NOZ-Redakteur Benjamin Kraus lobt die Fusion, kritisiert aber den Umgang mit den Schiedsrichtern.
NOZ-Redakteur Benjamin Kraus lobt die Fusion, kritisiert aber den Umgang mit den Schiedsrichtern.

Start mit einigen Schwächen

Kommentar von NOZ-Redakteur Benjamin Kraus zur Fusion

Die Fusion ist durch – und dass sie kommt, ist nicht nur gut für die zukunftsfeste Sicherung der Strukturen des Amateurfußballs in Osnabrück Stadt und Land, sondern auch ein Fingerzeig an die Politik, was möglich ist in Sachen Verwaltungsreform.

Die engagierte Vorarbeit der ehrenamtlichen Funktionäre im jahrelangen Vorbereitungsprozess hat sich ausgezahlt. Gelingt es ihnen - wie bei den zuletzt gebildeten Restart-Ligen - auch bei den in den nächsten Jahren anstehenden Einteilungen Augenmaß zu wahren und die Bedürfnisse der Vereine so weit wie möglich zu berücksichtigen, wird man auch die überschaubare Zahl der Fusionsgegner beim Fußball halten.

Weil es nicht vorgesehen war, letztere bei den drei Kreistagen vor den Abstimmungen über die Fusion mit ihren Anliegen zu Wort kommen zu lassen, darf man allerdings ein Demokratiedefizit monieren: An einem sauber durchorchestrierten und technisch einwandfrei durchgeführten virtuellen Veranstaltungsmarathon. Schade auch, dass sich aktuelle Amsträger Zeit für ellenlange Grußworte nahmen, aber eine formale Würdigung verdienter Funktionäre im neuen Kreis ausfällt. Kettmann und Co. ließen ansonsten ohne viele Erklärungen einfach über die Anträge abstimmen – ein Vorgehen, dass ihnen später allerdings auf die Füße fiel.

Und zwar bei der Abstimmung zur Frage, ob Vereine künftig einen Betreuer für den Schiedsrichter bei Heimspielen stellen müssen. Was eigentlich auch ohne Festschreibung in Spielordnungen eine Selbstverständlichkeit sein sollte, wurde als „Antrag des Schiedsrichterausschusses“ angekündigt – und von einer knappen Mehrheit der Klubvertreter abgeschmettert. Angesichts der Schlagzeilen zu Gewaltvorfällen gegen Referees auch in unseren Ligen in den letzten Jahren ist das ein Armutszeugnis. Viele Fußballer haben immer noch nicht erkannt, wie elementar die Rolle der Unparteiischen für unser liebstes Hobby ist.

Zumal sich direkt danach eine kleinkarierte Debatte über angeblich zu hohe Anfahrtskosten für Schiedsrichter entspannte. Maßgeblich initiiert ausgerechnet von einem Landkreisverein, der im Gegensatz etwa zu einigen Stadtklubs mit ärmerer Klientel nicht wirklich darüber klagen kann, von Mitgliedern und öffentlichen Stellen keine Unterstützung zu erfahren – und jüngst einen fünfstelligen Betrag für als Talente ausgebildete Bundesliga-Spieler eingestrichen hat. Richtig viel Geld kann übrigens gespart werden, wenn irgendwann gar keine Schiedsrichter mehr bereit sind, zu kommen.

Aufrufe: 05.7.2021, 08:26 Uhr
Benjamin Kraus / NOZ SportAutor

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