Noch vor wenigen Wochen hatte Erler die Situation klar benannt: „Wenn man so spielt, wird es schwierig werden, in der Bezirksliga zu bleiben.“ Nach dem 1:6 gegen Döhren war von „kein Bezirksliga-Format im Verteidigungsverhalten“ die Rede, von fehlender Stabilität und zu vielen Geschenken an den Gegner. Auch offensiv fehlte lange die Durchschlagskraft: „Wir sind einfach vorm Tor zu schwach, zu schlecht. Uns fehlt die Überzeugung.“
Die Wende kam nicht über spielerische Dominanz, sondern über Mentalität. Schon beim überraschenden 1:0 gegen Tabellenführer SV Ramlingen/Ehlershausen U23 II sprach Erler von einem „kämpferischen Sieg mit viel Leidenschaft“ und stellte klar: „Fußballerisch keine Glanzleistung – aber aktuell ist das einfach nicht drin.“
Genau diese Herangehensweise prägt nun die Phase der Saison. Auch gegen Krähenwinkel war das Spiel „ein bisschen Sommerkick, insgesamt schwaches fußballerisches Niveau“, wie Erler einordnet. Doch entscheidend ist ein anderer Punkt: „Wir haben unsere Linie durchgezogen.“
Dabei sind die Umstände extrem. „Wir hatten am Ende vier Spieler auf der Bank, davon ein Ersatztorwart als Feldspieler, ein Trainer, einer aus der zweiten und ein Spieler, der kaum trainiert hat“, beschreibt Erler die personelle Lage. Schon zuvor hatte er von einem „brutalen Aderlass“ gesprochen: zahlreiche Verletzte, mehrere Kreuzbandrisse, Abgänge im Winter.
Effizienz bleibt das große Thema
Trotz der jüngsten Erfolge bleibt ein Problem bestehen. „Wir brauchen fünf große Chancen für ein Tor“, hatte Erler mehrfach betont. Auch gegen Krähenwinkel bestätigt sich das Bild: „Wir hatten drei, vier, fünf hundertprozentige Chancen – eigentlich müssen wir früher treffen.“
Dass es dennoch reicht, liegt an der neuen defensiven Stabilität. „Die Boxverteidigung war wirklich sehr, sehr klasse von uns“, so Erler. Flanken werden konsequent geklärt, Abschlüsse geblockt, Räume dichtgemacht. Genau das hatte er nach dem Döhren-Spiel gefordert: „Wir müssen kompromisslos verteidigen und Fehler minimieren.“
Gegen Krähenwinkel kommt auch das nötige Spielglück hinzu. Nach dem 2:0 – „völlig aus dem Nichts, weil der Torwart patzt“ – überlässt Blaues Wunder dem Gegner bewusst den Ball. „Wir hatten gar kein Interesse mehr, offensiv zu spielen – nur noch verteidigen und kompromisslos sein“, erklärt Erler.
Als Krähenwinkel per Elfmeter zurückkommen könnte, hält der Torwart. „Wir haben uns da reingeworfen, alles geklärt“, beschreibt Erler die Szene. Selbst eine strittige Entscheidung bringt das Team nicht aus dem Konzept: „Für mich ein absoluter Witz, dass das ein Handspiel sein soll.“
Rumpfkader wächst zusammen
Die personelle Lage bleibt angespannt – und wird sogar noch prekärer. „Am Ende haben wir zu zehnt gespielt, weil noch ein Spieler verletzt und wir alles Wechsel aufgebraucht hatten“, sagt Erler. Wieder ein Verletzter, wieder improvisiert. Und dennoch entsteht daraus eine Stärke. Schon nach dem ersten Sieg der Saison hatte Erler betont: „Es geht immer – auch mit einem kleinen Kader.“ Dieses Gefühl trägt die Mannschaft aktuell.
Mit nun 23 Punkten hat sich Blaues Wunder auf Rang zwölf verbessert und sich etwas Luft im Abstiegskampf verschafft. Angesichts von vier direkten Abstiegsplätzen und Relegation für den Tabellen-13. ist jeder Punkt entscheidend. Die jüngste Serie mit sieben Punkten gegen Teams aus den Top vier unterstreicht den Trend. „Das ist Gold wert für die Moral“, sagt Erler.
Oder anders formuliert: Eine Mannschaft, die lange an sich zweifelte, hat wieder gelernt, an sich zu glauben – auch ohne Glanz, aber mit maximalem Einsatz.