
Mal ehrlich, liebe Fußballfreunde: Der Blick am Morgen aus dem Fenster ist aktuell eher deprimierend. Statt sattem Grün sieht’s draußen aus wie in einem Werbespot für Winterreifen. Die Absagen in der Regionalliga Nord und Nordost prasseln im Stundentakt rein, und die Vorfreude auf die Stadionwurst weicht dem Frust auf dem Sofa. Aber halten wir mal kurz den Ball flach: So nervig die spielfreien Wochenenden auch sind – die frühen Absagen sind aktuell der einzig richtige Spielzug.
Fangen wir beim Wichtigsten an: den Beinen der Akteure. Fußball auf gefrorenem Boden oder einer dünnen Schneeschicht hat mehr mit Eiskunstlauf zu tun als mit Fußball. Wer schon mal bei Minusgraden versucht hat, auf einem knallharten Boden einen Ausfallschritt zu machen, weiß: Das ist die Geburtsstunde jeder Schambeinentzündung und jedes Kreuzbandrisses. In einer Liga, in der viele Spieler montags wieder im Büro, in der Uni oder auf der Baustelle stehen müssen, ist es schlicht verantwortungslos, die Jungs über eine Rutschbahn zu schicken. Vernunft siegt hier über den Terminkalender – zum Glück!
Nichts ist schlimmer als die „Umsonst-Tour“. Wir reden hier über die Regionalligen Nord und Nordost – da fährt man nicht mal eben zehn Minuten mit dem Fahrrad zum Auswärtsspiel. Wenn die Fans aus Greifswald, Meppen oder Leipzig drei, vier Stunden im Auto sitzen, Spritgeld verblasen und wertvolle Freizeit opfern, nur um 30 Minuten vor Anpfiff zu erfahren, dass der Schiri den Daumen senkt, ist die Stimmung verständlicherweise im Keller. Die frühzeitige Entscheidung ist ein Akt der Fairness gegenüber den Allesfahrern. So bleibt das Geld im Portemonnaie und der Frust auf der Autobahn erspart.
Man darf auch mal an die Greenkeeper denken. Wenn du bei Tauwetter und Schneematsch 22 schwere Jungs plus Schiedsrichtergespann über den Platz jagst, sieht das Geläuf danach aus wie ein Truppenübungsplatz nach einer Panzerübung. Den Schaden, den man in 90 Minuten „Gewalt-Fußball“ anrichtet, kriegst du bis Mai nicht mehr repariert. Wir wollen doch alle im Frühjahr schönen Kombinationsfußball sehen und kein Gehoppel auf einer Kraterlandschaft, oder? Zudem verhindert die Absage eine reine "Zufallsschlacht" – Fußball soll schließlich durch Können entschieden werden, nicht dadurch, welcher Ball in welcher Schneewehe stecken bleibt.
Und mal ganz abgesehen vom Sportlichen: Ein Stadionbesuch soll Spaß machen und nicht im Krankenhaus enden. Wenn die Zufahrtswege zum Stadion eher an eine Bobbahn erinnern, wird es für die Vereine haftungstechnisch richtig brenzlig. Bevor sich Oma Erna beim Gang zur Tribüne die Hüfte bricht oder der Fanbus im Graben landet, ist der „Abbruch vor Anpfiff“ die einzig logische Konsequenz.
Ja, die Nachholspiele unter der Woche werden stressig und die Tabelle sieht für die nächsten Wochen etwas "schief" aus. Aber mal Hand auf Herz: Lieber ein geiles Flutlichtspiel bei 12 Grad und trockenem Rasen als eine Slapstick-Einlage im Schneegestöber, bei der am Ende nur der Physiotherapeut Überstunden macht. Packt die Handschuhe weg, holt euch einen Tee und freut euch auf die Rückrunde, wenn der Ball wieder rollt statt zu rutschen!