2026-03-13T07:45:35.464Z

Vereinsnachrichten

Skandal! CAF erklärt Marokko doch noch zum Africa-Cup Sieger

von Isaija Zecevic · Heute, 10:09 Uhr · 0 Leser
Skandalös: Marokko ist nachträglich zum Africa-Cup Sieger ausgerufen worden. Doch ist diese Entscheidung vertretbar?
Skandalös: Marokko ist nachträglich zum Africa-Cup Sieger ausgerufen worden. Doch ist diese Entscheidung vertretbar? – Foto: Imago Images

Der afrikanische Fußball wird von der nächsten Wendung im Skandal um das Finale des Afrika-Cups 2025 erschüttert – und die Entscheidung des Kontinentalverbands wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Rund zwei Monate nach den chaotischen Ereignissen hat die CAF das Endspiel neu gewertet, Senegal den Titel aberkannt und Marokko nachträglich zum Afrikameister erklärt.

Grundlage der Entscheidung ist Artikel 84 des CAF-Regelwerks. Dieser erlaubt es, Spiele nachträglich als verloren zu werten, wenn eine Mannschaft durch ihr Verhalten den ordnungsgemäßen Ablauf massiv beeinträchtigt. Genau darauf stützt sich das Berufungsgremium: Der zwischenzeitliche Platzverweis durch die senegalesischen Spieler in der hitzigen Schlussphase sei als spielentscheidende Unsportlichkeit zu werten.

Doch genau hier beginnt die Kritik.

Denn die Auslegung von Artikel 84 gilt als hoch umstritten. In vergleichbaren Fällen wurde bislang häufig differenzierter entschieden – etwa mit Wiederholungen von Spielen oder Teilwertungen, statt direkt eine 0:3-Niederlage am grünen Tisch festzulegen. Dass die CAF nun den maximalen Eingriff wählt, sorgt in Fachkreisen für erheblichen Diskussionsstoff.

Hinzu kommt: Das Spiel wurde nach der Unterbrechung fortgesetzt und regulär zu Ende gebracht. Senegal kehrte auf den Platz zurück, der Elfmeter wurde ausgeführt – wenn auch vergeben – und die Partie ging in die Verlängerung. Dort fiel die sportliche Entscheidung zugunsten des Teams um Sadio Mané.

Genau dieser Punkt ist entscheidend für die Bewertung: Wenn ein Spiel fortgesetzt und abgeschlossen wird, stellt sich die Frage, ob eine nachträgliche Komplettwertung überhaupt verhältnismäßig ist. Kritiker argumentieren, dass die Spielleitung vor Ort – also Schiedsrichter und Offizielle – die Situation bereits bewertet und durch die Fortsetzung faktisch entschieden haben.

Auch die Rolle des strittigen Elfmeters bleibt zentral. Der Auslöser für die Eskalation war eine umkämpfte Szene, die überhaupt erst zu den Protesten führte. Dass diese Spielsituation nun indirekt durch eine administrative Entscheidung überschrieben wird, verstärkt die Zweifel an der Fairness des Verfahrens.

Der marokkanische Verband hatte unmittelbar nach Abpfiff Protest eingelegt und auf eine Wettbewerbsverzerrung verwiesen. Die Argumentation: Das Verlassen des Spielfelds habe den Spielfluss und die mentale Verfassung der Spieler nachhaltig beeinflusst. Die CAF folgte nun dieser Linie – und hob damit ihre ursprüngliche Entscheidung, das Ergebnis zu werten, wieder auf.

Auch Gianni Infantino hatte die Szenen damals scharf kritisiert und von „inakzeptablen“ Vorfällen gesprochen. Seine Aussagen zielten jedoch primär auf das Verhalten während der Partie – nicht zwingend auf eine nachträgliche Titelaberkennung.

Für Senegal ist die Entscheidung ein sportlicher Tiefschlag mit Signalwirkung. Der zweite Afrika-Cup-Triumph nach 2022 wird aus den Geschichtsbüchern gestrichen. Spieler wie Idrissa Gueye oder Édouard Mendy verlieren damit einen der größten Erfolge ihrer Karriere – nicht auf dem Platz, sondern am grünen Tisch.

Auf der anderen Seite steht Marokko, das nun erstmals seit 1976 wieder als Afrikameister geführt wird. Spieler wie Achraf Hakimi profitieren von der Entscheidung – auch wenn der Titelgewinn einen bitteren Beigeschmack behält.

Die Kernfrage bleibt: War die Anwendung von Artikel 84 in diesem Fall angemessen – oder ein zu harter Eingriff in ein bereits sportlich entschiedenes Spiel?

Viele Beobachter tendieren zur zweiten Sichtweise. Denn selbst wenn das Verhalten Senegals zu sanktionieren ist, erscheint die vollständige Aberkennung des Ergebnisses als unverhältnismäßig. Mildere Mittel – etwa Geldstrafen, Spielsperren oder eine Wiederholung – hätten den sportlichen Kontext stärker berücksichtigt.

So aber bleibt ein Urteil, das den ohnehin skandalträchtigen Abend endgültig zu einem der umstrittensten Kapitel der Afrika-Cup-Geschichte macht – und das Vertrauen in die Entscheidungsprozesse der CAF nachhaltig belastet.