
41 Punkte, Platz sechs, von Abstiegsgefahr keine Spur – eine Bilanz, die sich für das zweite Jahr in der Kreisliga A Kleve/Geldern eigentlich ganz ordentlich liest. Doch Sebastian Eul hatte offensichtlich etwas mehr erwartet. „Für mein Verständnis sind wir weit hinter unseren Zielen zurückgeblieben. Spätestens ab Frühjahr war das eine ganz zähe Angelegenheit. Da hat man speziell auch bei dem einen oder anderen gestandenen Spieler gemerkt, dass der letzte Funke Motivation gefehlt hat“, sagt der ehrgeizige Trainer, der Siegfried Materborn in der Saison 2022/23 zurück ins Oberhaus geführt hat.
Die Verantwortlichen in der Klever Oberstadt haben sich zusammengesetzt und sind zu folgendem Schluss gelangt: ein Umbruch muss her. „Uns war eigentlich schon vorher klar, dass wir einen Neuaufbau in die Wege leiten müssen. Das ist jetzt passiert“, so Eul.
In der Tat werden die Zuschauer in der kommenden Saison in der Siegfried-Kampfbahn eine Mannschaft erleben, die sich deutlich verändert hat. Sechs Abgängen stehen neun Zugänge gegenüber. Darunter sind gleich fünf Spieler, die zuletzt in der A-Jugend gekickt haben und in Materborn den Sprung in den Seniorenbereich schaffen wollen. „Man spürt in jeder Trainingseinheit, wie motiviert die Jungs sind. Da ist auf dem Platz wieder eine ganz andere, positive Dynamik entstanden“, sagt Eul.
Der Siegfried-Coach ist nicht nur deshalb mit der Entwicklung seiner Mannschaft und dem Verlauf der Vorbereitung vollauf zufrieden. „Alle Positionen sind wieder doppelt besetzt, es herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf um die Plätze in der Startelf. Da macht auch mir die Arbeit mit der Mannschaft natürlich wieder mehr Spaß“, so der 40-Jährige, der seit der frühzeitig abgebrochenen Corona-Saison 2020/21 für Siegfried im Einsatz ist.
Trotz der Aufbruchstimmung wissen der Trainer und die Verantwortlichen des Traditionsklubs selbstverständlich ganz genau, dass mit einem sportlichen Umbruch immer auch Risiken verbunden sind. „Natürlich kalkulieren wir den einen oder anderen Rückschlag ein. Alles andere wäre blauäugig. Aber wir wollen eine Basis für die nächsten Jahre schaffen und ein Team entwickeln, das unseren sportlichen Ansprüchen gerecht wird“, sagt Eul.
Eine Baustelle hat der Verein ganz nebenbei erfolgreich bearbeitet. Weil Stammkeeper Tim Schwarz wegen einer Verletzung noch längere Zeit ausfällt, hatte Siegfried in den sozialen Medien eine Art Stellenanzeige geschaltet und nach Keepern Ausschau gehalten. In der Sommerpause ist Andy Kaus vom Bezirksligisten SV Rindern zurückgekehrt, der 36-Jährige ist in erster Linie als Torwarttrainer vorgesehen. Gute Chancen auf einen Platz zwischen den Pfosten rechnet sich der 21-jährige Jeremy Traber aus, der von Viktoria Goch gekommen ist.