
Dieses Landesliga-Duell wird allen Beteiligten wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Dabei war die Partie zwischen der SG Unterrath und der DJK Neuss-Gnadental kein Leckerbissen. Doch der graue Fußballnachmittag am Franz-Rennfeld-Weg wurde in der Nachspielzeit plötzlich wild und farbenfroh.
Was sich alleine in den letzten Minuten der Begegnung zweier Tabellennachbarn abspielte, lieferte Stoff, der im Normalfall für mehrere Wochen reichen würde. Für die letzte sportliche Schlagzeile am Sonntag sorgte dabei Toni Munoz. Erst zur Pause eingewechselt, erlöste der Routinier die Gastgeber auf dem allerletzten Drücker mit seinem Tor zum 1:1-Endstand. Der emotionale Höhepunkt sollte damit aber noch nicht erreicht sein. Vielmehr kippte die Freude über den Ausgleichstreffer auf Unterrather Seite innerhalb kürzester Zeit in blanke Wut um. Und diese richtete sich gegen den Unparteiischen Yassin El Hatri und sein Gespann, denen eine fair geführte Begegnung auf den letzten Metern aus den Händen glitt.
El Hatri hatte unmittelbar nach dem Ausgleichstor zunächst dem völlig verdutzten SGU-Keeper Max Möllemann mit der Roten Karte des Feldes verwiesen, weil einer seiner Assistenten eine Beleidigung gehört haben wollte. Diese kam allerdings nicht aus Möllemanns Mund, sondern wurde von einem Außenstehenden getätigt, der seitlich neben dem Tor stand, wie auch Daniel Beine auf Nachfrage bestätigte. Unterraths Trainer geriet wenig später dann ebenfalls ins Visier von El Hatri. Voraus ging ein Abseitspfiff des Schiedsrichters, der damit nicht nur den vielversprechenden Unterrather Konter, sondern zugleich auch die Partie beendete. Die Proteste der Unterrather Offiziellen folgten prompt, was El Hatri dazu veranlasste, neben einem Co-Trainer und Unterraths sportlichem Leiter Toma Ivancic auch Daniel Beine die Rote Karte zu zeigen.
Beine war auch am Tag nach dem Spiel noch fassungslos. „Ich habe mir das noch einmal auf Video angesehen. Das war ganz klar kein Abseits“, echauffierte sich der 38-Jährige.
Besser kam in der Analyse die eigene Mannschaft weg, die nach zähem Beginn im zweiten Abschnitt den Druck erhöhte und sich mit dem Ausgleichstor belohnte. „Wir haben nach der Pause ein paar Dinge im Spielaufbau geändert und hatten dann mehr Struktur. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt“, freute sich der Coach. Beine selbst trieb sein Team von Außen immer wieder lautstark an. „Ich hätte mich am liebsten selbst eingewechselt“, gab der einstige Oberligaspieler Einblick in sein Seelenleben.
Für ihn und seine Elf geht es erst am übernächsten Wochenende mit dem Derby gegen den FC Kosova weiter. Ob Beine dann nach dem strittigen Platzverweis an der Seitenlinie stehen darf, bleibt abzuwarten.