Verhandlung über Spielabbruch in Erfttal

Mesopotamia Grevenbroich und SG "Anadolu 98" Erfttal erwarten Urteil der Verbandsspruchkammer.

Im Sitzungszimmer II des Sportparks Wedau in Duisburg verhandelt die Spruchkammer des Fußball-Verbandes Niederrhein am Mittwochabend ab 18 Uhr einen ganz besonderen Fall: Es geht um das am 17. Oktober abgebrochene Meisterschaftsspiel der Kreisliga C zwischen der SG „Anadolu 98“ Erfttal und dem KSV Mesopotamia Grevenbroich.

Dabei soll der Schütze seinen Treffer zum 3:0 für die Gastgeber mit dem Militärsalut gefeiert haben, bestätigte die mit einer Hundertschaft auf der Anlage an der Parisstraße in Erfttal vertretene Polizei. Auch der Schiedsrichter vermerkte den Gruß, der als politisches Bekenntnis zum Militäreinsatz türkischer Streitkräfte in Nordsyrien zur Bekämpfung der Kurdenmiliz YPG gilt, in seinem Spielbericht. Daraufhin verließ die kurdisch geprägte Mannschaft von „Mesopotamia“ das Spielfeld. Zwar trennten die Einsatzkräfte die auf den Platz gelaufenen Zuschauer beider Lager sofort, trotzdem brach der Unparteiische die Partie in der 60. Minute vorsichtshalber ab.

In einem schriftlichen Verfahren, das seit rund einem Jahr die oft zeitraubenden Spruchkammersitzungen ersetzen soll, hatte der vom FVN eingesetzte Einzelrichter den Vereinen folgenden Vorschlag unterbreitet: Das Match wird für beide Teams als verloren gewertet, der Torschütze des dritten Treffers muss wegen seiner auf Fußballplätzen grundsätzlich verbotenen politischen Geste zwei Spiele aussetzen und die Klubs werden mit einem geringen Ordnungsgeld belegt. Dieses Angebot habe „Mesopotamia“ indes abgelehnt, weiß Dirk Gärtner, Vorsitzender des Fußballkreises 5 Grevenbroich/Neuss. Dabei sind die Grevenbroicher nach ihrem 3:1-Sieg im entscheidenden Duell mit dem SC Kapellen III – unabhängig vom Ausgang der abgebrochenen Partie – ebenso für die Aufstiegsrunde zur Kreisliga B qualifiziert wie die SG Erfttal. Doch darum geht es den KSV-Kickern gar nicht. Schon am Tag nach dem Eklat hatte Cetin Akcakaya, Spielertrainer und Erster Vorsitzender des Kurdischen Sportvereins, klargestellt: „Wie das Spiel jetzt gewertet wird, ist mir völlig egal. Hier wurde eine Grenze überschritten. Das hat nichts mehr mit Sport zu tun, sondern hier wurde eine Plattform für andere Dinge genutzt.“

Fraglich ist allerdings, ob der FVN der richtige Ansprechpartner für die somit eingeforderte grundsätzliche Entscheidung ist. Nach der Verbandsspruchkammer bliebe in diesem konkreten Fall als letzte Instanz das Präsidium des Fußballverbandes Niederrhein. UEFA und FIFA vertreten die Position: „Politik gehört nicht ins Stadion. Fußball und Politik sind strikt zu trennen.“ Mit diesem Reflex drücken sich die Verantwortungsträger seit Jahren gerne vor überfälligen Diskussionen.

Aufrufe: 027.11.2019, 08:02 Uhr
RP / Dirk SitterleAutor

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