden Spielen wird sich endgültig zeigen, wohin die Reise der Rot-Blauen führt. Am kommenden Sonntag stellt sich ab 15 Uhr der SV Sonsbeck zum Krisen-Nachbarschaftsduell am Bresserberg her. Dieses Spiel muss zwingend gewonnen werden. Ob durch ein Sonsbecker Eigentor oder einen abgefälschten Schuss, egal – die drei Punkte müssen in Kleve bleiben. Eine Woche später geht’s zum Tabellenletzten SV Biemenhorst, der sich spätestens nach der 2:3-Niederlage im Derby gegen Blau-Weiß Dingden mit dem Abstieg abgefunden haben dürfte.
Noch lebt am Bresserberg die Hoffnung auf den Klassenerhalt. „Wenn wir die nächsten beiden Spiele gewinnen, sind wir wieder im Rennen“, sagt Mewes. Für die lebende Fußball-Legende aus Oberhausen ist das Glas zwar immer halb voll. Doch „Schorsch“ hat auch schon einmal optimistischer geklungen.