Der „Club Nr. 12“ erhebt nach den Ausschreitungen am Samstag in einem auf Facebook veröffentlichten Statement schwere Vorwürfe gegen die Polizei
Der „Club Nr. 12“ erhebt nach den Ausschreitungen am Samstag in einem auf Facebook veröffentlichten Statement schwere Vorwürfe gegen die Polizei – Foto: Imago Images / Ulrich Wagner

Skandalspiel Türkgücü gegen FC Bayern II: „Club Nr. 12“ verurteilt „maßlose Polizeigewalt“

Mehrere Fans im Krankenhaus

Der FCB-Fanklub „Club Nr. 12“ erhebt nach dem Skandalspiel vom Samstag schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Auch der FC Bayern und Türkgücü werden kritisiert.

Heimstetten/München – Das Skandalspiel zwischen Türkgücü München und dem FC Bayern II erhitzt weiter die Gemüter. Eigentlich hätte es eine sportliche Veranstaltung zweier Stadtrivalen sein sollen, doch am Ende gab es nach dem Spielabbruch und dem Einschreiten der Polizei nur Verlierer.

19 Verletzte sind die traurige Bilanz des Derbys vom 22. Spieltag der Regionalliga Bayern. Die Aufregung um ein nicht genehmigtes Banner mit der Aufschrift „FC Bayern Fan-Klub Kurdistan“ sorgte für einen Schneeballeffekt, der schließlich in einer wüsten Auseinandersetzung zwischen den Gäste-Fans und der Polizei endete. „Die Beamten sind auf Gegenwehr gestoßen und mussten Pfefferspray einsetzen“, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Der teilweise massive Einsatz von Schlagstöcken ist durch mehrere im Interview kursierende Videos belegt.

FC Bayern II: Club Nr. 12 kritisiert „unverhältnismäßigen und extrem gewalttätigen Polizeieinsatz“

Am Sonntagabend hat sich deshalb auch die Fan-Gruppierung „Club Nr. 12“ zu Wort gemeldete und erhebt schwere Vorwürfe. „Die Bayernfans sind dafür bekannt, sich auch über den eigenen Tellerrand hinaus gesellschaftspolitisch zu äußern und zu engagieren, auch bei Themen, die kontrovers sind“, schreiben die Macher auf ihrer Facebook-Seite. „Die Fahne ist dabei als Statement von einigen Fans gegen von ihnen als Missstände in der Türkei wahrgenommenen Zustände zu verstehen, wie Rassismus gegen Kurden und Kurdinnen, eingeschränkte Meinungsfreiheit und politische Verfolgung.“

Die am Ende beschlagnahmte Fahne sei „weder beleidigend, noch beinhalte sie strafrechtlich relevante Symbolik“. Als die Beamten die Fahne sicherstellten, sei es „zu einem unverhältnismäßigen und extrem gewalttätigen Polizeieinsatz, obwohl eine Weiterführung des Spiels zu diesem Zeitpunkt bereits überhaupt nicht mehr in Aussicht stand und es keinerlei Provokation seitens der Bayernfans gab“.

„Das Problem der Eskalation war ausschließlich die maßlose und unverhältnismäßige Polizeigewalt, sowie ein fragwürdiges Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit bei den Verantwortlichen beider Vereine.“

Stellungnahme des „Club Nr. 12“.

In den Augen des Club Nr. 12 wurde Pfefferspray „wahllos in den Block gesprüht“ und es sei auch auf „wehrlos am Boden liegende Personen“ eingeschlagen worden. „Wir finden es äußerst fragwürdig, aber leider nicht überraschend, dass sich die bayerische Polizei zum Erfüllungsgehilfen einer Diktatur macht, deren langer Arm offensichtlich bis nach München reicht und sich bereits von dem Wort Kurdistan derart provozieren lässt“, schreiben die Verfasser und klagen auch den FC Bayern und Türkgücü München an.

„Wir verwehren uns dagegen, dass auch durch unseren eigenen Verein eine Darstellung in den Medien verbreitet wird, das Problem der Eskalation sei gewesen, dass die Fahne nicht angemeldet war. Das Problem der Eskalation war ausschließlich die maßlose und unverhältnismäßige Polizeigewalt, sowie ein fragwürdiges Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit bei den Verantwortlichen beider Vereine.“ Im Falle einer juristischen Auseinandersetzung sichert der „Club Nr. 12“ den Fans des FC Bayern „volle Unterstützung“ zu. (jb)

Aufrufe: 021.11.2022, 16:35 Uhr
Jörg BullingerAutor