
Es waren gerade einmal 54 Minuten am Mittwochabend gespielt, da hatte sich Sinan Kurt bereits die inoffizielle Auszeichnung des Matchwinners gesichert. Der vorgezogenen Partie seines MSV Düsseldorf bei der SVG Neuss-Weissenberg hatte der 29-Jährige nicht nur aufgrund seines Treffers zum zwischenzeitlichen 3:0 (55.) seinen Stempel aufgedrückt. Denn auch bei den ersten beiden Gäste-Toren von Carlos Penan (13.) und Wiren Bhaskar (28.) hatte Kurt seine versierten Füße im Spiel. Damit war die entscheidende Figur auf dem Platz schnell identifiziert.
„Was sei schon dabei“, würden nun wohl diejenigen fragen, die Kurts Vita kennen. Schließlich galt der gebürtige Mönchengladbacher in jungen Jahren als eines der Toptalente der Nation, das schon im Alter von 17 den Sprung zum FC Bayern München wagte und unter anderem dreimal in der ersten Bundesliga auf dem Feld stand. Doch die Selbstverständlichkeit, mit der Kurt in der Jugend noch Woche für Woche Spiele entschieden hatte, war dem Linksfuß im Seniorenbereich dann Stück für Stück abhandengekommen. Und damit einher ging beim einstigen Spaßfußballer offenbar auch der Spaß am Spiel verloren. Darauf deuten jedenfalls die zahlreichen Vereinswechsel in den letzten Jahren hin.
Wirklich heimisch wurde Kurt nach seinem Abschied von Borussia Mönchengladbach vor rund elf Jahren aus sportlicher Sicht zuletzt nirgendwo.
Beim Bezirksligisten MSV Düsseldorf scheint er jetzt einen „Happyplace“ gefunden zu haben. Seite an Seite mit Freunden wie Aaram Abdelkarim blüht der Linksfuß allmählich auf. Dass er bislang alle sieben Pflichtspiele von Beginn an absolvieren konnte ist gut für ihn und natürlich gut für den Klub. Denn mit jeder Wettkampfminute mehr kommen die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Offensivmannes deutlicher ans Tageslicht, wovon letztlich auch der MSV profitiert.
„Man sieht, dass Sinan richtig Spaß bei uns hat. Er haut sich auch im Training unglaublich rein“, schwärmt Goran Tomic. Allerdings liegt es dem Coach am Herzen, das Geschehen an der Heidelberger Straße nicht als „One-Man-Show“ abzustempeln. „Es ist nicht Sinan alleine, der die Spiele gewinnt. Wir haben einige Spieler im Kader, die auch schon in höheren Ligen unterwegs waren. Das sind alles feine Charaktere, die zuhören und sich in den Dienst der Mannschaft stellen“, betont Tomic.
Mit Sparta Bilk wartet am übernächsten Wochenende ein Gegner auf Augenhöhe auf seine Elf. Zuvor darf der vorübergehende Tabellenzweite aber zunächst die Füße hochlegen. Denn nach dem 3:1-Sieg über Weissenberg gab der Trainer Sinan Kurt und Kollegen ein paar Tage frei.