
Food-Influencer und Toptorjäger in Personalunion: Im Interview gibt Landesliga-Stürmer Giacinto Sibilia Ernährungstipps für Fußballer.
München – Für den FC Schwabing 56 schießt Giacinto Sibilia Tore am Fließband. Dreimal in Folge gewann der Stürmer die Torjägerkrone in der Bezirksliga Nord, letzte Saison führte er die Münchner zum historischen Aufstieg in die Landesliga. Bei Instagram teilt Sibilia hauptberuflich vegane Rezepte und hat über 400 000 Follower (likegian & giankocht).
Im Interview spricht Giacinto Sibilia über Probleme mit dem eigenen Körpergewicht, die positiven Effekte gesunder Ernährung und über veganes Schnitzel im Schwabinger Vereinsheim.
Servus Gian, was hast du heute Morgen gefrühstückt?
Porridge. Haferflocken, Chiasamen, Leinsamen und Proteinpulver mit Wasser vermengt. Oben drüber Nussmus und eine Banane. Hatte auch ein Foto in meiner Story (lacht).
Gibt‘s das jeden Morgen oder isst du an einem Spieltag etwas anderes?
Nein, das Frühstück ist eigentlich jeden Tag gleich. Je nachdem wann wir spielen, esse ich eine zweite Mahlzeit und eventuell eine dritte. Was die Ernährung angeht, bin ich schon sehr, sehr speziell. Mit meinen fast 34 Jahren bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste. Deswegen schaue ich, dass ich viel über die Ernährung mache.
„Für Fußball sind Kohlenhydrate entscheidend.“
Giacinto Sibilia
Du hast zuletzt dreimal in Folge die meisten Tore in der Bezirksliga Nord geschossen, scheinst also noch ganz gut mitzuhalten. Was ist dein Geheimnis, worauf sollten gerade Fußballer bei ihrer Ernährung achten?
Viele denken ja, dass Proteine der wichtigste Makronährstoff sind. Proteine sind auch super wichtig, aber für Fußball sind Kohlenhydrate entscheidend. Die bringen dir im Spiel die Energie. Kombiniert natürlich mit einer vernünftigen Proteinzufuhr und einer vernünftigen Fettquelle, aber das stellt bei den meisten kein Problem dar.
Was sind deine liebsten Kohlenhydratquellen?
Haferflocken und Vollkornnudeln.
Also vor dem Spiel Porridge oder Nudeln und nach dem Spiel? Bekommst du als Veganer bei Auswärtsfahrten immer was Vernünftiges im jeweiligen Vereinsheim?
Ich nehme mir immer selbst was mit. Nach dem Spiel braucht mein Körper wirklich direkt Nährstoffe und das sollte meiner Meinung nach auch irgendwo gesund sein. Deshalb trinke ich danach immer einen Shake. Der besteht aus schnellen Kohlenhydraten und Proteinpulver. Wenn wir erst um 22 Uhr fertig sind, esse ich auch nichts Festes mehr, sonst würde ich relativ schlecht schlafen. Aber die Kohlenhydrate oder die Kalorien im Allgemeinen, die brauche ich natürlich. Dementsprechend hat der Shake relativ viel davon, aber eben in flüssiger Form.
Immer nur Shake?
Ich weiß nicht, ob mir zuliebe, aber in unserem Vereinsheim gibt es mittlerweile auch veganes Schnitzel. Das ist schon cool. Jetzt kann ich, wenn am Sonntag jeder nach dem Spiel ein Schnitzel bestellt, auch mal eins essen. Prinzipiell ist das nach einem Spiel aber nicht die optimale Mahlzeit. (lacht)
Apropos optimale Mahlzeiten. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist als Veganer ja nicht ganz unkompliziert.
Es gibt schon ein paar „kritische Nährstoffe“. Das ist erstmal ganz klassisch Vitamin B12. Wobei das nicht nur in der veganen Ernährung kritisch ist, sondern allgemein. Dann supplementiere ich noch Omega 3 – dafür nehme ich Algenöl – und Magnesium. Das hat aber nichts mit der veganen Ernährung zu tun, sondern weil ich viel Sport mache. Außerdem habe ich noch so ein Multipräparat, das mir Zink, Eisen, Jod und B-Vitamine gibt. Das sind aber einfach nur Dinge, die ich on top mache. Damit gehe ich auf Nummer sicher, dass es mir gut geht.
„Bei Kammerberg haben sie mich damals ‚Ailton‘ oder ‚Kugelblitz‘ genannt.“
Giacinto Sibilia
Seit wann ernährst du dich eigentlich vegan?
Ich hatte vor zwölf Jahren schonmal damit angefangen, weil ich da eine Freundin hatte, die vegan gelebt hat. Damals habe ich mich aber noch nicht so richtig damit auseinandergesetzt. Nach ein, zwei Jahren habe ich es dann wieder gelassen, weil ich dachte, dass mir irgendwas fehlt. Dann, vor so sechs Jahren, habe ich relativ viel gewogen. Also ich hatte fast 90 Kilo…
… und das war nicht nur Muskelmasse?
Nein, leider keine Muskelmasse. (lacht) Bei Kammerberg haben sie mich damals „Ailton“ oder „Kugelblitz“ genannt. Und als ich immer dicker und unfitter geworden bin, war ich auch einfach nicht mehr gut genug. Ich war dann aber so ehrgeizig, dass ich gesagt habe: ‚Jetzt muss was passieren.‘ Ich habe dann vom Fußball eine Pause gemacht, bin erst für ein Jahr nach Australien gegangen und war dann noch ein Jahr in Berlin. Währenddessen habe ich meine Ernährung umgestellt, viel Sport getrieben und komplett abgenommen.
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Du bist also aus gesundheitlichen Gründen vegan geworden und nicht aus ethischen?
Ja, zu Beginn ging es mir darum, dass ich auf meinen Körper achte und schaue, was ich rausholen kann. Nach und nach habe ich mich aber immer mehr mit dem Thema beschäftigt und glaube, dass es auch aus ethisch-moralischer Sicht einfach der richtige Weg ist.
Welche positiven Effekte hast du denn durch deinen Ernährungswechsel festgestellt?
Es lässt sich nie ganz beurteilen, ob das jetzt daran liegt, dass ich vegan lebe oder weil ich mich bewusst ernähre. Ich will also nicht sagen, dass die vegane Ernährung an sich das Nonplusultra ist. Zusätzlich koche ich nur noch frisch und achte auf meine Makronährstoffe. Aber dadurch, dass ich mich vollwertig ernähre, stehe ich in der Früh auf und fühle mich fit. Das war früher nicht so, da habe ich auch noch wirklich lange gebraucht, um zu regenerieren. Mittlerweile habe ich nach der Arbeit noch Bock, ins Gym zu gehen. Ich habe Bock, rauszugehen und Sachen zu unternehmen. Ich habe einfach extrem viel Energie. Und da bin ich mir relativ sicher, dass das mit der Ernährung zusammenhängt.
„Es wird niemandem schaden, Fleisch zu reduzieren.“
Giacinto Sibilia
Und beim Fußball?
Seitdem ich vegan lebe und mich gesund ernähre, bin ich auf einmal saugut im Fußball. (lacht) Also da müssen Parallelen sein.
Rätst du anderen Fußballern zur veganen Ernährung?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber es wird niemandem schaden, Fleisch zu reduzieren. Alles in Maßen, nichts in Massen. Aber ich bin schon der Meinung, dass es überwiegend pflanzlich sein sollte.
Das Interview führte: Simon Jacob.